{"id":3921,"date":"2012-03-14T21:27:24","date_gmt":"2012-03-14T19:27:24","guid":{"rendered":"http:\/\/realvinylz.net\/?p=3921"},"modified":"2015-05-24T12:10:30","modified_gmt":"2015-05-24T10:10:30","slug":"ars-gratia-artis-part-ii","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/realvinylz.net\/?p=3921","title":{"rendered":"Ars Gratia Artis? \u2013 Part II"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>F\u00fcr einen kreativen Umgang mit Original, Imitation, Copyright und Starsystem<\/p><\/blockquote>\n<p><strong><a href=\"http:\/\/realvinylz.net\/?p=3918\">(Fortsetzung von Part I)<\/a><\/strong><\/p>\n<p>\n<strong>Die Gesellschaft des Zugangs<\/strong><\/p>\n<p>In <em>Access<\/em> beschreibt Rifkin den Umbau der klassischen Eigentums\u00f6konomie in eine \u00d6konomie des Zugangs:<\/p>\n<blockquote><p>Netzwerke treten an die Stelle der M\u00e4rkte, Verk\u00e4ufer und K\u00e4ufer werden zu Anbietern und Nutzern, und was bislang k\u00e4uflich war, wird &#8218;zug\u00e4nglich&#8216;. (1)<\/p><\/blockquote>\n<p>Die von Rifkin seinerzeit nur erahnte Flut von sozialen Netzwerken, Content-Plattformen und Apps, die zumeist durch Werbung finanziert werden, und die zunehmende Trennung des Online-Datenstroms in funktionale Teilbereiche wie Video, Audio, VoIP und Gaming ist ein deutliches Merkmal dieser Entwicklung.<\/p>\n<blockquote><p>Geistiges Kapital (\u2026) wird allerdings kaum ausgetauscht. Stattdessen steht es unter der Verf\u00fcgung von Anbietern, die es potentiellen Nutzern zur begrenzten Verf\u00fcgung \tverleihen oder in Lizenz vergeben. (&#8230;) \u00dcberall auf der Erde bauen transnationale Medienkonzerne weltumspannende Kommunikationsnetze auf und beuten lokale Ressourcen aus: neu verpackt als Unterhaltungsprodukte und Kulturware.<\/p><\/blockquote>\n<p>Und das Ern\u00fcchternde: Wir, die Kulturproduzent_innen, sind auf das Funktionieren dieses Systems angewiesen, wenn wir mit dem Ergebnis unserer immateriellen Arbeit einen Gewinn erzielen, also \u00fcberleben, wollen. Trotzdem sollten wir uns nicht in die Debatte um den immanenten Wert von Original und Imitation verwickeln lassen, sondern m\u00f6glichst n\u00fcchtern die Funktion immaterieller Rohmaterialien analysieren.<br \/>\n<!--more--><br \/>\nUm den reibungslosen Ablauf der immateriellen Warenfl\u00fcsse zu gew\u00e4hrleisten, muss das geistige Eigentum gesch\u00fctzt werden, was durch Marken-, Urheber- und Nutzungsrechte, kurz: das Copyright, gew\u00e4hrleistet wird. Ein Song, ein Text, ein Video oder ein Kunstwerk kann nur Gewinn erzielen, wenn es durch juristische Codes gesch\u00fctzt wird. Bei audiovisuellen Medien sind n\u00e4mlich die Reproduktionskosten bei konstant bleibendem Gebrauchswert extrem gering. Die ohnehin schwer zu fassenden Produktionskosten eines Songs, einer Erz\u00e4hlung, eines Filmes, einer Fotografie sind vollst\u00e4ndig abgekoppelt von deren Reproduktionskosten. Eine rare Ware, deren Eigentum verwertbar ist, sieht anders aus. Filme werden gestreamt, Texte, Bilder und Tracks heruntergeladen. Die Nutzer_innen zahlen f\u00fcr das, was f\u00fcr viele von uns der Stoff ist, der \u201edie Welt im Innersten zusammenh\u00e4lt\u201c, am liebsten: gar nichts. Diese allgegenw\u00e4rtige Praxis des Kopierens treibt die Distributor_innen von warenf\u00f6rmigen Kulturprodukten zu einem R\u00fcckgriff auf die fest in unserer Gesellschaft verankerten Vorstellungen von Original und Imitation:<\/p>\n<blockquote><p>Copyright is a legal construction that tries to make certain kinds of immaterial wealth behave like material wealth, so that they can be owned, controlled, and traded.