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Mixtape Saturday: Space Dimension Controller & DJ Food

Ganz begeistert bin ich dieser Tage von einem Haufen nicht mehr ganz so taufrischer Mixe, aber ‚we’re talking about timeless music, don’t we‘?

Den Anfang macht der neunzehnjährige Ire Jack Hamil aka Space Dimension Controller, samt Freundin Kat. Ihre freshe Mixtur aus Space Disco, Technofunk und Tropfsteinhöhlen-303 konnte man schon auf der Debut-12″ ‚The Love Quadrant‘ hören, die auch an dritter Stelle im Mix gedroppt wird. Laut factmag.com sollte der Mix schon längst offline sein, also schnell zugreifen… Warm, originell und unwiderstehlich funky!

[zu spät…]

Für alle zuspätgekommenen gibt es das erste Album von Space Dimension Controller (leider ohne ‚Love Quadrant‘) beim Label Acroplane zum freien Download.

Und die Turntable Ninjas DJ Food, zu denen ich nichts mehr sagen muss, haben den zweiten Teil des Reworks der legendären Blech-Warp-CD Blechsdöttir online gestellt. Die Tracklist ist unten angepinnt und die beantwortet sicherlich alle Fragen…

Tracklist:
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Auch wenn heute ganz Deutschland am Rad dreht mit der Einheitsjubiläumsfeierei, so sind die Temperaturen und das Wetter herbstlich-depressiv. Da hilft nur ein Mix der diese Stimmung aufgreift und der ganzen Kälte eine warme Melancholie entgegenhält. audites ‚Hypnotic Winter‘ ist so einer von diesen und während seine sonstigen Sets eher typischer DnB oder Dubstep sind, gelingt ihm hier etwas abseits und innovativ der neue Sound im souligen Gewand und mit langsameren Breakbeats. Ein filmmusikalisch gewordener Traum der Dubstep und DnB versöhnt, die Tradition des Hardcore-Kontinuum beibehält und auch dieses Gefühl – nachdem sich auch Burial immer sehnt – des tiefen Empfindens aufzugreifen. Schön und voller Überraschungen.

Musikvideo: Adobe Flash Player (Version 9 oder höher) wird benötigt um dieses Musikvideo abzuspielen. Die aktuellste Version steht hier zum herunterladen bereit. Außerdem muss JavaScript in Ihrem Browser aktiviert sein.


audite – Hypnotic Winter
[via digitalgewitter.de]

Direkter Download

Tracklist

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Feature: Lynx & Kemo

Drum and Bass in Moll

Bastian Thüne in De:Bug 132

Tot ist Drum and Bass noch lange nicht, auch wenn es die letzten Jahre stark danach aussah und viele schon vom Ende redeten. Doch mit The Raw Truth, dem Debut von Steve Lynx und Jimmy Blitz (aka MC Kemo), erscheint mit fast einjähriger Verspätung der passende Soundtrack zur Krise dieser Tage. Düster und melancholisch in der Stimmung, minimal und reduziert im Sound, dürfte das Album für einige der nötige Arschtritt sein, ihr (Drum-and-Bass-)Weltbild neu zu ordnen.

Lynx bringt seine Beats genau auf den Punkt, schafft Raum und ausreichend Platz für Kemos – manchmal beschwörend wirkenden – Sprechgesang. Selbst bei dem souligen Gänsehaut-Stück ‚All You Own feat. Spoonface‘ halten sich die Streicher angenehm zurück. Aber beide sind ‚Ultraperfektionisten‘, die mit dem Ziel antreten, ein Album herauszubringen, das der Hörer ‚vom Gefühl und der Langlebigkeit her‘ zwischen Massive Attack, Burial und dem Wu Tang Clan in seiner Sammlung einordnet. Deswegen auch die Verspätung. Ihr Labelchef Marcus Intalex war von Lynx & Kemo jedenfalls so begeistert, dass er sie bereits nach der zweiten Maxi um ein Album bat. Ob das die Wende ist?

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Debug: Euer Album ist nicht nur eklektisch, sondern es klingt auch sehr reduziert. Für Drum and Bass eher ungewöhnlich.

Kemo: Gott sei Dank geht es wieder dahin. Es ist eine kleine Revolution, eine Wiedergeburt hin zum ursprünglichen Sound. Seit ungefähr sechs Jahren wurde alles immer schneller, härter und voller. Seitdem Lynx vor gut drei Jahren angefangen hat, in einem eher minimalen, deeperen Stil zu produzieren, gibt es andere, die in diese Richtung gehen. Mittlerweile geht das quer durch die Bank. Sogar DJs wie Andy C oder Hype, die dafür bekannt sind, einen schnellen, harten und vollen Sound aufzulegen, spielen inzwischen minimalere Sachen.

Debug: Der Krisenstimmung, die zurzeit in der Gesellschaft herrscht, kannst du zumindest im Drum and Bass also nichts abgewinnen?

