{"id":3927,"date":"2012-03-16T21:33:07","date_gmt":"2012-03-16T19:33:07","guid":{"rendered":"http:\/\/realvinylz.net\/?p=3927"},"modified":"2015-05-24T12:16:03","modified_gmt":"2015-05-24T10:16:03","slug":"ars-gratia-artis-part-iv","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/realvinylz.net\/?p=3927","title":{"rendered":"Ars Gratia Artis? \u2013 Part IV"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>F\u00fcr einen kreativen Umgang mit Original, Imitation, Copyright und Starsystem<\/p><\/blockquote>\n<p><a href=\"http:\/\/realvinylz.net\/?p=3924\"><strong>(Fortsetzung von Part III)<\/strong><\/a><\/p>\n<p>\n<strong>Erh\u00e4ngt den letzten Star an den Eingeweiden des letzten Originals<br \/>\n<\/strong><\/p>\n<p>Wer plant als Kulturproduzent_in ein anst\u00e4ndiges Leben zu f\u00fchren, sollte es von Anfang an ablehnen seine Arbeit umsonst anzubieten, auch wenn es eine stetig nachwachsende Armee von willigen Praktikant_innen gibt, die diese Lektion noch schmerzhaft lernen muss. Jede(r), der einem kommerziellen Provider ein Kulturprodukt umsonst \u00fcberl\u00e4sst, verschlechtert die eigene \u00f6konomische Situation, die Verhandlungsposition anderer Kulturproduzent_innen und den Tauschwert der Ware Kultur. Solange die Konzepte zur<a href=\"http:\/\/www.crosscommons.org\/acs.html\"> alternativen Kompensation von K\u00fcnstler_innen<\/a> noch in den Kinderschuhen stecken, ist die Kulturindustrie und ihr Copyright-System ein unvermeidbarer Verhandlungspartner. Trotzdem m\u00fcssen die Kulturproduzent_innen das Ideal einer sich frei und ungehindert entwickelnden Kultur nicht aufgeben. Es ist m\u00f6glich die Arbeit anderer als Grundlage f\u00fcr die eigene Produktion zu nutzen und trotzdem das Recht dieser auf ihr geistiges Eigentum zu respektieren.<br \/>\n<!--more--><br \/>\nDie Non-Profit Organisation <strong>Creative Commons<\/strong> bietet ein ganzes B\u00fcndel an alternativen Lizenzen f\u00fcr Kulturproduzent_innen. Ein Beispiel f\u00fcr eine Creative Commons basierte Community-Plattform ist <a href=\"http:\/\/www.jamendo.com\/de\/\">jamendo.com<\/a>, auf der Kulturproduzent_innen ihre Arbeiten zur nicht-kommerziellen Verwendung anbieten k\u00f6nnen und mit Hilfe diverser Software-Optionen Einnahmen erzielen k\u00f6nnen. Ein kostenloser Podcast kann beispielsweise die angebotenen Tracks ohne R\u00fccksprache verwenden, aber ein kommerzieller Dienstleister muss sich zuerst die Rechte sichern.<\/p>\n<blockquote><p>Die K\u00fcnstler entscheiden (\u2026) selbst, was mit ihrer Musik gemacht werden darf und unter welchen Bedingungen sie genutzt werden kann. <a href=\"http:\/\/www.jamendo.com\/de\/faq\">(Link)<\/a><\/p><\/blockquote>\n<p>\nF\u00fcr Gewerbetreibende die Jamendo f\u00fcr Hintergrundmusik nutzen wollen kostet ein Stream f\u00fcr 12 Monate bei einer Grundfl\u00e4che von unter 100 m\u00b2 96 Euro, ein vergleichbares Angebot bei der GEMA zwischen 206,52 und 371,76 Euro. <a href=\"http:\/\/netzwertig.com\/2009\/02\/05\/jamendo-gema-war-gestern\/\">(Link)<\/a><br \/>\nWer die kommerzielle Nutzung von vornherein erlaubt kann nat\u00fcrlich nicht mehr mit der Kulturindustrie verhandeln und wer die kommerzielle Nutzung untersagt macht sein Werk f\u00fcr lange Zeit anderen K\u00fcnstler_innen gegen\u00fcber (kommerziell) unzug\u00e4nglich. Dies entspricht streng genommen nicht dem Ideal einer gemeinbasierten Produktion. Der Begriff der Commons stammt urspr\u00fcnglich aus der Landwirtschaft und \u201eist jener Teil des Gemeindeverm\u00f6gens, der nicht unmittelbar im Interesse der ganzen Gemeinde zur Bestreitung derer Ausgaben verwandt wird, sondern an dem alle Gemeindemitglieder das Recht zur Nutzung haben\u201c (<a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Allmende\">Link<\/a>) und somit auch das Recht ihren Unterhalt damit zu verdienen.