Artikel
0 Kommentare

Sample Diggin‘: Madvillain – Papermill

Endlich! Seit Oktober 2010 suche ich verzweifelt nach der German-Schweinerock-Platte die Madlib in diesem Track verwurstet hat:

Die amerikanischen Blogs vermuteten (aufgrund einer eher oberflächlichen Google-Recherche) Manfred Krugs Morgen dahinter, wobei ich persönlich meinte eine Peter Maffayeske Phrasierung in der Zeile „… man wird sehen …“ zu hören.

Dank dem soundcloud-User Betak ist nun die definitiv richtige Quelle ans Licht gekommen. Madlib hat mal wieder eine oskure Samplesource in dem Song „Irgendwie“ der Gitarrenformation Blonker aus dem Jahre 1978 aufgetan und dem lahmen Zeigefinger-Schweinerock einen funky Chop-Up verpasst.

Wenn es noch eines Beweises für die Kunstfertigkeit des Cratediggers Madlib und die potentielle Genialität des Prinzips Cut n‘ Paste bedurfte, hier ist er…

Artikel
0 Kommentare

Diggin‘ The Crates: Big Apple Productions Vol. 1

Die Geschichte meiner großen Leidenschaft für Cut n‘ Paste-Musik muss neu geschrieben werden: Meine bisherigen Helden Double Dee & Steinski, Coldcut, Bomb The Bass und auch der frühe Westbam: alle nur Epigonen. Der wahre Ursprung des Sample-Edit-Wahnsinns ist diese Platte:

Ein Mix auf Schallplatte, zusammengeklebt an der Bandmaschine: Big Apple Productions Vol. 1 kam 1982 als Bootleg raus und war ein tightes Medley aus Dance-Hits der damaligen Zeit. Erstellt hat den Mix der New Yorker Szene-DJ der 80er Mikey D’Merola, auch wenn er auf dem Label nicht erwähnt wird.

Musikvideo: Adobe Flash Player (Version 9 oder höher) wird benötigt um dieses Musikvideo abzuspielen. Die aktuellste Version steht hier zum herunterladen bereit. Außerdem muss JavaScript in Ihrem Browser aktiviert sein.


Big Apple Productions Vol. 1

Viele der älteren Produktionen von Westbam wie z.B. Cold Train, The Roof Is On Fire und große Teile der ersten LP Westbam (u.a. Monkey Say Monkey Do) sind von diesem Mix inspiriert, obwohl anhand der Chronologie gemutmaßt werden darf, dass Westbam den Umweg über die oben genannten Coldcut gegangen ist, die sich ausgiebig am dritten Teil der Serie bedient haben, der seinerseits von Double Dee & Steinski inspiriert wurde.

Musik wurde selbstreferentiell und Cut n‘ Paste-Produzenten der ersten Generation inspirierten kurze Zeit später die der zweiten Generation. Eine dritte Generation hörte davon und gelangte über die Collagen der zweiten an die „Originale“ der ersten Generation. Oder alle haben einfach nur dieselbe Musik gehört, die in den Ohren der über 30jährigen von uns euphorisches Erinnern lostreten dürfte. Ich jedenfalls habe das ungekannte Vinyl direkt günstig über discogs.com erworben und damit eine krasse Bildungslücke geschlossen.

Tracklist:

Sharon Redd – Beat The Street
Heaven 17 – Let Me Go!
Rockers Revenge – Walkin‘ On Sunshine
Planet Patrol – Play At Your Own Risk
Modern Romance – Can You Move
Hamilton Bohannon – Let’s Start The Dance
The Clash – The Magnificent Seven
Nancy Martinez – Can’t Believe
Pressure Drop – Rock The House (You’ll Never Be)
Afrika Bambaataa & Soulsonic Force – Planet Rock
Nairobi – Soul Makossa
Jonzun Crew – Pack Jam (Look Out For The OVC)
Man Parrish – Hip Hop Bebop
D-Train – Keep On
Barbara Norris – Heavy Hitter
Silver Convention – Get Up And Boogie
Aretha Franklin – Jump To It
Madonna – Everybody
Howard Johnson – So Fine
Unknown Artist – Untitled
James Brown – Sex Machine
Rockers Revenge – Walkin‘ On Sunshine
Yazoo – Situation
Warp 9 – Nunk
Edwin Starr – Contact
Yazoo – Don’t Go
Videeo – Thang (Gimme Some Of That Thang)
D-Train – D-Train Dub (Remix)
Toney Lee – Reach Up
Michael Jackson – Don’t Stop Til‘ You Get Enough
The Gap Band – You Dropped A Bomb On Me
Steve Miller Band – Abracadabra
ABC – The Look Of Love
Carol Jiani – Hit ‚N Run Lover
Divine – Native Love (Step By Step)
Bobby Orlando – She Has A Way
Paul Parker – Right On Target
Patrick Cowley – Megatron Man
Divine – Shoot Your Shot
Donna Summer – I Feel Love
Village People – Y.M.C.A.
Roni Griffith – (The Best Part Of) Breakin‘ Up
Lime – Babe We’re Gonna Love Tonight
Patrick Cowley – Menergy
Patrick Cowley – Do You Wanna Funk
Lime – Your Love
Unknown Artist – Untitled

