{"id":3962,"date":"2012-04-19T10:24:39","date_gmt":"2012-04-19T08:24:39","guid":{"rendered":"http:\/\/realvinylz.net\/?p=3962"},"modified":"2015-05-24T11:52:52","modified_gmt":"2015-05-24T09:52:52","slug":"wahre-worte-ii","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/realvinylz.net\/?p=3962","title":{"rendered":"Artifical Scarcity In A World Of Overproduction: An Escape That Isn&#8217;t"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>Die <strong>Produktion von Innovation<\/strong> kann die <strong>Produktion von Wert<\/strong> nicht ersetzen.<\/p><\/blockquote>\n<p>Schon vor l\u00e4ngerer Zeit las ich ein Text des New Yorker Publizisten <a href=mailto:sander@verizon.net>Sander<\/a> mit dem Titel &#8222;Artificial Scarcity In An World of Overproduction&#8220;. Dort besch\u00e4ftigt sich <strong>Sander<\/strong> mit den Gr\u00fcnden f\u00fcr die k\u00fcnstliche Verknappung von immateriellen G\u00fctern wie Patenten, Software und Musik, die u.a. durch das Copyright und Marken- bzw. Patentschutzrechte betrieben wird. Da ich mit den von <a href=\"http:\/\/realvinylz.net\/?p=2412\">Cory Doctorow in diesem Interview<\/a> ge\u00e4u\u00dferten Thesen \u00fcbereinstimme, was die Relevanz der Copyright-Problematik im gesamtgesellschaftlichen Zusammenhang angeht, m\u00f6chte ich die Grundz\u00fcge von Sanders Text hier wiedergeben. Der Originaltext findet sich <a href=\"http:\/\/www.metamute.org\/editorial\/articles\/artificial-scarcity-world-overproduction-escape-isnt\">hier<\/a>.<\/p>\n<p>Sander erkl\u00e4rt uns warum die k\u00fcnstliche Verknappung von \u2013 vor allem immateriellen \u2013 G\u00fctern keine L\u00f6sung f\u00fcr den krisengesch\u00fcttelten Kapitalismus sei: Die Produktion von Innovation k\u00f6nne die Produktion von Wert nicht ersetzen.<\/p>\n<p>\nEs sei, beginnt Sander seine Analyse, prinzipiell nicht einfach in einer Welt der \u00dcberproduktion einen Profit zu generieren. Kapitalismus sei unter den Bedingungen der Knappheit geboren worden und somit nicht in der Lage au\u00dferhalb dieser Knappheit der G\u00fcter zu funktionieren. So erscheine es nur logisch die Knappheit k\u00fcnstlich (wieder-)herzustellen. Aber hilft das der globalen \u00d6konomie aus der gegenw\u00e4rtigen Zwickm\u00fchle?<br \/>\n<!--more--><br \/>\nAls es nur darum ging eine \u00f6konomische Blase nach der anderen (z.B. dot.com, housing market, car industry) platzen zu sehen, sprach man davon wie man solche Blasen in Zukunft verhindern k\u00f6nne. Dies sei, schreibt Sander, so als wenn man nur die Hautl\u00e4sionen eines AIDS-Patienten behandele, statt die Krankheit selbst. Mittlerweile sind ganze Staats\u00f6konomien implodierende Blasen. Die spezifischen Gr\u00fcnde, warum mal die eine, mal die andere Blase platze, seien zwar vielf\u00e4ltig, erkl\u00e4rten aber nicht das generelle Ph\u00e4nomen. <\/p>\n<p>\nDas grundlegende Problem, so Sander, sei die Notwendigkeit auf zuk\u00fcnftige Profite zu setzen, da die gegenw\u00e4rtigen Profite den Anspr\u00fcchen der Kapitaleigner nicht mehr gen\u00fcgen. Die Schuldenkrise eskaliere und obwohl dies keine lineare Entwicklung sei, wisse eigentlich jeder, dass die Antikrisenrezepte der diversen Regierungen nur den totalen Zusammenbruch verhindern sollen, bis die \u00d6konomie umstrukturiert worden ist.<\/p>\n<blockquote><p>Aber wie soll die \u00d6konomie umstrukturiert werden? Sparma\u00dfnahmen k\u00f6nnen das Problem nicht l\u00f6sen.<\/p><\/blockquote>\n<p>\n<p>Konsumenten, Arbeiter, Firmen und Regierungen m\u00fcssten laut Sander weniger ausgeben um k\u00fcnftige Zahlungen zu leisten, damit der Wert von existierendem Kapital nicht kollabiere. Gleichzeitig w\u00fcrden diese Sparma\u00dfnahmen aber unweigerlich die Nachfrage einschr\u00e4nken und die \u00dcberkapazit\u00e4ten wachsen lassen. Dadurch verringern sich die Gelegenheiten f\u00fcr produktives Investment. Dieser Trend treibe die Kapitaleigner wiederrum zu spekulativen Investmentformen &#8211; neue Blasen die neue \u00f6konomische Schocks kreiieren werden. Die Regierungen w\u00fcrden zu einer widerspr\u00fcchlichen Politik getrieben: Die Sparma\u00dfnahmen unterminieren den Aufschwung und die spekulativen Investments f\u00fcr den wirtschaftlichen Aufschwung schaffen neue Schulden, die neue Sparma\u00dfnahmen nach sich ziehen. Gibt es einen Ausweg aus diesem Dilemma?