Kemo: Drum and Bass stagnierte lang. Statt Lieder produzierten alle nur funktionale DJ-Tools und hatten Angst zu experimentieren. Doch die letzten zwei, drei Jahre gab es einen Aufschwung. Insofern hat der dunkle Zeitgeist unsere Musik positiv geprägt. Es gibt viele politische Tracks und deepere Sounds. Deshalb habe ich das eben auch als kleine Revolution bezeichnet. Wenn es diese Revolution auch in der Gesellschaft gäbe, würde unsere Zukunft wesentlich besser aussehen.

Debug: Nun ist ja eure Musik recht düster. Entspricht das auch eurer Persönlichkeit?

Kemo: Ich bin melancholisch und düster …, aber wie definiert man einen düsteren Menschen?

Debug: Eher ängstlich sein, Dinge negativ sehen …

Kemo: Das passt schon bei uns beiden. Wir bemühen uns, stets positiv und ausgeglichen zu sein. Aber auch nur, weil ich vor ein paar Jahren arge Probleme mit Angststörungen hatte. Gott sei Dank konnte ich mich voll darauf konzentrieren. Ich habe ungefähr sechs oder neun Monate nichts gemacht, also nicht gearbeitet, kaum rausgegangen. Seitdem mache ich es mir zur Lebensaufgabe, mich möglichst viel mit der seelischen oder spirituellen Welt zu beschäftigen. Bei mir im Haus leben zwei neugeborene Christen. Das ist zwar nicht mein Weg, aber ich respektiere das. Mich zieht es eher zum Thaoismus und Zen-Buddhismus. Ich lerne Wege, meine Gedanken zu kontrollieren und auch die Thematiken, mit denen ich mich beschäftige. Ich liebe düstere Sachen wie David Lynchs Filme oder düstere Serien und Bücher. Allerdings beschäftige ich mich nicht mehr zu viel damit.

Lynx & Kemo – The Raw Truth ist auf Soul:r erschienen

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phOkus – Dem All Shot – Teil 2

Fortsetzung von Teil 1

Das ist jetzt eine gute Zeit lang her. Wie schätzt du die Situation von Grime und Dubstep heute ein? Ist nicht Dubstep de facto ein Massenartikel geworden, dagegen Grime in seiner zumindest anfänglichen Außenseiterposition verhaftet geblieben? Und die bedrückendste aller Fragen: Herrscht Jahre nach dem Aufbruch bereits Ernüchterung?

Ich habe nicht das Gefühl. Eventuell muss man zwischen Dubstep und Grime unterscheiden, richtige Hammer-Grime-Tracks sind in letzter Zeit relativ schwer zu finden. Ich habe schon das Gefühl, dass die Grime-Szene 2006/2007 sehr viel mehr Interessantes hervorgebracht hat, was aber einfach zum großen Teil damit zusammenhängt, dass sich viele UK-Grime-Artists immer mehr im Chartspop-Bereich bewegen und immer weniger neue Dinge ausprobieren als noch vor zwei Jahren, sie im Gegenteil sogar Pop-Elemente in ihre Tracks übernehmen, damit sie im Charts-Kontext besser funktionieren.

Im Bereich Dubstep gibt es immer noch neue Entwicklungen, und die Leute probieren alles Mögliche aus. Darin besteht ja auch der große Reiz: Es ist möglich, nahezu alle musikalischen Einflüsse im Dubstep zusammenzuschmelzen. Und genau das passiert nach wie vor, wodurch immer noch ungehörte, neue Kombinationen entstehen.

PhOkus II

Photo by Marco Heinzmann

Welche Perspektiven eröffnen sich für Dubstep? − Welche Gefahren gibt es? Welche Chancen kannst du sehen? Kannst du Strategien erkennen, vielleicht sogar den unsäglichen Hype? Anders gefragt: Lässt sich so etwas wie Dubstep überhaupt hypen?

In letzter Zeit tauchen vermehrt Pop-Dubstep-Remixes auf. Natürlich besteht die Chance, dass es immer weiter wächst und mehr und mehr Leute Dubstep kennen und mögen, andererseits gibt es wie immer die Gefahr des großen Ausverkaufs. So wie einige Zeit in jedem zweiten Werbespot Drum ’n‘ Bass im Hintergrund lief. Nur die Drums, ohne die Basslines, weil man die im Fernsehen nicht hört. (schüttelt den Kopf)

Ich habe aber den Eindruck, dass sich die meisten Protagonisten der Szene einig sind, dass es Dubstep nicht gut tun würde, wenn auf einmal Verkaufszahlen und nicht die Innovation bzw. die Funktionalität auf dem Dancefloor zum schlagenden Argument werden. Die Dubstep-Szene selbst ist sehr stark über Internetforen, Instant Messenger und Social-Networking-Plattformen vernetzt, so dass es Außenstehenden schwer fallen dürfte, sich dort zu positionieren und einen Hype zu starten. Und auf den Fernseh-Sound bezogen: Wenn man bei Dubstep die Basslines und Subbässe weglässt, bleibt nicht mehr viel übrig. (grinst)

Was vom Dubstep übrig bleibt … Schauen wir in die Zukunft: Mit wem arbeitest du aktuell zusammen, welche Projekte verfolgst du, und wo kann man dich live/als DJ erleben?

