{"id":3848,"date":"2009-09-21T19:50:24","date_gmt":"2009-09-21T17:50:24","guid":{"rendered":"http:\/\/realvinylz.net\/?p=3848"},"modified":"2015-06-07T21:30:50","modified_gmt":"2015-06-07T19:30:50","slug":"tag-16-bis-19-damascus-undercover-and-beirut-upscale","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/realvinylz.net\/?p=3848","title":{"rendered":"Von Istanbul nach Beirut \u2013 Tag 16 bis 19: Damascus Undercover and Beirut Upscale"},"content":{"rendered":"<p>Was ist nicht alles \u00fcber Damascus (Ash-Shams) &#8211; eine der \u00e4ltesten kontinuierlich bewohnten St\u00e4dte der Welt, gelegen in der Ghouta Oase und in der N\u00e4he der Seidenstrasse &#8211; gesagt und geschrieben worden. Mohammed soll bei einem Blick auf die Stadt den Eintritt verweigert haben, da er das Paradies erst nach seinem Tode betreten wolle und Mark Twain wurde zu den folgenden Zeilen hingerissen:<\/p>\n<blockquote><p>Damascus has seen all that has ever occurred on earth, and still she lives. She has looked upon the dry bones of a thousand empires, and will see the tombs of a thousand more before she dies. Though another claims the name, old Damascus is by right, the Eternal City.&#8216;<\/p><\/blockquote>\n<p>\u00c4gytpter, Assyrer, Perser, Griechen, R\u00f6mer, Umayyaden, Mongolen, T\u00fcrken und Franzosen haben der Stadt jahrtausendelang ihre Stempel aufgedr\u00fcckt. Im Souq Saroujah, wo die meisten Backpacker Hotels gelegen sind, sp\u00fcre ich zun\u00e4chst nicht viel von dem Charme. Laut, schmutzig, overcrowded wie die meisten Gro\u00dfst\u00e4dte im Mittleren Osten und ums\u00e4umt von riesigen halbfertigen Bauruinen bahnen wir uns unseren Weg um ein Zimmer zu finden. Das Zimmer das ich schliesslich bekomme ist nur durch die Fenster zug\u00e4nglich, was der Hotelier v\u00f6llig OK findet. Mit gemeinsamen Kr\u00e4ften reparieren wir das Schloss und danach f\u00fchle ich mich wenigstens einigerma\u00dfen sicher. <\/p>\n<p>In der Neustadt bekommen Bert und ich &#8218;American Style Pizza&#8216; und das ist f\u00fcr den Moment in Ordnung. Eine Nargileh und ein Glas Tee vers\u00f6hnen uns dann auch f\u00fcrs Erste mit der Stadt, die uns nach der langen W\u00fcstenbusfahrt mit beknackten arabischen Filmkom\u00f6dien in voller Lautst\u00e4rke erstmal ziemlich angenervt hatte.<br \/>\n<center><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/realvinylz.net\/wp-content\/uploads\/streetdamascus.jpg\"><\/center><br \/>\n<center><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/realvinylz.net\/wp-content\/uploads\/damascus.jpg\"><\/center><br \/>\n<center><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/realvinylz.net\/wp-content\/uploads\/christianquarter1.jpg\"><\/center><br \/>\n<!--more--><\/p>\n<p>\nDer Mittwoch geh\u00f6rt der ersten Erkundung der Altstadt und hier offenbart sich auch schnell der wahre Charme der Stadt. Der Souq Al-Hamidiyya ist einer der grossen orientalischen Einkaufstrassen und hier werden Wasserpfeifen, Schleier, Gew\u00fcrze und Geb\u00e4ck neben regelrechter Nutten-Lingerie, Dolce&#038;Gabbana-Shirts und blinkenden Wackelhunden verkauft. Ab und zu rennt ein blinder Bettler, der Taschent\u00fccher feilbietet, direkt auf mich zu und starrt mich mit leeren Augen an.<\/p>\n<p>Weiter zum Christian Quarter wo die Architektur mediterran-franz\u00f6sisch wird und der Staub sich etwas legt. Per SMS k\u00fcndigt sich Aby f\u00fcr den Abend an und nachdem Bert und ich in FlipFlops in einem arabischen Post-Ramadan Edelrestaurant gegessen haben, in dem man uns wie K\u00f6nige behandelt hat, treffen wir Aby in ihrer Off-Pension.