{"id":1907,"date":"2011-10-27T12:08:18","date_gmt":"2011-10-27T11:08:18","guid":{"rendered":"http:\/\/www.realvinylz.de\/?p=1907"},"modified":"2013-09-06T11:07:36","modified_gmt":"2013-09-06T09:07:36","slug":"interview-apparat-uber-the-devil%c2%b4s-walk-inspiration-und-stadtflucht","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/realvinylz.net\/?p=1907","title":{"rendered":"Interview: Apparat \u00fcber The Devil&#8217;s Walk, Inspiration und Stadtflucht"},"content":{"rendered":"<p>Einer der interessanten Alben des Herbstes ist sicherlich <strong>The Devil&#8217;s Walk<\/strong> von Sascha Ring aka Apparat, der nun endg\u00fcltig zur Band mutiert ist. Ob die Vergleiche mit Thom Yorke gerechtfertigt sind, muss jeder selbst entscheiden. Sicher ist aber, dass die Frickeleien arg zur\u00fcckgegangen sind und einem sehr organischen Sound wichen. Damit landete er schlie\u00dflich bei Mute Records, dass seinerseits wieder zum Indie mutiert ist. Live mit Band wird er am 2. November im <a href=\"http:\/\/mousonturm.de\/web\/Deutsch\/Programmdetail\/?version=&#038;detail=1758\">Mousonturm\/Frankfurt<\/a> zu sehen sein.<\/p>\n<p align=center>\n<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.realvinylz.net\/wp-content\/uploads\/apparat_constantinfalk_450.jpg\" alt=\"apparat_constantinfalk_450\" title=\"apparat_constantinfalk_450\" width=\"400\" height=\"400\" class=\"aligncenter size-full wp-image-1908\" \/><\/p>\n<p><strong>BTH:<\/strong> Wie kamst du als Produzent von Techno zu Akustik im weiteren Sinne?<\/p>\n<p>\n<strong>Apparat:<\/strong> Ich lebe seit 13 Jahren in Berlin, habe mit Techno angefangen und irgendwann habe ich mich immer mehr f\u00fcr akustische Kl\u00e4nge interessiert. Anfangs hatte das mehr seine Begr\u00fcndung darin, dass ich die Sounds interessant fand, also ist jetzt nicht so, dass ich pl\u00f6tzlich auf Songs stand und Songwriter werden wollte. Es hat also produktionstechnische Hintergr\u00fcnde. Ich sehe mich eigentlich immer noch als Producer. Und auch wenn die Musik jetzt organisch klingt, werde ich weiterhin ein Produzent sein.<\/p>\n<p><strong>BTH:<\/strong> Legst du auch auf?<\/p>\n<p>\n<strong>Apparat:<\/strong> Ich habe w\u00e4hrend meiner Rave-Jugend in meiner Heimat auf Technopartys in Russenbunkern aufgelegt. Als ich nach Berlin gezogen bin, habe ich gleich angefangen ruhigere Musik zu machen, als ich dann aus dieser Raveh\u00f6lle raus war.<\/p>\n<p><strong>BTH:<\/strong> Die letzten Kollaborationen mit Modeselektor und Ellen Allien waren sehr basslastig. Wie kam es zum The Devil&#8217;s Walk mit seinem ruhigen Sound?<\/p>\n<p>\n<strong>Apparat:<\/strong> Naja, das Ruhige hat schon immer so ein bisschen in mir rumgek\u00f6chelt. Es ist ja nicht so, dass die Songs alle in einem zweimonatigem Zeitfenster entstanden sind. Das ist schon ein Projekt gewesen, dass ich f\u00fcnf Jahre mit mir rumgeschleppt habe. Dann kam zwischenzeitlich die Zusammenarbeit mit <strong>Modeselektor<\/strong>, die f\u00fcr meine Verh\u00e4ltnisse schon sehr clubm\u00e4\u00dfig war. Das hat mich dann nur noch mehr dahin gebracht, dass mein n\u00e4chstes Album der Gegenpol dazu sein sollte. Einfach damit ich wieder was anderes mache und mich selbst unterhalte \u2026 damit mir nicht langweilig wird.