Mit The Next aus meiner Hamburger Nachbarschaft arbeite ich seit Drum ’n‘ Bass-Zeiten zusammen. In letzter Zeit bin ich oft mit Mr. Boogie aus Potsdam mit b2b-DJ-Sets unterwegs, und wir haben auch einige gemeinsame Tunes produziert. Außerdem fertige ich Remixe für verschiedene Leute an, z.B. Jazzsteppa, Mahanee … oder Spillsbury, ein Mitglied meiner letzten Punkband. Ich plane im Augenblick mit MC Bandog von Killa Instinct, Grime-Tunes zu produzieren. Interessant, mal typische Britcore-Vocals mit Grime in Verbindung zu bringen … wir werden hören, ob es funktioniert (schmunzelt).

Diskographie:

Phokus feat. Tinchy Stryder & Dirty Danger: Dem All Shot (12″) 2006
Jazzsteppa: Five (Phokus-Remix) (12″) 2008
Phokus: Da Loot (12″) 2007
Phokus & The Next: Smoke Ganja (12″) 2008
Phokus & The Next: Inta (7″) 2008
Phokus: Mash Up Di Place (MP3) 2008
Mahanee feat. Solo Banton: No Joke Ting (Phokus-Remix) (12″) 2009
Phokus & MrBoogie & TKR: BigUp! (12″) 2009

Erscheint Juni 2009:
Phokus & Mr Boogie: The Infect (12″)

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Benji B & Glenn Underground – Need2Soul Vol. 2 [N2SCD002]

Manchmal gibt es Lieder die hört man, ist völligst begeistert und weiß genau, dieses Stück wird man nie wieder im Leben hören. Doch dann kommt der alte Schlingel Benji B daher und beginnt eine CD mit Larry Levans Mix vom Celestial Choir und die Welt wird bunt oder besser deep und soulful. Zusammen mit Glenn Underground mixten der Filou den zweiten Teil der noch frischen Compilation-Serie Need2Soul, Ableger der gleichnamigen Party.

Underground Soul, Disco, House, auch mal Brazil, African, Deep oder Jazzy. Bei Glenn manchmal elektronischer, aber der hat ja auch mal bei DjaxUp released. Insgesamt sehr gut durchdachte, harmonische Auswahl und beste Mix-CD zum Glücklichsein in ruhigen Momenten.

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phOkus – Dem All Shot – Teil 1

Prolog

Die Menschenschlange vor dem Berliner Berghain ist um halb vier Uhr morgens hunderte Meter lang, dabei ist der geräumige Club schon seit Stunden voll. Internationales Publikum, Internationale DJ-Sets, vor allem aus UK. Es geht hier um die zukunftsweisendste unter den aktuellen Musikrichtungen: Dubstep.

Der Begriff ist schnell definiert: Dubstep ist dem Namen nach eine Mischung aus Dub und 2step. Das Brisante, geradezu Revolutionäre liegt im Modellcharakter von Dubstep begründet: Diese Musikrichtung funktioniert nicht als ein in sich geschlossenes System, nicht als kohärentes, einheitliches Muster, wie es uns etwa im Bluesschema des Rock ’n‘ Roll begegnet – drei Akkorde, über Jahrzehnte Grundlage und Erkennungsmerkmal – oder wie es im House- und Technobeat aufscheint – dessen kleinster gemeinsamer Nenner die 4/4-Bassdrum bildet – gleichsam die Tradition der Disco-Ära.

Dubstep ist das Synonym für eine musikalische Entwicklung. Für eine Technik, die in einer Umgangsweise mit Musik begründet liegt, Dub genannt. Die Anwendung auf 2step ist dabei eine Möglichkeit, wenn auch nicht willkürlich. 2step steht für das Erbe urbaner Tanzmusik, ist Funk, Disco, House, gepaart mit der afro-amerikanischen Tradition des R ’n‘ B. Dub ist eine aus dem Reggae hervorgegangene mediale Reflexion, Rückführung auf das eigentlich Klingende, Minimierung, Substrahierung.

Fünf Uhr nachmittags in einem kleinen Straßencafé in der Mainzer Straße im Bezirk Berlin-Friedrichshain. Wenige Stunden vor seinem DJ-Set bei den Dubstep Standarts und am Vorabend von Bass The World begegne ich Phokus. Mir gegenüber sitzt ein entspannter Endzwanziger in der Sonne. Der Musikproduzent sorgt seit 2006 als Teil der deutschen Grime- und Dubstep-Szene für Aufsehen. Er ist im Verbund der WOBWOB!-Crew Hamburg zu einem der wichtigsten Protagonisten des kontinentalen Dubstep geworden.

Phokus I

Photo by Henrietta Langholz

Bei vielen Künstlern geht der Anfang ihres Schaffens einher mit einem besonderen Moment in der Erkenntnis ihrer Kunst. Oft ist das noch nicht einmal etwas Spektakuläres. Wie hast Du angefangen? Wie bist du zur Musik gekommen, oder ist die Musik zu Dir gekommen?