<\/p>\n<p>Der Besitzer ist ein Haschisch rauchender Sonderling, der mir eine fantastische Geschichte \u00fcber politische Gefangenschaft, den syrischen Geheimdienst, Foltererfahrung und sein angebliches Interview mit <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Hassan_Nasrallah\">Nasrallah<\/a> erz\u00e4hlt. Ich neige dazu ihm ungef\u00e4hr 50 Prozent zu glauben, eine nette Deutsche die er einige Wochen vorher kennengelernt hat, glaubt ihm offenbar mehr, den sie wollen demn\u00e4chst heiraten.<\/p>\n<p>Wenn Syrer das Gespr\u00e4ch auf Politik, Hizbollah und die Regierung bringen, wartet man am Besten ab, h\u00f6rt zu und h\u00e4lt sich m\u00f6glichst zur\u00fcck mit seinen Kommentaren, denn es kann immer sein, dass man ein Mitglied der Geheimpolizei vor sich sitzen hat und ganz abgesehen davon kann man sich als Tourist sowieso kein wirkliches Bild von der Lage machen.<\/p>\n<p>Was in Damascus wirklich passiert, wenn man kurzzeitig Gast ist, ist etwas ganz anderes. Die zu Zweit oder allein reisenden Europ\u00e4er, Amerikaner und Australier besinnen sich auf ihre postkolonialistischen Pflichten und finden pl\u00f6tzlich eine Menge Gemeinsamkeiten angesichts der sich schon sprachlich manifestierenden Barriere zu dem Syrern. Noch nie habe ich mit Engl\u00e4ndern, Portugiesen, Belgiern, Polen, Niederl\u00e4ndern und Australiern gleichzeitig an einem Tisch gesessen und soviel Spass gehabt wie an zwei Abenden in den Hinterh\u00f6fen von Damascus. <\/p>\n<p>Der Staub und die Hitze, sowie die Tatsache dass es bis 19 Uhr abends praktisch nichts zu essen gibt, machen die Tage lazy und entspannt, wir trinken t\u00fcrkischen Kaffee in der Altstadt, besichtigen den <a href=\"http:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Azm_Palace\">Azem Palace<\/a> und das Nationalmuseum, handeln und spassen mit den H\u00e4ndlern in den Souqs und atmen die w\u00fcrzig-s\u00fcssen Ger\u00fcche der Stadt.<\/p>\n<p><center><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/realvinylz.net\/wp-content\/uploads\/souq.jpg\"><\/center><br \/>\n<center><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/realvinylz.net\/wp-content\/uploads\/sundown.jpg\"><\/center><\/p>\n<p>Gestern sind wir dann alle auseinandergestoben, Aby ist nach Lattakia gefahren, Bert nach Amman in Jordanien und die beiden Polen mit zwei Flaschen Smirnoff Gin im Gep\u00e4ck zum Flughafen. Ich bestieg einen Bus nach Beirut und nach langen Grenzformalit\u00e4ten betrete ich eine neue Welt. Libanon ist voll von phatten Autos: SUVs, Toyota Landcruiser, Dodge und Hummer, \u00fcberall riesige Werbetafeln, alle h\u00e4ngen an ihren Handys und telefonieren und der erste MCDonalds nach acht Tagen taucht auf. <\/p>\n<p>Beirut sieht aus wie Miami Beach, aufgepumpte Muskelboys und poshy Girls tummeln sich in den Strassen, zwischen zerschossenen Hotelfassaden reiht sich eine Fastfood-Kette an die n\u00e4chste, die Hotelpreise sind wieder europ\u00e4isch und ich teile mit mit ein paar neuen Bekannten zwei Hotelzimmer. Waehrend wir an der Corniche sitzen und ein paar Bier trinken, f\u00e4llt alle paar Minuten einmal der Strom aus und die gesamte Skyline mit Neon-Blinke-Palmen und den Logos der multinationalen Konzerne erlischt kurz und erinnert mich daran, dass diese hyperkommerzielle Sorglosigkeit eine von Kriegen und politische Morden gesch\u00fcttelte Wirklichkeit kaschiert, die jederzeit wieder an die Oberfl\u00e4che schl\u00fcpfen kann.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Was ist nicht alles \u00fcber Damascus (Ash-Shams) &#8211; eine der \u00e4ltesten kontinuierlich bewohnten St\u00e4dte der Welt, gelegen in der Ghouta Oase und in der N\u00e4he der Seidenstrasse &#8211; gesagt und geschrieben worden. 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