<\/p>\n<p>Will man die (kommerzielle) kreative Transformation und Verbreitung eines Werkes erlauben, ohne dass der\/die Lizenzinhaber_in explizit um Erlaubnis gefragt werden muss, empfiehlt sich z.B. die <a href=\"http:\/\/creativecommons.org\/licenses\/by\/3.0\">CC BY-Lizenz<\/a>. <\/p>\n<p>\nWie Mark Hosler, Mitglied der kalifornischen Band Negativland, in einem <a href=\"http:\/\/www.youtube.com\/watch?v=uy7fgfodly4\">YouTube-Video <\/a> darlegt, ist diese Lizenz jedoch nur die halbe Miete, da sie der Werbe- und Kulturindustrie T\u00fcr und Tor zur kostenlosen Verwendung kreativer Arbeit \u00f6ffnet:<\/p>\n<blockquote><p>(\u2026) we ended up coming up with an exception to the sampling license we wrote, which says that anyone can use anything (\u2026) except for advertising (\u2026) advertising maybe artistic \tand artful and creative, but it&#8217;s not art. It&#8217;s not free speech, advertising is paid speech (\u2026)<\/p><\/blockquote>\n<p>So entstand, in Zusammenarbeit mit Negativland, die <a href=\"http:\/\/creativecommons.org\/licenses\/sampling+\/1.0\/\">Sampling Plus-Lizenz<\/a> mit dem Zusatz: \u201eYou may not use this work to advertise for or promote anything but the work you create from it.\u201c<br \/>\nIch habe das f\u00fcr arte Creative produzierte Format <a href=\"http:\/\/www.collage-culturel.eu\">Collage culturel<\/a> gr\u00f6\u00dftenteils mit Tracks vertont die unter der Sampling Plus-Lizenz stehen. Das war mir m\u00f6glich, da die Lizenz es vorsieht, das entsprechende Werk f\u00fcr kreative Transformation kommerziell zu nutzen. Es w\u00e4re allerdings nicht m\u00f6glich eine blo\u00dfe Kopie dieses Werkes kommerziell zu vertreiben. (1)<\/p>\n<p>Auch Dmytri Kleiner, der aus den schlechten Erfahrungen mit dem Copyleft-Gedanken im Softwarebereich (2) gelernt hat, schl\u00e4gt einen marxistischen Twist f\u00fcr die Creative Commons vor:<\/p>\n<blockquote><p>(\u2026) a license cannot have a single set of terms for all users, but rather must have different rules for different classes. (\u2026) A copyfarleft license should make it possible for \tproducers to share freely and to retain the value of their labour product, in otherwords it must be possible for workers to make money by applying their own labour to mutual property, but impossible for owners of private property to make money using wage labour. (\u2026) A worker-owned printing cooperative could be free to reproduce, distribute, and modify the common stock as they like, but a privately owned publishing company would be prevented from having free access.