Solange ich zurück denken kann, hat Musik für mich eine Rolle gespielt. Aber ich möchte lieber nicht sagen, was ich früher mal für gute Musik gehalten habe. Jedenfalls habe ich irgendwann von einem Freund meines Bruders Schlagzeugunterricht genommen und in verschiedenen Bands als Drummer gespielt. Meist ging es dabei in Richtung Punk.

Als meine Eltern endlich einen Computer angeschafft hatten und ich mir im Winter auf einem alten Skateboarddeck im Schnee den Arm gebrochen hatte, besorgte ich mir von einem Kollegen so Sachen wie Fasttracker 2 und fing an, meine ersten Pfade in der elektronischen Musik zu beschreiten. Ich habe von Anfang an ausschließlich mit dem Computer produziert, was sich bis heute nicht geändert hat. Vor einigen Jahren habe ich zwar einem Kumpel, der sein Auto zu Schrott gefahren hatte, seinen Synthie abgekauft, der dient allerdings nur noch als MIDI-Keyboard. Natürlich habe ich verschiedene Arbeitsweisen und Tools ausprobiert, aber externe Gerätschaften oder sowas sind nicht dazugekommen. (zuckt die Achseln) Ich kenne es nicht anders, da vermisse ich das Drehen an echten Knöpfchen oder die „Seele“ von meinen Lieblingssynthies erst gar nicht.

Deine Anfänge verlieren sich im Dunkel der Kindheit, du hast Wurzeln im Punk, einem wichtigen Wegweiser der neuen elektronischen Musik seit den 80er Jahren. Als Drummer hattest du zudem wie selbstverständlich ein Bein auf dem Dancefloor. Wie hast du Zugang zu der Musik gefunden, die Du heute machst?

Bevor ich mich mit Musik um die 140 BPM beschäftigt habe, war ich eher schneller unterwegs. Genauer gesagt habe ich Drum ’n‘ Bass-Tracks produziert. Irgendwann hat sich der vorherrschende Drum ’n‘ Bass-Sound, jedenfalls der, den es in Hamburg auf den meisten Parties zu hören gab, in eine Richtung entwickelt, mit er ich nicht mehr all zuviel anfangen konnte. Die Elemente, die mich ursprünglich so für den Sound begeistert haben, sind sehr stark in den Hintergrund getreten, und die Stimmung ist immer aggressiver geworden.

Zu der Zeit habe ich relativ viel Internetradio gehört und bin als erstes auf Grime gestoßen, was in mir sofort ähnlich euphorische Gefühle ausgelöst hat wie die ersten Jungle-Tunes die ich gehört habe. Ich habe auch vorher schon immer mal wieder in solchen Geschwindigkeiten experimentiert und mich ab diesem Zeitpunkt völlig darauf konzentriert. Das erste Ergebnis war die 12″ auf MG77 (Dem All Shot).

Außerdem hatte ich seit einiger Zeit aufgehört mir Platten zu kaufen, was sich ab dem Moment schlagartig änderte. Ich habe dann viel Grime- und Dubstepmaxis gekauft und angefangen, alle miteinander zu mixen, was mir einen riesen Spaß gemacht hat!

Fortsetzung folgt…

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Netlabel-Update 2009: Kompromiss mit Zukunft

Unkommerzielle Netlabel mit kostenlosem Musikangebot oder Digitallabel mit Bezahl-Download? Im Netz entbrennt die ideologische Schlacht. Währenddessen ebnen Kompromissmodelle den Weg in die Zukunft.

Bastian Thüne in De:Bug 131

Bis vor kurzem schien die Technolabel-Welt noch relativ klar aufgeteilt. Auf der einen Seite gab es Vinyl-, auf der anderen Netlabels. Klar gibt es schon länger iTunes für den digitalen Gebrauch der breiten Masse, auch Downloadportale für DJ-orientierte Musik sind nichts Neues und auflegbare MP3s kursieren schon lange im Netz – ob als zweckentfremdete Promos oder als öffentlich zugänglich gemachte Sicherheitskopien. Aber das war fast ausschließlich Musik, die es auch physisch ohne Internet gegeben hätte. Netlabels konnten sich ihrem vermeintlichen Alleinstellungsmerkmal im virtuellen Raum sicher sein. Doch mit dem langsamen Durchbruch der Digitallabels (siehe De:Bug 129) gerät die Netlabel-Welt schwer ins Wanken. Gedrosselter Output und/oder Umstellung auf Bezahl-Downloads … das war 2008.

Das bekannteste unter ihnen ist sicherlich Thinner. Sebastian Redenz, der Betreiber von Thinner und dem eingestellten Sublabel Autoplate, sorgte im Dezember vergangenen Jahres für großes Aufsehen innerhalb der Community, als er auf seinem Blog bekanntgab, Thinner demnächst als Hybrid-Label mit einer Mischung aus kostenloser – unter creative commons lizenzierter – Musik und eben kommerziellen Releases zu führen.