Artikel
0 Kommentare

Eric B. & Rakim – Paid In Full (Coldcut Remix)

Den damaligen Gerüchten zu Folge waren Eric B. & Rakim überhaupt nicht glücklich über den Coldcut Remix von Paid in Full, der im November 1987 die Top 20 enterte. Coldcuts Remix bediente sich schamlos an Elementen der M/A/R/R/S-Single Pump Up The Volume (das auch auf einem ein Sample von Eric B. & Rakim basiert). Der wilde Cut and Paste mit u.a. Ofra Hazas Im Nin’Alu, war den Hardcore-Rappern viel zu poppig.

Update: In diesem youtube-Video läuft ein altes beim BBC gefundenes Band, wo Coldcut die Sample-Quellen kommentieren. Sehr lehrreich!

Paid In Full (Coldcut Remix, 1987) [Vinyl]

Artikel
0 Kommentare

DJ Food – Raiding The 20th Century Mix

Ich hatte in meinem letzten Post – über das Buch Words and Music von Paul Morley – schon den MashUp-Pastiche-Mix Raiding the 20th Century von DJ Food erwähnt, der quasi die musikalische Version des Buches von Morley darstellt und tatsächlich von einem Alvin Lucier-Sample eröffnet und von Kylie Minogues ‚Can’t Get You Out Of My Head‘ beendet wird.

Gleichzeitig fasst dieser Mix vieles, was auf der letztwöchigen Veranstaltung Recyling_Sampling_Jamming verhandelt wurde, besser zusammen, als es eine minutiöse Wiedergabe der Fülle an Vorträgen, Diskussionen und Musikbeispielen leisten könnte. (Wer dies trotzdem will, kann sich auf der Website die umfangreichen Podcasts anhören.)

Strictly Kev hat den Mix am 18ten Januar 2004 auf XFM’s The Remix Show in London gesendet und damit einen auditiven Katalog der Geschichte der Cut-Up Musik erstellt. Part 1 beginnt mit einem Rundumschlag bekannter Bastardpop Mash-Ups um den Sachverhalt vorzustellen und leitet über zur Historie in Part 2: Avantgarde Tape Manipulation, Minimal Musik und Musique Concrète.

Part 3 featured mit Turntable-Megamixen und Cut n‘ Paste-Tracks von u.v.a. Bomb The Bass, Coldcut, M/A/R/R/S, Mantronix und Steinski die Old School der Samplekunst, während Part 4 gewissermaßen die New School repräsentiert. Part 5 stellt dann die Synthese in Form populärer Bastardpop Mash-Ups – wie in Part 1 angerissen – dar.

Eine Reise die den auditiven Cortex neu formatiert. Let’s Begin!

Musikvideo: Adobe Flash Player (Version 9 oder höher) wird benötigt um dieses Musikvideo abzuspielen. Die aktuellste Version steht hier zum herunterladen bereit. Außerdem muss JavaScript in Ihrem Browser aktiviert sein.


DJ Food – Raiding the 20th Century – Words & Music Expansion
[via ubu.com]

Tracklist:
[Weiterlesen]

Artikel
0 Kommentare

Clark – Turning Dragon [Warp Records]

Der Wahlberliner Chris Clark aka Clark erschien erst 2001 mit Clarence Park auf der Bildfläche, eine Zeit in der es den typischen „Warp-Sound“ – als Definition eines eigenen IDM-Sounds – eigentlich schon lange nicht mehr gab: Abstrakte elektronische Texturen, warme analoge Flächen, herzzerreißende Bleeps und darke Synth-Drones.

cover turning dragon

Sein neues Album Turning Dragon [Vinyl] hängt die Meßlatte für experimentelle Musik aus dem Hause Warp nochmal einige Meter höher und geht gleichzeitig auf dem Dancefloor steil. Obwohl Chris Clark selber kaum ausgeht und lieber mit einem Sixpack Bier an seinem Posttechno-Entwurf dröselt.