<\/p>\n<p><strong>BTH:<\/strong> Weg vom Rave und hin zum \u2026<\/p>\n<p>\n<strong>Apparat:<\/strong> \u2026 aber ich habe gerade schon mit den Modeselektoren dr\u00fcber geredet, dass wir n\u00e4chstes Jahr anfangen an einer neuen Moderat-Platte zu arbeiten. Das war kein einmaliges Ding, sondern das ist unsere Zweitband. Das Projekt zu haben, gibt mir auch die Freiheit, mich bei Apparat noch weiter aus dem Fenster zu lehnen und Sachen zu machen, die ich fr\u00fcher nicht gemacht h\u00e4tte.<\/p>\n<p><strong>BTH:<\/strong> Was auch cool ist, zwei Projekte zu haben, um zwei Seiten auszuleben.<\/p>\n<p>\n<strong>Apparat:<\/strong> Genau. Ich mache wirklich ganz viel verschiedene Musik und irgendwann hat man dann Hemmungen, das alles zusammen auf eine Platte zu packen. Das hat nat\u00fcrlich immer mehr oder weniger gut funktioniert, aber wie gesagt, Moderat gibt mir die Freiheit bei Apparat noch akustischer zu sein. Und wirklich diese Songskizzen, die ich seit f\u00fcnf Jahren habe, zu nehmen und daraus eine Platte zu machen.<\/p>\n<p><strong>BTH:<\/strong> Was hat dich an einer Band gereizt?<\/p>\n<p>\n<strong>Apparat:<\/strong> Eine Band das einzige Konzept, wie man die Musik live darbieten kann. Wir hatten einen Plan f\u00fcr die Platte und einer der Punkte war, dass sich alles organisch anh\u00f6ren soll und wir auch eine ganze Performance von Anfang bis zum Ende einspielen \u2013 mit allen kleinen Ungereimtheiten, die die Sache interessanter machen. Am Ende bedeutet das, dass du das auf der B\u00fchne genauso rekonstruieren musst. Und wenn du organische Musik machst, dann am besten mit Menschen. Dann gibt es den Fakt, dass einem das einfach was gibt, wenn man mit anderen Menschen auf der B\u00fchne steht und von denen \u00fcberrascht wird.<\/p>\n<p><strong>BTH:<\/strong> Dennoch klingt ihr nicht rockig, obwohl ihr eine Band seid.<\/p>\n<p>\n<strong>Apparat:<\/strong> Das ist nur die Frage der Instrumentierung und bei uns sind es relativ klassische Instrumente. Wir haben anfangs immer gesagt, dass auf der B\u00fchne kein Computer erlaubt ist, weil wir Angst hatten, dass der Computer die Kontrolle \u00fcbernimmt und dann der Taktgeber ist. Dann macht eine Band keinen Spa\u00df mehr, wenn sie nur noch mit dem Computer mitschwimmt. Allerdings haben wir auch gemerkt, dass viele Sounds nur mit dem Computer als Effektger\u00e4t realisierbar sind und das macht der Rechner jetzt. Das ist auch der Grund, dass es nicht so klassisch klingt wie eine Rockband.<\/p>\n<p><strong>BTH:<\/strong> Der Laptop als Tretminenersatz?<\/p>\n<p>\n<strong>Apparat:<\/strong> Genau. Auf der Platte war es auch wichtig, dass der Computer nicht die Hauptsache ist, sondern nur ein Teil der Musik, der homogen in das ganze Konzept eingeflochten wird. So ist es auch auf der B\u00fchne. Der Rechner spielt eine Rolle, die man nicht \u00fcberbewerten sollte, denn wenn er ausf\u00e4llt, k\u00f6nnen wir trotzdem das Konzert zu Ende spielen \u2013 und das ist wichtig.<\/p>\n<p align=center>\n<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.realvinylz.net\/wp-content\/uploads\/apparat-devils-walk-450-300x300.jpg\" alt=\"apparat-devils-walk-450\" title=\"apparat-devils-walk-450\" width=\"300\" height=\"300\" class=\"aligncenter size-medium wp-image-1915\" srcset=\"https:\/\/realvinylz.net\/wp-content\/uploads\/apparat-devils-walk-450-300x300.jpg 300w, https:\/\/realvinylz.net\/wp-content\/uploads\/apparat-devils-walk-450-150x150.jpg 150w, https:\/\/realvinylz.net\/wp-content\/uploads\/apparat-devils-walk-450.jpg 450w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/p>\n<p><strong>BTH:<\/strong> Wie habt ihr das geschafft, den Rechner im Produktionsprozess aus dem Mittelpunkt zu nehmen?