<br \/>\n<a href=\"http:\/\/www.metamute.org\/en\/Copyfarleft-and-Copyjustright\">Dmytri Kleiner<\/a><\/p><\/blockquote>\n<p>\nDas k\u00f6nnte nat\u00fcrlich nur durch eine Community oder Kooperative geschehen, da sich \u201eprivate property\u201c Produzent_innen schlecht juristisch definieren lassen. Es br\u00e4uchte also eine Art \u201eanarchistische GEMA\u201c, die den Zugang und die Lizenzen f\u00fcr verschiedene Nutzer_innen selektiv regelt. Nat\u00fcrlich liegen die Probleme eines solchen Modells auf der Hand: Welche Nutzung, durch wen, ist \u201eentfremdet\u201c und welche nicht? Was geschieht, wenn eine Firma eine(n) Kulturproduzent_in als Agent_in beauftragt ein Copyfarleft-Original \u201enicht-entfremdet\u201c zu bearbeiten und danach an sie zu verkaufen? (3) <\/p>\n<p>\nVon diesen offensichtlichen Schw\u00e4chen abgesehen sind die <a href=\"http:\/\/p2pfoundation.net\/Peer_Production_License\">Copyfarleft<\/a>&#8211; und Sampling Plus-Lizenzmodelle meiner Ansicht nach am besten geeignet, den Schutz des geistigen Eigentums von Kulturproduzent_innen zu gew\u00e4hrleisten und gleichzeitig eine Kultur der kreativen Partizipation zu f\u00f6rdern.<br \/>\nNur mit diesen Modellen werden die produzierten Kulturressourcen f\u00fcr lohnabh\u00e4ngige Kolleg_innen in einem restriktiven System nutzbar gemacht. Gleichzeitig sollten Kulturproduzent_innen im gegenw\u00e4rtigen System auf sinnvollen und strikten Ma\u00dfnahmen zum Schutz des durch die Kulturindustrie kommerziell verwerteten geistigen Eigentums beharren. Auch der eigene Verzicht auf illegale Downloads dieser Werke geh\u00f6rt dann dazu.<br \/>\nWerden diese Lizenzmodelle optimiert, ernst genommen und konsequent genutzt, k\u00f6nnte es langfristig keine sch\u00f6pferische Leistung mehr geben, die f\u00fcr die Dauer des Urheberrechts (4) f\u00fcr die Nutzung durch lohnabh\u00e4ngige Kreative gesperrt ist und trotzdem w\u00e4re es f\u00fcr diese  immer wieder m\u00f6glich mit der Kulturindustrie auf Basis dieser Lizenz ins Gesch\u00e4ft zu kommen. (5)<\/p>\n<p><strong>Footnotes:<\/strong><\/p>\n<p>(1) Kurz nach Fertigstellung dieses Textes stellte ich fest, dass Creative Commons die Sampling Plus-Lizenz zum 12.09.2011 fallen lie\u00df. Die Begr\u00fcndung lautet vorerst diese Lizenz sei zu wenig nachgefragt und nicht kompatibel mit anderen CC-Lizenzen. Nachdem die DevNations-Lizenz, die Entwicklungsl\u00e4ndern einen Sonderstatus einr\u00e4umte, schon 2006 eingestellt wurde gibt es nun keine nutzerspezifischen Lizenzen mehr. Das Remixen kann zwar verboten, aber nicht als ausschlie\u00dfliche kommerzielle Nutzung erlaubt werden. Allerdings versicherte mir <a href=\"http:\/\/creativecommons.org\/weblog\/entry\/28874\">Mike Linksvayer von CC<\/a>, dass man die Sampling Plus-Lizenz trotzdem weiterhin nutzen k\u00f6nne.<br \/>\n(2) \u201eIf everyone is free to do what they want with the work, then one thing they can do with it in a society which has strong intellectual property laws is to claim it for themselves, appropriating all of the effort that has gone into the project.\u201c<br \/>\n<a href=\"http:\/\/www.freesoftwaremagazine.com\/books\/mihrfc\/rule_1_hold_on_loosely\">Terry Hancock: \u201eRule #1: Hold On Loosely&#8220; in: Free Software Magazine<\/a><br \/>\n(3) Mehr hierzu und zu den m\u00f6glichen Problemen von Copyfarleft auf <a href=\"http:\/\/knowfuture.wordpress.com\/2007\/11\/22\/copyfarleft-an-anarchist-gema\/\">http:\/\/knowfuture.wordpress.com\/2007\/11\/22\/copyfarleft-an-anarchist-gema\/<\/a><br \/>\n(4) Derzeit betr\u00e4gt diese Frist ca. 70 Jahre nach dem Tod eines ma\u00dfgeblichen Urhebers (siehe \u00a764ff UrhG)<br \/>\n(5) Eine marxistisch-wertkritische Anmerkung zur Copyfarleft-Lizenz hat Stefan Meretz auf <a href=\"http:\/\/www.keimform.de\/2007\/copyfarleft-eine-kritik\/\">http:\/\/www.keimform.de\/2007\/copyfarleft-eine-kritik\/<\/a> ver\u00f6ffentlicht, eine