<br \/>\n<a href=\"http:\/\/www.metamute.org\/en\/Copyfarleft-and-Copyjustright\">Dmytri Kleiner<\/a><\/p><\/blockquote>\n<p>\nNat\u00fcrlich ist es absurd, eine endlos und praktisch ohne Verlust reproduzierbare immaterielle Ware so zu behandeln wie eine materielle Ware. Doch wie geht das warenproduzierende System in Gestalt der Kulturindustrie mit diesem Widerspruch um, wenn die notwendige Verteidigung der Warenansammlungen nicht mehr durch b\u00fcrgerliche Moralvorstellungen gedeckt ist? Es mahnt ab, was das Zeug h\u00e4lt, jagt Nutzer_innen durch das Internet und sorgt f\u00fcr Angst und Schrecken in der eigenen Zielgruppe. Dass die Content-Pirat_innen offenbar gleichzeitig zu den besten Kunden geh\u00f6ren (wie eine unver\u00f6ffentlichte <a href=\"http:\/\/www.heise.de\/tp\/blogs\/6\/150152\">GfK-Studie<\/a> und mehrere <a href=\"http:\/\/torrentfreak.com\/former-google-cio-limewire-pirates-were-itunes-best-customers-110726\/\">EMI-Studien<\/a> offenbar zeigen) sorgt nicht gerade f\u00fcr mehr Verst\u00e4ndnis.<\/p>\n<p>\nZur Verteidigung der rigiden Praxis von Abmahnungen und Hausdurchsuchungen wird oft argumentiert, das es das Copyright den Kulturproduzent_innen \u00fcberhaupt erst erm\u00f6gliche, von ihrer Arbeit zu leben. Das sieht Dmytri Kleiner, der als Softwareentwickler an symbolischen Projekten zur politischen \u00d6konomie im Internet arbeitet, anders. Entlang einer Beschreibung der Arbeiterklasse  zeichnet er die Situation der Produzent_innen von immateriellen G\u00fctern:<\/p>\n<blockquote><p>(\u2026) an understanding of class struggle makes it clear that so long as the owning class wants to have music, they must allow musicians to make a living. They do not require intellectual property for this purpose. Rather, they require intellectual property so that property owners, not musicians, can earn money on the music made by musicians.<br \/>\n<a href=\"http:\/\/www.metamute.org\/en\/Copyfarleft-and-Copyjustright\">Dmytri Kleiner<\/a><\/p><\/blockquote>\n<p>Ich stimme Kleiner hier nur bedingt zu, da seine Darstellung \u00fcbersieht, dass es keine direkte Beziehung der \u201eowning class\u201c zu den \u201emusicians\u201c gibt. Das klingt doch mehr nach feudalen Zust\u00e4nden als nach gegenw\u00e4rtiger Realit\u00e4t, schlie\u00dflich sind es heutzutage die Endverbraucher aus allen gesellschaftlichen Schichten, die die Musik konsumieren und bezahlen. Er beh\u00e4lt allerdings Recht was die Funktion des Copyrights f\u00fcr Content-Provider betrifft. Die lachenden Dritten sind am Ende eben die Produzent_innen der materiellen Hardware (Pinsel, Kleister, Filmkamera, Gitarre, MacBook), die Content-Provider, die Internetportale, die Verlage und Label. Die Originale der Kulturproduzent_innen sind notwendiges Beiwerk. Folgt man Matteo Pasquinelli in seiner Argumentation \u00fcber den kognitiven Kapitalismus scheint dies sogar eine immanente Eigenschaft von immateriellen G\u00fctern zu sein:<\/p>\n<blockquote><p>The immaterial generates value only if it grants meaning to a material process. A music CD for example has to be physically produced and physically consumed. (\u2026) And when the CD vector is dematerialised thanks to the evolution of digital media into P2P networks, the body of the artist has to be engaged in a stronger competition.<br \/>\n<a href=\"http:\/\/www.generation-online.org\/c\/fc_rent4.pdf\">Matteo Pasquinelli<\/a><\/p><\/blockquote>\n<p>Das immaterielle Original w\u00e4re dann nur ein Anreiz, ein materielles Gut zu erwerben und\/oder die K\u00fcnstler_innen live zu sehen.<\/p>\n<p><strong><a href=\"http:\/\/realvinylz.net\/?p=3924\">(Fortsetzung in Part III)<\/a><\/strong><\/p>\n<p><strong>Footnotes:<\/strong><\/p>\n<p>(1) Jeremy Rifkin: Access \u2013 Das Verschwinden des Eigentums. Frankfurt: Campus 2000<\/p>\n<p><strong><a href=\"http:\/\/creativecommons.org\/licenses\/sampling+\/1.0\/\">CC-Sampling Plus 1.0<\/a><\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>F\u00fcr einen kreativen Umgang mit Original, Imitation, Copyright und Starsystem (Fortsetzung von Part I) Die Gesellschaft des Zugangs In Access beschreibt Rifkin den Umbau der klassischen Eigentums\u00f6konomie in eine \u00d6konomie des Zugangs: Netzwerke treten an die Stelle der M\u00e4rkte, Verk\u00e4ufer und K\u00e4ufer werden zu Anbietern und Nutzern, und was bislang k\u00e4uflich war, wird &#8218;zug\u00e4nglich&#8216;. 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