Das hat natürlich erst einmal gesessen. Manch einer mag am liebsten laut “Kommerzialisierung!” schreien, andere sehen schon Dollarzeichen aus ihrem Router blitzen. Doch so binär-prekär sieht die Lage bei den Netlabels nicht aus. Genauso unterschiedlich wie die Qualität der Musik im Netz sind auch die Ansätze und Ansichten der verschiedenen Macher. Und am Ende wird vielleicht doch wieder alles gut in der Netzwelt. Legten doch Netlabels ein innovatives Modell vor, das inzwischen vom Mainstream gefeiert wird, so Pheek, der das ehemalige Net- und heutige Hybridlabel Archipel betreibt: „Ich musste schon lachen, als jeder jubelte: ‘Radiohead hat das bahnbrechende Business-Modell erfunden.’ Das ist zwar toll, aber wir machen das schon seit Jahren.“ Zeit also für einen klärenden Blick.

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Pro vs. Contra
Netlabels sind die einfachste und finanziell sicherste Art ein Label zu betreiben. Im Minimalmodus langt ein Account bei einem der Blog-Anbieter: Die Musik kann auf Seiten wie archive.org gespeichert werden und mit der Creative-Commons-Lizenz, die kürzlich ihren 6. Geburtstag feierte, ist die rechtliche Unsicherheit beseitigt. Gerade für Leute, die ihre ersten Gehversuche wagen wollen, sind das ideale Bedingungen.

„Ich sehe den riesigen Vorteil von Netlabels gerade darin, dass man innerhalb einer sehr kurzen Zeit sehr viel mehr Leute erreicht als mit Vinyl oder digital. Der Aspekt, dass die Releases kostenlos zu laden sind, spielt eine sehr große Rolle. Des weiteren ist man mit einem Netlabel sehr unabhängig, was Vertrieb, Promotion, Design etc. angeht. Auch kann man viel schneller neue Musik releasen, da es einfach unkomplizierter ist als auf Vinyl“, so Markus Masuhr von Insectorama.

Als Untergrundbewegung können Netlabels auch an den Sounds von morgen basteln und eigene Klangästhetiken verfolgen, ohne Abhängigkeit von Markt und Käufer. Die Vorteile liegen klar auf der Hand. Doch gibt es kein Yang ohne ein Ying. Martin Donath von Stadtgruen zeigt die negativen Aspekte auf: “Jeder, der drei, vier Leute kennt, die Musik machen, kann bei Blogspot einen Blog einrichten, haut die Musik raus und nennt sich Netlabel. Dadurch gibt es viel Schrott.“ Den gab es zwar schon in den 90ern, aber damals gab es Plattenläden und Vertriebe als zentrale Instanzen, die filterten. Auch überlegten es sich Labelmacher zweimal, ob die jeweilige Musik es wert war, Geld in eine Pressung zu investieren.

Zu den generellen Problemen kommen durch andere Akteure neue hinzu, so Martin. „Immer mehr Digitallabels etablieren sich. Für die Künstler ist das attraktiv, weil hier kein finanzielles Risiko im Spiel ist, gleichzeitig das Netzwerk gut organisiert ist und die Musiker davon ausgehen können, dass sich ihre Tracks schnell verbreiten. Denen geht es vielleicht auch nicht ums Geldverdienen, aber sie wollen gehört werden.“

Geld spielt natürlich doch eine Rolle, die ernsthafte Bedrohung entsteht durch die GEMA. Einmal Mitglied in der Verwertungsgesellschaft, darf kein Stück mehr unter Creative Commons zur Verfügung gestellt werden, d.h. das Netlabel müsste pro Download eines GEMA-Künstlers knapp 20 Cent pro Song abführen und wäre durch fehlende Einnahmen gezwungen, seine Hörer zu subventionieren. Das gilt sogar für Musik, die vor der Mitgliedschaft entstanden ist.

Neusortierung
Das Hybridlabel mit einer Mischung aus freien und kommerziellen Veröffentlichungen ist eine mögliche Lösung für dieses Dilemma. Archipel waren die ersten, die dieses Prinzip einführten, erzählt Pheek: „Im September 2006 stiegen wir auf Bezahl-Downloads um. Anfangs verkauften wir einen Release und verschenkten ihn gleichzeitig mit einer niedrigen Bitrate. Das funktionierte aber nicht so gut, also veröffentlichten wir ihn zuerst als Bezahl-Download, um ihn dann nach zwei, drei Monaten kostenlos herzugeben. Diejenigen, die Musik bei Beatport kaufen, sind normalerweise DJs, die neue Musik wollen und auch bereit sind, dafür zu zahlen. Viele derjenigen, die darauf warten, dass die VÖs kostenlos werden, sind Liebhaber, die hier und da runterladen, aber denen es nicht so wichtig ist, ob die Musik neu ist oder nicht.“

Für Thinner, die als Netlabel alles erreicht haben, was möglich ist, ist es vor allem auch die Neugier „ob wir von 200 Downloads sprechen oder 2000 oder von 20. Es zählt, dass wir neue, interessante Ziele haben und wir aus der ’Mottenkiste’ Netlabel, die sie vor allem in der Außenwirkung ist, rauskommen. Durch diese Entscheidung hat sich für uns viel geändert.“ Einfach war die Entscheidung für Sebastian nicht.