<\/p>\n<p>\n<strong>Apparat:<\/strong> Ich bin mein ganzes Leben lang immer ins Studio gegangen und habe dann losgejammt. Diesmal habe ich mich gezwungen, eine musikalische Idee zu haben wie simple Loops oder Melodieskizzen. Mit diesen bin ich ins Studio gegangen und habe dann erstmal gewartet, \u00fcberlegt und den Rechner sp\u00e4ter ins Spiel gebracht. Am Ende wurde er zur luxuri\u00f6sen Bandmaschine. Das hat nicht nur Soundgr\u00fcnde, auch der Arbeitsprozess macht mir kein Spa\u00df mehr \u2013 es ist wie ein B\u00fcrojob.<\/p>\n<p><strong>BTH:<\/strong> Wurde das Album in Berlin aufgenommen?<\/p>\n<p>\n<strong>Apparat:<\/strong> Die H\u00e4lfte haben wir in einem zweimonatigen Arbeitsurlaub in Mexiko aufgenommen. Wir haben uns zu viert ein Haus gemietet und haben da unter Idealbedingungen an der Musik rumgeschraubt. Das war echt toll. Dann sind wir nach Berlin zur\u00fcck und haben dann in meinem Studio und in dem von meinem Co-Produzenten <strong>Nackt<\/strong> rumgedaddelt. Dann konnte ich drei Monate nichts machen, weil ich die Inspiration verloren habe und als die wieder da war, haben wir uns sehr diszipliniert und zum ersten Mal in meinem Leben richtig konzentriert und das Ding durchgewuppt.<\/p>\n<p><strong>BTH:<\/strong> Bist du dann wieder in alte Muster gefallen?<\/p>\n<p>\n<strong>Apparat:<\/strong> Das Problem war andersrum. In Mexiko bin ich in alte Verhaltensmuster gefallen. Ich habe zwar viele tolle Sachen aufgenommen, aber ich habe mich auch ganz oft mit Laptop und Kopfh\u00f6rer in die Ecke gesetzt und alles kaputt ge-effektet. In Berlin angekommen, bemerkte ich beim Anh\u00f6ren, dass ich mich von der akustischen Idee wieder entfernt habe. Das war deprimierend. Dann musste ich zur\u00fcckrudern und bin ganz viele Versionen zur\u00fcckgegangen und habe die Songs mit Nackt neu aufgerollt. Das Anstrengende war, nach 450 Arbeitsstunden in der Sackgasse gelandet zu sein.<\/p>\n<p><strong>BTH:<\/strong> Das Album klingt ruhiger und wirkt kompakt.<\/p>\n<p>\n<strong>Apparat:<\/strong> Das war die Absicht es einfacher aufzuziehen und es nicht durch technische Spielereien aufwerten zu wollen \u2026<br \/>\n<strong>BTH: <\/strong> \u2026 was oft schwierig ist \u2026<\/p>\n<p>\n<strong>Apparat:<\/strong> \u2026 man verl\u00e4uft sich halt oft und h\u00f6rt den Song als Macher am Meisten und denkt, da muss was rein. Damit macht man aber viel kaputt. Das ist ein langer Lernprozess, den ich immer noch nicht abgeschlossen habe.<\/p>\n<p align=center>\n<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.realvinylz.net\/wp-content\/uploads\/apparat_constantin-falk_02_450.jpg\" alt=\"apparat_constantin-falk_02_450\" title=\"apparat_constantin-falk_02_450\" width=\"450\" height=\"279\" class=\"aligncenter size-full wp-image-1912\" srcset=\"https:\/\/realvinylz.net\/wp-content\/uploads\/apparat_constantin-falk_02_450.jpg 450w, https:\/\/realvinylz.net\/wp-content\/uploads\/apparat_constantin-falk_02_450-300x186.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 450px) 100vw, 450px\" \/><\/p>\n<p><strong>BTH:<\/strong> In De:Bug stand, dass du keine Musik mehr machst, seitdem das Album fertig ist.<\/p>\n<p>\n<strong>Apparat:<\/strong> Seit acht Monaten war ich nicht mehr im Studio und versuche mir Musik vom Hals zu halten. Denn solange ich in Berlin lebe, bin ich jeden Tag ins Studio gegangen. Das tolle daran ist, dass ich jetzt nach acht Monaten wieder eine Vision habe.<\/p>\n<p><strong>BTH:<\/strong> Was machst du stattdessen?