ausf\u00fchrliche Diskussion dazu gibt es hier: <a href=\"http:\/\/oekonux.org\/list-en\/archive\/msg04129.html\">http:\/\/oekonux.org\/list-en\/archive\/msg04129.html<\/a><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/creativecommons.org\/licenses\/sampling+\/1.0\/\"><strong>CC-Sampling Plus 1.0<\/strong><\/a><\/p>\n<p>(Zuerst erschienen in <a href=\"http:\/\/www.testcard.de\/titel\/1368\/testcard-21-ueberleben-pop-und-antipop-in-zeiten-des-weniger\">testcard #21 \u2013 \u00dcberleben<\/a>.)<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/realvinylz.net\/wp-content\/uploads\/tc21_rgb-202x300.jpg\" alt=\"Layout 1\" width=\"202\" height=\"300\" class=\"alignleft size-medium wp-image-4313\" srcset=\"https:\/\/realvinylz.net\/wp-content\/uploads\/tc21_rgb-202x300.jpg 202w, https:\/\/realvinylz.net\/wp-content\/uploads\/tc21_rgb.jpg 472w\" sizes=\"auto, (max-width: 202px) 100vw, 202px\" \/><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.amazon.de\/gp\/offer-listing\/3931555208\/ref=as_li_tl?ie=UTF8&#038;camp=1638&#038;creative=6742&#038;creativeASIN=3931555208&#038;linkCode=am2&#038;tag=realvinylz-21&#038;linkId=QS7AWGSJJUANC5TU\">testcard #21: \u00dcberleben. Pop und Anti-Pop in Zeiten des Weniger<\/a><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/ir-de.amazon-adsystem.com\/e\/ir?t=realvinylz-21&#038;l=am2&#038;o=3&#038;a=3931555208\" width=\"1\" height=\"1\" border=\"0\" alt=\"\" style=\"border:none !important; margin:0px !important;\" \/><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>F\u00fcr einen kreativen Umgang mit Original, Imitation, Copyright und Starsystem (Fortsetzung von Part III) Erh\u00e4ngt den letzten Star an den Eingeweiden des letzten Originals Wer plant als Kulturproduzent_in ein anst\u00e4ndiges Leben zu f\u00fchren, sollte es von Anfang an ablehnen seine Arbeit umsonst anzubieten, auch wenn es eine stetig nachwachsende Armee von willigen Praktikant_innen gibt, die [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1940,21,26],"tags":[1781,1780],"class_list":["post-3927","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-essay","category-politik","category-theorie","tag-ars-gratia-artis","tag-testcard"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/realvinylz.net\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/3927","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/realvinylz.net\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/realvinylz.net\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/realvinylz.net\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/realvinylz.net\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=3927"}],"version-history":[{"count":18,"href":"https:\/\/realvinylz.net\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/3927\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":6892,"href":"https:\/\/realvinylz.net\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/3927\/revisions\/6892"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/realvinylz.net\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=3927"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/realvinylz.net\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=3927"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/realvinylz.net\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=3927"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}