„Wir haben uns nur schwer mit den Bezahl-Downloads angefreundet und sind uns auch völlig klar, woher wir kommen, worauf der Mythos Thinner beruht. Nämlich nicht auf den Künstlern, sondern auf dem Konzept, der Marke Thinner. Von daher werden wir viele Leute vor den Kopf stoßen. Andererseits gab es aber auch oft Leute oder Künstler von uns, die fragten, wann eine Platte kommt. Gerade für Künstler wie Marko Fürstenberg, der auf den angesagtesten Labels Platten rausbringen kann, macht das keinen Sinn, seine Musik weiter zu verschenken. Es ist schade für uns, wenn wir jahrelang Künstler wie ihn aufbauen, er uns cool findet, ihm aber die Business-Grundlage fehlt. Diese Künstler möchten wir nicht verlieren. Deswegen waren wir auch aus dieser Perspektive gezwungen zu handeln.“

Matthias Schubert von Statik Entertainment startete seinerzeit das Netlabel Instabil, um „Tracks zu veröffentlichen, die es auch auf Vinyl geschafft hätten, aber aufgrund der Masse bei Statik erst spät hätten berücksichtigt werden können.“ Für ihn war es ein schwerer Schritt, sich von Creative Commons zu verabschieden und zum reinen Digitallabel überzugehen. „Aber es ist letztendlich eine faire Geschichte für den Artist, der nun für seine Mühen und geistige Urheberschaft einen Profit generieren kann.“

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Bei Insectorama sieht man der Zukunft gelassen entgegen und forciert auch weiterhin die freie und durch Creative Commons gestützte Musikkultur. „Es ist die Philosophie meines Labels, die Tracks zum kostenlosen Download anzubieten. Somit kann es jedem, der Zugang zum Internet hat, ermöglicht werden, sich sehr hochwertige, gute Musik anzuhören.“ Das Tempo der Veröffentlichungen ging auch bei Stadtgruen herunter, das liegt jedoch mehr an Zeit- als an Motivationsproblemen.

„Ich studiere, arbeite, mache selber noch Musik. Da muss das Label, das man quasi als Open Source nebenbei macht, als erstes zurückstehen. Wir machen das hobbymäßig weiter, auch weil wir uns in der Szene einen relativ guten Namen gemacht haben. Es wäre schade, das Ganze versauern zu lassen. Und wenn wir Künstler finden, die sich mit uns identifizieren können und ihre Musik kostenlos zur Verfügung stellen, dann machen wir das.“

Paradoxe Produzenten, gute Aussichten
Warum jedoch Vinyl heute noch so einen extrem hohen Stellenwert hat, ist nicht immer ganz klar, fügt Matthias hinzu. „Das Paradoxe ist: Es kauft kaum noch jemand Schallplatten, aber dem Künstler ist es trotzdem wichtig Vinyl zu veröffentlichen. Das ist als Qualitätsmaßstab immer noch das Nonplusultra.“ Sebastian differenziert das und zeigt, dass Netlabels auch in der Zukunft eine Sache sein werden, die nicht einfach ersetzbar ist.

„Eine EP von uns lädt sich im Schnitt 15.000 Mal innerhalb der ersten drei Monate runter. Selbst wenn sich das nur jeder dritte komplett anhört, sind das immer noch 5000. Eigentlich ist jeder Release von uns ein Hit. Für viele Künstler der größte überhaupt. Nur kommt davon nicht die Butter aufs Brot (lacht). Das ist absurd. Künstler denken da oft zu kurzfristig. Gerade für eine langfristige Künstlerstrategie sind Netlabel ein absolut zentrales Tool, weil diese Releases Bestand haben. Wenn es auf einem guten Netlabel herauskommt, wird das häufig heruntergeladen und es zementiert sich im Netz. Aber viele Künstler schließen das aus. Für die macht es mehr Sinn, eine 300er- oder 500er-Auflage Vinyl herauszubringen, als mehrere zehntausend Mal heruntergeladen zu werden. Da wird noch ein bisschen kurzfristig gedacht. Schau dir mal an, wer momentan die interessantesten Artists sind. Johnny D, Sascha Dive, bei Ornaments Marko Fürstenberg und Sven Tasnadi, Daniel Stefanik. Das sind alles junge Künstler einer neuen Generation, die ihre ersten Gehversuche im Netz gemacht und begriffen hat, dass man das auch gut für sich nutzen kann.“

Links:
Insectorama
Stadtgruen
Thinner; Thinnerism
Archipel
Instabil

Fotos under cc by MarcoSZ; Alpha Six

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Harry Axt / Daniel Steinberg: Friede, Freude, Techno