Die Throttle Promoter [Vinyl] gab ja schon einen ersten Eindruck und tatsächlich baut Turning Dragon auf diesem Entwurf auf, der sehr viel schärfer ist als seine Vorgänger-Alben. Auch Cut n‘ Paste-Techniken finden – wie in Truncation Horn– hier ihren Platz, aber der Sound driftet nie in nerdige Klangwelten ab, sondern behält einen funky Twist.

Musikvideo: Adobe Flash Player (Version 9 oder höher) wird benötigt um dieses Musikvideo abzuspielen. Die aktuellste Version steht hier zum herunterladen bereit. Außerdem muss JavaScript in Ihrem Browser aktiviert sein.


Clark – Turning Dragon (Snippet Mix)
[via throttleclark.com]

Clark – Turning Dragon [Vinyl]
Clark – Turning Dragon [CD]
Clark – Throttle Promoter [Vinyl]

Artikel
0 Kommentare

Depeche Mode – Behind The Wheel (Shep Pettibone Mix)

Robert E. Pettibone, Jr. aka Shep Pettibone, geboren 1959 ist ein Plattenproduzent, Remixer, Songwriter und DJ, der ein Innovator in der Kunst des Remixen war. Er splittete eine Aufnahme in ihre Komponenten und kombinierte daraus einen längeren, clubfreundlicheren Track für den Dancefloor.

Seinen Remix-Arbeiten waren sehr schnell heißbegehrt von Größen wie The Pet Shop Boys, New Order, Janet Jackson, Cathy Dennis, Madonna oder Erasure, die bei ihm Hilfe für Charterfolg suchten.

Shep Pettibone hat mit seinen Remixen daran mitgearbeitet den Early Underground House Sound in den Pop-Mainstream zu bringen, was ihm natürlich nicht nur Freunde eingebracht hat.

Shep benutzte tape splicing und andere Editing-Methoden um repetitive Stakkato-Rhythmen zu erzeugen. Auch Tape Delay und digitale Delay-Effekte gehörten zu seinem Standardwerkzeug.

Ende der 80iger etablierte er eine Trademark, eine sequenzierte Snare-Drum, die wie eine Maschinenpistole klingt. Die „bazooka snare“ identifiziert die meisten seiner Remixe zwische 1988 und 1992.

Auf der Depeche Mode – Behind The Wheel (Remixed By Shep Pettibone)-12″, auf der auch ein netter Cut n‘ Paste-Route 66-Remix von The Beatmasters ist, zeigt Shep seinen Remixkünste, indem er den Synth-Poppern mal ne knackige Bassline verschafft.

Behind the Wheel (Remixes) [Vinyl]

Artikel
0 Kommentare

Westbam – The Early Years

Maximilian Lenz aka Westbam aka Westfalia Bambaataa wurde in Münster geboren. Bevor er der „Avantgardist der Raving Society“ (sic!) wurde, hat der umtriebige DJ eine Reihe von richtig coolen Cut n‘ Paste und House-Trax produziert.

Nach dem Paul Hardcastle-RipOff 17 – This Is Not A Boris Becker Song unter dem Pseudonym Cowboy Temple folgte der – trotz oder gerade wegen des offensichtlichen Kraftwerk-Samples – extrem funkige Low Spirit-Release Monkey Say Monkey Do.
Monkey Say, Monkey Do (Remix) [Vinyl]

Kurz nach Monkey Say Monkey Do folgte die durchaus inspirierende LP Westbam mit einem sehr interessanten Cover.

Westbam LP Cover

Einer der ersten deutschen Cut n‘ Paste-Charthits war The Roof Is On Fire 1990, der seinen großen Brüdern aus UK in nichts nachsteht. House-Piano, Robo-Voice, Oldschool-HipHop-Samples und Trillerpfeifen. Party On!

