{"id":1124,"date":"2011-02-12T10:00:59","date_gmt":"2011-02-12T09:00:59","guid":{"rendered":"http:\/\/www.realvinylz.de\/?p=1124"},"modified":"2014-09-14T21:56:50","modified_gmt":"2014-09-14T19:56:50","slug":"platte-des-monats-in-reverse-james-blake-st-atlas-recordings-revisited","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/realvinylz.net\/?p=1124","title":{"rendered":"Platte des Monats (in reverse): James Blake &#8211; s\/t [Atlas Recordings] revisited"},"content":{"rendered":"<p align=\"center\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.realvinylz.net\/wp-content\/uploads\/50618702_blake1.jpg\" alt=\"_50618702_blake1\" title=\"_50618702_blake1\" width=\"350\" height=\"197\" class=\"alignnone size-full wp-image-1125\" srcset=\"https:\/\/realvinylz.net\/wp-content\/uploads\/50618702_blake1.jpg 350w, https:\/\/realvinylz.net\/wp-content\/uploads\/50618702_blake1-300x168.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 350px) 100vw, 350px\" \/><\/p>\n<p>Es mag \u00fcbertrieben erscheinen, den sowieso schon zum Bersten \u00fcberladenen Diskurs um <strong>James Blake<\/strong> und sein Deb\u00fctalbum noch weiter aufzubl\u00e4hen, aber so ist nun mal die Natur von Hypes: Sie polarisieren, erzeugen Reibungen und Diskussionspotential und sind deswegen einfach unverzichtbar, so sehr das oft nervt. Deshalb ein dickes &#8222;Danke!&#8220; an <strong>BTH <\/strong>f\u00fcr seinen Beitrag, der gerade weil er genauso einseitig, \u00fcberspitzt und falsch ist wie alle Lobeshymnen, so dringend notwendig gewesen ist.<\/p>\n<p>Jetzt aber zu James Blake: Seine drei EPs im vergangenen Jahr auf Hessle Audio und R&#038;S haben mir durchweg gut gefallen. Wahrscheinlich weil sie gar nicht so bahnbrechend innovativ waren, wie von vielen behauptet wurde. &#8218;The Bells Sketch&#8216;, &#8218;CMYK&#8216; und &#8218;Klavierwerke&#8216; sind eine im besten Sinne eigenwillige, aber keinesfalls revolution\u00e4re Collage von Elementen, die Blake mit vielen anderen Vertretern im Postfuturegaragestep-Universum teilt: Den Tritt auf die Bremse mit <strong>Mount Kimbie<\/strong>, die hochgepitchten Stimmfragmente mit ebenjenen und <strong>Burial<\/strong>, das italom\u00e4\u00dfige Regenbogenschillern bei <strong>Hyetal<\/strong> und den <strong>Night Slugs<\/strong>.<\/p>\n<p>Dann kam im Herbst dieses Cover von Feists <a href=\"http:\/\/www.youtube.com\/watch?v=oOT2-OTebx0\">Limit To Your Love<\/a>. Eigentlich ein gro\u00dfer Popsong, reduziert auf die pure Essenz der Verbindung von Stimme und Klavier. Aber irgendwie hatte das auch etwas sehr kalkuliertes in seinem unbedingten Willen zur gro\u00dfen Geste, die Selbstinszenierung als &#8222;der Dubstep-Produzent, in dem auch ein hochsensibles- und talentiertes Popcrooner-Seelchen schlummert&#8220; schien zu offensichtlich. Auf seinem Album nimmt sich James Blake zum Gl\u00fcck wieder etwas zur\u00fcck. Songs wie &#8218;Lindesfarne II&#8216; oder &#8218;To Care Like You&#8216; sind tats\u00e4chlich eine pop-kompatible Erweiterung seiner bisherigen Beatscience. Es bleibt spannend zu beobachten, wie sich dieses Feld weiterentwickeln wird, genug schlechte Epigonen scharren sicher schon mit den Soundcloud-Hufen. Vieles ist aber auch einfach belangloses F\u00fcllmaterial, da hat BTH mit seinem Macchiato-Lounge-Vorwurf Recht.<\/p>\n<p>Ganz sicher aber haben wir es hier nicht mit dem avantgardistischsten St\u00fcck Musik seit Beginn des Jahrtausends zu tun, und die These von der Aufl\u00f6sung bisher f\u00fcr unvereinbar gehaltener Genregrenzen dank totaler digitaler Verf\u00fcgbarkeit von Musik ist auch schon ziemlich abgedroschen, nachdem Tobias Rapp sie vor drei Jahren in Bezug auf <strong>Hot Chip<\/strong> das erste Mal aufgestellt hat.<\/p>\n<p>Hinter irrational ausufernden Hypes wie um James Blake steckt vielmehr ein verdr\u00e4ngter Wunsch: Dass n\u00e4mlich das neue, gro\u00dfe Ding immer noch irgendwo da drau\u00dfen schlummert und sich uns schon offenbaren wird, wenn wir nur fest daran glauben. \u201957 Rock&#8217;n&#8217;Roll und Soul, \u201967 Pop, \u201977 Punk, \u201987 Rave und Techno. Und &#8217;97 der damals noch beschwerliche und nicht so wirelessflutschige Gang ins Archiv, wie <a href=\"http:\/\/de-bug.de\/mag\/5673.html\">Anton<\/a> treffend analysiert hat. Und 2007? 2011? Die letzten wirklich gro\u00dfen Poperz\u00e4hlungen sind nun schon \u00e4lter, als die aktuellen Protagonisten selbst und das scheint f\u00fcr viele immer noch ein gr\u00f6\u00dferes Problem, als sie zugeben k\u00f6nnen. Die Hoffnungen richten sich wie so oft auf das UK und sein Bassmusik-Kontinuum, das zu Beginn des Jahrtausend ja mit Dubstep das letzte im mikrogenrepolitischen Sinn &#8222;neue&#8220; Genre hervorgebracht hat. Logisch, dass James Blake eine besonders breite Projektionsfl\u00e4che f\u00fcr diesen Wunsch abgibt. Erf\u00fcllen kann aber auch er ihn nicht.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es mag \u00fcbertrieben erscheinen, den sowieso schon zum Bersten \u00fcberladenen Diskurs um James Blake und sein Deb\u00fctalbum noch weiter aufzubl\u00e4hen, aber so ist nun mal die Natur von Hypes: Sie polarisieren, erzeugen Reibungen und Diskussionspotential und sind deswegen einfach unverzichtbar, so sehr das oft nervt. 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