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Friede, Freude, Techno

von Bastian Thüne aus De:Bug 130

Techno ist neben der Musik vor allem auch eine Art des Feierns. Spaß, Hedonismus und Unvernunft treibt uns viele Wochenenden in die Clubs. Dabei geht es mitunter ganz schön humorlos zu, wenn dann im Endeffekt viele mit Sonnenbrille am Rumposen sind. “Im Techno nehmen sich manche auch immer sehr ernst und man kann das auch ein bisschen von der spaßigen Seite sehen”, erzählt uns ein gut gelaunter Harry Axt, der in einem Grand-Petrol-Video auch gerne mal einen Ein-Mann-Balkon-Rave inszeniert und dessen Name so unverfroren bodenständig klingt, als müsste er aussehen wie das deutsche Pendant zu Albert “Al” Borland aus der Serie “Hör mal, wer da hämmert”.

Hämmern tut es natürlich schon bei ihm, aber längst nicht so grobschlächtig, wie es der Name vermuten lässt. Das rote Karohemd, dass zwar wieder gut zu einem grundkonservativen Lebensstil passen würde, wird eben nicht durch einen wohlgenährten Bauch ausladend nach vorne zur Schau gestellt, sondern durch eine viel zu kleine Lederjacke aufs Korn genommen, die man sich gerne als Karnevalskostüm wünscht. Die knallenge Lackhose tut ihr übriges.

Aber Harry Axt ist ja auch Daniel Steinberg, der dem tranfunzeligen Minimal dieser Tage einen ordentlichen Schuss Chicago, Cut-Up und locker-hüftschwingende Housegrooves hinzufügt. Das funktioniert und hat Humor. Ob als DS auf Overdrive, als Daniel Steinberg auf Frontroom und Style Rockets oder eben als Harry Axt auf Grand Petrol und Kiddaz.fm. Da wundert es nicht, dass seine frühen Einflüsse neben den ersten Acidhouse-Platten, Phuture und Strictly Rhythm auch die gängige Dancemusic der frühen 90er war, wie Black Box, Technotronic oder Bizarre Inc.

Jedenfalls sind die beiden Alter Egos des 32-Jährigen derzeit auf vielen Tanzflächen anzutreffen und auch als DJ will sich der Berliner nicht nur auf einen Namen festlegen: “Ich lege meist unterschiedlich auf. Als Daniel Steinberg spiele ich eher einen nicht so harten, mehr techhousigeren Sound und bei Harry Axt wird es dann schon härter und technoider.” Beim Produzieren verlässt er sich ebenfalls auf diese Dichotomie, die es ihm ermöglicht zwei Seiten auszuleben. “Harry Axt ist dann immer ein bisschen doller, technoider und wirkt düsterer. Bei Daniel Steinberg fluffig, housig. Mit Samples … so Friede, Freude … (lacht).”

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Auf seinem Debutalbum Planet Axt, das er jetzt als Harry Axt veröffentlicht, fügt Daniel glücklicherweise beide Seiten zusammen und nimmt uns mit auf seinen Planeten, auf dem schon sehnsüchtig die ravenden Weltraumgeschöpfe mit den Äxten in ihren Händen rumwedeln. Mit düsteren Basslines unterlegte Tracks, die die Melancholie mit Vocalfetzen auf ein funkiges Level anheben, und drohnigen Tunneln, durch die einzelne Klaviertöne hindurchschwirren, baut sich Daniel sein Universum zusammen. Das darf dann auch elektronische Big Band im Slowmotion-Tempo sein oder voll auf die Zwölf gehen. Schließlich geht es um Techno und dabei vor allem um den Spaß.

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School of Stylez [Vol.2 – Dub, Grime, Dubstep] – Teil 3

(Fortsetzung von Teil 2)

Wie hat man sich eine Ethnie Dubstep vorzustellen?

„Das sind Leute, die machen Drum n‘ Bass oder Breakbeats, oder Leute, die HipHop oder Techno machen. Die versuchen jetzt alle, diese gebrochenen, minimalen Beats zu machen. Ich glaube, dadurch, dass Dubstep und Grime Fusionen aus verschiedenen Musikrichtungen sind, kommen die Leute aus allen möglichen Ecken. Und das ist schön dabei.“

Der Grime aus Deutschland rückt mit seiner fein programmierten Elektronik in Richtung Dubstep. Ich spreche hier vor allem von DJ Maxximus und seinem Berliner Label MG77.

„Hier gibt’s auch so einige Leute, die machen coole Sachen. Die Freak Camp Posse z.B. das ist eine Gruppe hier in Berlin, Dubstep DJs. Eine Partyreihe im WMF hieß Grime Time. In Maria am Ostbahnhof sind ab und zu Sachen – Bass the World findet statt im Josef, im kleinen Club von Maria. Und natürlich seit letztem Jahr alle drei Monate Dubstep-Party im Techno-Club Berghain.“

Er erzählt mir von seinen Plänen, mit anderen Berliner Künstlern eine CD oder sogar ein Doppelalbum herauszubringen. Genug Material hätte er bereits für die Compilation. Es müsste sich nur noch ein Vertrieb finden, der mutig genug ist, diese neue Musik unter die Leute zu bringen.

