{"id":3957,"date":"2012-03-26T10:20:55","date_gmt":"2012-03-26T08:20:55","guid":{"rendered":"http:\/\/realvinylz.net\/?p=3957"},"modified":"2015-01-28T13:46:39","modified_gmt":"2015-01-28T11:46:39","slug":"wahre-worte-i","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/realvinylz.net\/?p=3957","title":{"rendered":"Wahre Worte (I)"},"content":{"rendered":"<p>Von Zeit zu Zeit sondert die &#8222;perverse Presse&#8220; doch ganz gute Gedanken ab. Um das zu w\u00fcrdigen zitiere ich von heute an gelegentlich gute und erhellende Artikel. Den Anfang macht ein Artikel von <strong>Verena Schmitt-Roschmann<\/strong> aus dem <a href=\"http:\/\/www.freitag.de\">freitag<\/a> vom 22.03.2012:<\/p>\n<p><p>\nDie Autorin untertitelt in &#8222;<a href=\"http:\/\/www.freitag.de\/politik\/1212-emp-rt-euch-nicht?searchterm=Emp%C3%B6rt+euch+nicht!\">Emp\u00f6rt euch nicht!<\/a>&#8222;:<\/p>\n<blockquote><p>&#8222;Das Wahlvolk sehnt sich nach Glaubw\u00fcrdigkeit in der Politik. Aber das ist die falsche Kategorie: Es geht um Richtungsentscheidungen&#8220;<\/p><\/blockquote>\n<p>Nach einer kurzen Einleitung mit konkretem Beispiel (damit sich der Leser das abstrakte Thema besser vorstellen kann) f\u00e4llt der entscheidende Satz:<\/p>\n<p>&#8222;Immer \u00f6fter \u00fcberdeckt die Personalisierung in der politischen Berichterstattung, die sich durchaus als Teil der Unterhaltungsindustrie verstehen darf (und eine unmittelbare Folge der Boulevardisierung auch von \u00f6ffentlich-rechtlicher Berichterstattung ist (Anm. d. V.)), die kleinteiligen und m\u00fchsamen Inhalte zwischen dem Europ\u00e4ischen Stabilit\u00e4tsmechanismus und dem morbidit\u00e4tsorientierten Risikostrukturausgleich.&#8220;<\/p>\n<blockquote><p>&#8222;Vertrauen&#8220; und &#8222;Authentizit\u00e4t&#8220; seien inzwischen f\u00fcr einen Politiker wichtigere Kategorien als &#8222;Kompetenz&#8220;, konstatierte der Emnid-Forscher Klaus-Peter Sch\u00f6ppner schon 2009.<\/p><\/blockquote>\n<p>Und dann nach weiteren Fallbeispielen:<\/p>\n<blockquote><p>&#8222;Es ist falsch anzunehmen, die Politiker machten es schon richtig, solange sie nur authentisch sind. Genauso falsch ist es zu suggerieren, Politik sei unterschiedslos &#8211; in ihren Inhalten wie in ihrem angeblich korrumpierbaren Personal.&#8220;<\/p><\/blockquote>\n<p>\nDem kann ich nur voll zustimmen. Ein anderes, ebenfalls erfrischend klarsichtiges Statement findet sich ausgerechnet im (Jugend)magazin der Bundeszentrale f\u00fcr politische Bildung <strong>bpd<\/strong>, dem <a href=\"http:\/\/www.fluter.de\/\">fluter.<\/a><\/p>\n<p>\nZu seinen Studien zu rechtsextremistischen Einstellungen in Deutschland befragt, <a href=\"http:\/\/www.fluter.de\/de\/109\/heft\/10266\/\">sagt der Sozialpsychologe <strong>Oliver Decker<\/strong> u.a. folgendes<\/a>:<\/p>\n<p>&#8222;Es gibt leider seit Jahrzehnten einen manifesten Antisemitismus in der Gesellschaft. Dass Juden aus der Vergangenheit des Dritten Reiches heute Vorteile ziehen oder nicht dazu beitragen, die Gesellschaft zu bereichern: Bei solchen Vorurteilen gibt es relativ gro\u00dfe Zustimmung. (&#8230;) Ich sehe nicht, dass Kritik an Israel nicht ge\u00e4u\u00dfert werden darf. Sie werden in der gesamten Presse von links nach rechts jede Menge Kritik an Israel finden (&#8230;).