<\/p>\n<p>\n<strong>Apparat:<\/strong> Ich fahre mit meinem Motorrad durch Mecklenburg-Vorpommern und gucke mir W\u00e4lder an, klettere auf Berge und in so einem Moment ist mir j\u00fcngst eine Idee gekommen und jetzt habe ich wieder Bock Musik zu machen. Das ist ein toller Moment.<\/p>\n<p><strong>BTH:<\/strong> Deine oder die von Moderat?<\/p>\n<p>\n<strong>Apparat:<\/strong> Sagen wir mal beides, aber die Idee ist zu unausgegoren, um dar\u00fcber zu sprechen. Es war einfach mal wieder das Gef\u00fchl eine Inspiration zu haben. Am liebsten w\u00e4re ich auf mein Motorrad gesprungen, nach Berlin gefahren, um am Computer eine Skizze aufzunehmen.<\/p>\n<p><strong>BTH:<\/strong> Oder du schreibst ein Buch wie <strong>Moritz von Uslar<\/strong>s \u201eDeutschherbst\u201c. <\/p>\n<p>\n<strong>Apparat:<\/strong> Bei mir hat das nichts mit Leuten zu tun. Ich fahre raus, um von den Menschen wegzukommen.<\/p>\n<p><strong>BTH:<\/strong> Zur\u00fcck zur Natur?<\/p>\n<p>\n<strong>Apparat:<\/strong> Wenn man so ein Leben f\u00fchrt wie als Musiker, ist man die meiste Zeit von Leuten umgeben, auf Tour, in Interviews und Meetings. Und so versuche ich rauszukommen, um mit mir allein zu sein.<\/p>\n<p><strong>BTH:<\/strong> Denkst du, die musikalische Entwicklung bewegt weg vom Club oder doch nicht?<\/p>\n<p>\n<strong>Apparat:<\/strong> Ich glaube nicht. Clubmusik hat eine totale Daseinsberechtigung, weil Techno einfach am besten in einem Tanzschuppen funktioniert. Nicht umsonst war es eine Revolution und der Sound wird sich geringf\u00fcgig weiterentwickeln. Ich sage oft, dass mich Clubmusik nicht sonderlich interessiert. Aber wenn ich wieder im Club stehe und in der richtigen Stimmung bin, dann wei\u00df ich ganz genau, warum diese Musik so klingt und warum sie so einfach und funktional ist.<\/p>\n<p><strong>BTH:<\/strong> Das war jetzt nicht negativ gemeint. Nach 20 Jahren Techno ist man ja auch weniger begeistert.<\/p>\n<p>\n<strong>Apparat:<\/strong> Ich erwische mich halt oft, wie ich abf\u00e4llig sage: \u201eTechno langweilig, mag ich nicht.\u201c Manchmal meinen Interviewer dann, Apparat hasst Techno. Das stimmt nicht. Ich bin 33 und gehe nicht mehr in Clubs. Mir steht nicht der Sinn danach, zw\u00f6lf Stunden im Berghain abzuh\u00e4ngen.<\/p>\n<p><strong>BTH:<\/strong> Ab und an zehn Stunden Berghain macht auch Spa\u00df.<\/p>\n<p>\n<strong>Apparat:<\/strong> Stimmt, aber vor allem muss ich nicht den Soundtrack dazu produzieren, weil mir einfach nichts Neues mehr dazu einf\u00e4llt \u2013 wie auch den meisten anderen. Das ist halt die Tragik daran zur Zeit.<\/p>\n<p><strong>BTH:<\/strong> Deswegen spielen <strong>Klock<\/strong> und <strong>Dettmann<\/strong> auch runtergepitchte 90er-Platten.<\/p>\n<p>\n<strong>Apparat:<\/strong> W\u00fcrde ich wahrscheinlich auch machen&#8230;<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.apparat.net\">Apparat<\/a><br \/>\nFotos: Constantin Falk<br \/>\n<a href=\"http:\/\/www.juno.co.uk\/ppps\/products\/435071-01.htm\">H\u00f6ren und Kaufen<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Einer der interessanten Alben des Herbstes ist sicherlich The Devil&#8217;s Walk von Sascha Ring aka Apparat, der nun endg\u00fcltig zur Band mutiert ist. Ob die Vergleiche mit Thom Yorke gerechtfertigt sind, muss jeder selbst entscheiden. Sicher ist aber, dass die Frickeleien arg zur\u00fcckgegangen sind und einem sehr organischen Sound wichen. 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