Lässt sich eine Theorie des Grime formulieren?

„Zum Glück gibt’s immer noch nicht diese Formel, wie man einen Song baut, was wir sehr oft in elektronischer Musik erlebt haben. Denn wenn es diese Formel gibt, dann weißt Du: erst gibt’s das Intro, dann den Break, danach geht’s los, dann nochmal Intro, und dann geht’s volle Kanne los … und das ist bei dieser Musik immer noch nicht so, es ist immer noch sehr experimentierfreudig, immer noch sehr frisch.“

Apropos frisch: was ist eigentlich die Wortbedeutung von Grime?

„Grime ist, wenn Deine Waschmaschine ausläuft, und nach sieben Jahren bewegst Du Deine Waschmaschine aus der Ecke. Das, was Du in der Ecke findest, das ist Grime (lacht).“

Wir hören Phokus aus Hamburg mit seinem Klassiker ‚Dem All Shot‘ – zu deutsch: Wir haben alle abgeschossen.

„Die spielen natürlich wieder mit dieser Provokationstechnik, was ja auch Punkrock damals gemacht hat, so zu schocken, deswegen benutzen die auch ziemlich aggressive Texte.“

Zu uns gesellt sich DJane Spoke, um neue Platten zu hören. Sie berichtet von ihrem aktuellen Projekt mit einem Kollegen namens Wasserstoff. Sie arbeiten an einem Sound, den sie TechDub nennen, eine langsame Form von klassischem Techno, gemischt mit Dub und 2step-Einflüssen: „Auf der Party im RAW haben die Leute geschrieen vor Vergnügen! Am Ostersonntag im Rosi’s werde ich unseren neuen zweiten Track zum ersten mal spielen.“

Ich mache mich auf den Heimweg und höre die Abendglocken läuten. Funk, Dub, Disco, Electro, HipHop, House, Techno, Breakbeat, 2step, R‘ n‘ B, Grime, Dubstep … Diese Begriffe aus 40 Jahren Musikgeschichte umkreisen meinen Kopf wie kleine zwitschernde Vögelchen:

Ob Dean für seine deutsche Grime-Compilation einen Vertrieb finden wird? – Werden die Dubstep-Parties im Berghain auch weiterhin gut besucht sein? – Gibt es eigentlich schon Dub-Jazz? – Habe ich nicht zuhause noch eine CD mit Balkan-Dub? – Und was hat Dean beim Abschied doch gleich gesagt?

„Ich bin sicher, das wird jetzt mehr und mehr, weil, ich merke auch, hier in Deutschland sind mehr und mehr Leute, die das produzieren.“

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DJ Food – Raiding The 20th Century Mix

Ich hatte in meinem letzten Post – über das Buch Words and Music von Paul Morley – schon den MashUp-Pastiche-Mix Raiding the 20th Century von DJ Food erwähnt, der quasi die musikalische Version des Buches von Morley darstellt und tatsächlich von einem Alvin Lucier-Sample eröffnet und von Kylie Minogues ‚Can’t Get You Out Of My Head‘ beendet wird.

Gleichzeitig fasst dieser Mix vieles, was auf der letztwöchigen Veranstaltung Recyling_Sampling_Jamming verhandelt wurde, besser zusammen, als es eine minutiöse Wiedergabe der Fülle an Vorträgen, Diskussionen und Musikbeispielen leisten könnte. (Wer dies trotzdem will, kann sich auf der Website die umfangreichen Podcasts anhören.)

Strictly Kev hat den Mix am 18ten Januar 2004 auf XFM’s The Remix Show in London gesendet und damit einen auditiven Katalog der Geschichte der Cut-Up Musik erstellt. Part 1 beginnt mit einem Rundumschlag bekannter Bastardpop Mash-Ups um den Sachverhalt vorzustellen und leitet über zur Historie in Part 2: Avantgarde Tape Manipulation, Minimal Musik und Musique Concrète.

Part 3 featured mit Turntable-Megamixen und Cut n‘ Paste-Tracks von u.v.a. Bomb The Bass, Coldcut, M/A/R/R/S, Mantronix und Steinski die Old School der Samplekunst, während Part 4 gewissermaßen die New School repräsentiert. Part 5 stellt dann die Synthese in Form populärer Bastardpop Mash-Ups – wie in Part 1 angerissen – dar.

Eine Reise die den auditiven Cortex neu formatiert. Let’s Begin!

Musikvideo: Adobe Flash Player (Version 9 oder höher) wird benötigt um dieses Musikvideo abzuspielen. Die aktuellste Version steht hier zum herunterladen bereit. Außerdem muss JavaScript in Ihrem Browser aktiviert sein.


DJ Food – Raiding the 20th Century – Words & Music Expansion
[via ubu.com]

Tracklist:
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