&#8220; <\/p>\n<blockquote><p>&#8222;Adorno hat das in den 50er-Jahren &#8222;Krypto-Antisemitismus&#8220; genannt &#8211; dass also der Antisemit in der Rolle des Verfechters demokratischer Werte auftritt, um sein Ressentiment zu verbreiten, das er dann mit den Worten &#8222;Das wird man ja wohl noch mal sagen d\u00fcrfen!&#8220; anmoderiert.&#8220;<\/p><\/blockquote>\n<p>&#8222;Die Chancenungleichheit ist ein Demokratiedefizit. Man kann sogar auf nationaler Ebene sehen, wie der Fetisch des Wirtschaftswachstums \u00fcber eine Entsolidarisierung zu weniger demokratischem Denken f\u00fchrt. In der Rede vom Standort schimmert kaum verdeckt eine Nationalstaatslogik durch, die alle unter ein gemeinsames Interesse sammelt, n\u00e4mlich das der wirtschaftlichen Prosperit\u00e4t. Das ist Nationalismus und eigentlich antidemokratisch.&#8220;<\/p>\n<blockquote><p>&#8222;Wir haben eine derartige Entpolitisierung in der Bev\u00f6lkerung, dass zum Beispiel ein Zusammenhang zwischen unserem Export\u00fcberschuss und der Krise anderer europ\u00e4ischer L\u00e4nder gar nicht gesehen wird. Stattdessen gibt es mittlerweile sogar Stimmen, die sagen, das Beste, was Griechenland passieren kann, ist eine Diktatur.&#8220;<\/p><\/blockquote>\n<p>Ja, solche Stimmen gibt es, auch in den Kreisen mir bekannter Personen mit akademischer Ausbildung. Aber sch\u00f6n, dass es mal jemand in einem staatlichen Organ sagen darf, auch wenn es nur im Gewand eines &#8222;Jugendmagazins&#8220; daherkommt. Das ganze Interview gibt es <a href=\"http:\/\/www.fluter.de\/de\/109\/heft\/10266\/\">hier<\/a>.<\/p>\n<p>Den <strong>fluter.<\/strong> kann man \u00fcbrigens kostenlos <a href=\"http:\/\/fluter.fs-medien.de\/\">abonnieren<\/a>. <\/p>\n<p>Und um abschliessend noch eine Lanze f\u00fcr die <a href=\"http:\/\/www.bpb.de\/\">bpd<\/a> zu brechen sei erw\u00e4hnt, dass diese schon 2009 den drittbesten Film \u00fcber Copyright, n\u00e4mlich <a href=\"http:\/\/www.goodcopybadcopy.net\/\">Good Copy Bad Copy<\/a>, herausgebracht hat. F\u00fcr eine Geb\u00fchr von 7 Euro kann die DVD, samt Dossier zum Urheberrecht, <a href=\"http:\/\/www.bpb.de\/shop\/multimedia\/dvd-cd\/33920\/good-copy-bad-copy\">hier<\/a> bestellt werden. Bliebe nur zu w\u00fcnschen, dass die zust\u00e4ndigen Abgeordneten die Organe der <strong>bpd<\/strong> auch selber studieren oder zumindest auf deren Erkenntnisstand operieren.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Zeit zu Zeit sondert die &#8222;perverse Presse&#8220; doch ganz gute Gedanken ab. Um das zu w\u00fcrdigen zitiere ich von heute an gelegentlich gute und erhellende Artikel. 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