The Roof Is On Fire [Vinyl]
The Cabinet [CD]

Westbam sieht sich nach eigener Aussage auch als eine Art Avantgardist und postmoderne Konzepte wie die Zerstörung des überholten bürgerlichen Autoren- oder Genie-Begriffs oder der Mißbrauch der Technik durch z.B. Schallplattenmanipulationen sind ihm wohlbekannt:

„Das kann man schon als Jazz begreifen, als Improvisation mit Technik, die ihren spezifischen Groove entwickelt.“

Schade, dass es Westbam später nicht mehr so richtig gelang diese interessanten Ansätze explizit in seiner Musik umzusetzen. KLF beispielsweise haben auf diesem Gebiet wesentlich mehr überzeugen können.

Eine sehr interessante Kollaboration hatte der frühe Westbam 1987 mit der westrussische Avantgardeband Popularnaja Mehanika oder Pop Mechanics.

„Die Pop Mechanics sind in Riga an mich herangetreten, als sie dort während ihrer Tournee auftraten. Sie fragten mich, ob ich Lust hätte, bei ihrem Konzert in der Schule der Aeronauten Platten aufzulegen. Von diesem Auftritt ist ein Mitschnitt auf Kassette gemacht worden, der dann bei What’s So Funny About erschien.“

Die dekonstruktivistischen Scratch-Phrasen über dadaeskem Gesang, Free-Piano, Folklore und Jazz – alles schön nacheinander – sind ein echtes Sammlerstück mit dem Titel Westbam – Live at Riga [Vinyl].

Den hypnotischen Groove von Chicago House entdeckte Westbam in den frühen Neunzigern mit einer Reihe von Veröffentlichungen, unter denen für mich vor allem Hold Me Back hervorsticht.

Hold Me Back [Vinyl]

Auch an Skacid im weiteren Sinne hat sich Westbam mit dem Track Cold Train [Vinyl] versucht.

Es zeigt sich also, dass der frühe Westbam eine erstaunliche musikalische Bandbreite und konzeptionelle Reife hatte, die über die Mayday-Jahre peu à peu verlorenging und später nur noch manchmal mit obskuren Veröffentlichungen wie dem Merve-Band Mix, Cuts und Scratches mit Rainald Goetz aufblitzte.

Artikel
0 Kommentare

Krush – House Arrest

House Arrest (The Beat Is The Law) von Mark Gamble und Cassius Campbell aka Krush (oder The Hawaiian Krush), war ein Cut and Paste-Hit von 1987 und kann somit in einem Atemzug mit Beat Dis, Doctorin‘ The House und Theme From S-Express genannt werden.

Krush – House Arrest [Vinyl]

Die Bassline des Tracks stammt von einem Minimoog-Synthesizer und die weiblichen Vocals für den Chorus hat Ruth Joy beigesteuert (die jetzt mit der Detroit-Techno-Legende Kevin Saunderson verheiratet ist). Produziert wurde der Top 40-Hit von Mark Brydon, der auch Teil der Band Moloko ist.

Mark Gamble ist einer der Vorreiter des Sheffield-Dance-Sounds, zu dem später auch Altern-8 und Bizarre Inc. gehörten und der sich um das Label Network Records bildete, auf dem wiederrum auch Derrick May und Kevin Saunderson veröffentlichten. Er hat auch eingie Mixe und Edits zur Compilation The FON Mixes von The Art Of Noise, entstanden in Mark Brydons FON Studios in Sheffield, beigesteuert.


Fon Mixes Cover

FON Mixes [Vinyl]

Artikel
6 Kommentare

Code 61 – Drop The Deal

Das belgische Projekt Code 61 um Renaat Vandepapeliere, dem Gründer von R&S Records, produzierte in den 80ern einen der wenigen New Beat-Tracks die die europäischen Charts erreichten: Drop The Deal

Insgesamt eine uninspirierte Cut and Paste-Nummer, die sich in eine lange, unerfreuliche Reihe strohdummer Sample-Pop-RipOffs einreiht.

Der Code 61 Live-Gig eines New Beat-Papstes und dreier Chassidim in einer französische Chartshow, nimmt nicht nur die katholisch-jüdisch-muslimische Ökumene vorweg, sondern gehört sicherlich zu den peinlicheren Beiträgen in meiner Reihe fulminante Auftritte von DJs/Produzenten in Chartshows.

Renaat Vandepapeliere ist übrigens der ganz rechts stehende der drei Chassidim.