<\/p>\n<blockquote><p>\u00bbThere is none, as far as I can see; at least none that avoids a steep devalorisation of capital, with devastating consequences for the reproduction of society.\u00ab<br \/>\n<strong>Sander<\/strong><\/p><\/blockquote>\n<p>\n<p>Da die Warenproduzenten und ihre politischen Claqueure die Entwertung des Kapitals nicht w\u00fcnschen k\u00f6nnen, haben sie Sander zufolge drei strategische Optionen:<\/p>\n<p>\n&#8211; Sie steigern die Profite durch eine Senkung der L\u00f6hne. Dies bedeute eine Intensivierung der Globalisierung um die Arbeitskraft zu einer Ware im \u00dcberflu\u00df zu machen. Solange es Arbeiter im \u00dcberflu\u00df g\u00e4be, sei dieser Weg offen, es sei denn die Arbeiter weigerten sich  zu einer entwerteten Ware gemacht zu werden (Stichwort Klassenkampf).<\/p>\n<p>&#8211; Sie entledigen sich des \u00fcberfl\u00fcssigen konstanten und variablen Kapitals, d.h. sie schlie\u00dfen unn\u00f6tige Fabriken, verkaufen Maschinen und entlassen Arbeiter.<\/p>\n<p>&#8211; Sie erh\u00f6hen Profite durch die Erzeugung <strong>k\u00fcnstlicher Verknappung<\/strong><\/p>\n<p>Wie sorgt man aber f\u00fcr Verknappung in einer Welt der \u00dcberproduktion? Sander zitiert hier den Blogger <a href=\"http:\/\/gapingvoid.com\/\">Hugh MacLeod<\/a>:<\/p>\n<p>\u00bbFor every mid-level managing job opening up, there&#8217;s scores of people willing and able. For every company needing to hire an ad agency or design firm, there&#8217;s dozens out there, willing and able. For every person wanting to buy a new car, there&#8217;s tons of car makers and dealers out there. I could go on and on. I could also go on about how many good people I know who are caught in oversupplied markets, and how every day they wake up, feeling chilled to the bone with dread and unease. So maybe the thing is to get into \u2018The Tao of Undersupply&#8216;. If only 100 people want to buy your widgets, then just make 90 widgets. If only 1000, make 900. If only 10 million, make 9 million. It isn&#8217;t rocket science, but it takes discipline.\u00ab<\/p>\n<blockquote><p>Mehr als Disziplin, meint Sander. Das Problem mit MacLeods Strategie sei, dass Kapital jede Marktl\u00fccke f\u00fcllen werde.<\/p><\/blockquote>\n<p>\nWenn der eine beispielsweise keine Widgets macht, macht es ein anderer, es sei denn er wird daran gehindert. Dies kann etwa durch Mechanismen geschehen die den Konkurrenten aus dem Markt halten (z.B. riesige Werbebudgets) oder durch Patente.<\/p>\n<p>\nAbseits der klassischen Mono- und Oligopolen und dem Protektionismus sei die Kommodifikation (also die warenf\u00f6rmige Verpackung) des Wissen die typische Strategie unserer Zeit:<\/p>\n<blockquote><p>\u00bbWhen Apple recently introduced its iPad, the newness was more than a perception but the same mechanism applies. As the exclusive seller of this product, Apple is able to command a price far above what it costs to make the product in its factories in China. Nobody else can make an iPad. Its production is protected by patents.\u00ab<\/p><\/blockquote>\n<p>Die Suche nach k\u00fcnstlich verknappbaren G\u00fctern sei, so Sander weiter, sowohl der Grund f\u00fcr als auch das Ergebnis des gro\u00dfen Wachstums im IT- und Biotechnologiesektor und \u00e4hnlichen wissensbasierten Sektoren. Die Anmeldung von Neupatenten explodierte in den 80er-Jahren.<\/p>\n<blockquote><p><strong>Intellectual Property<\/strong> ist das \u00d6l des 21. Jahrhunderts!<\/strong><\/p><\/blockquote>\n<p><p>\nZwei Millionen Patente w\u00fcrden jedes Jahr neu angemeldet: Nutzungs-, Entwicklungs- und Verkaufsrechte f\u00fcr Technologie, Programme, Produkte, Recherchemethoden, Produktionsverfahren, Ger\u00fcche, Farben und sogar Genabschnitte. Dabei dauerten diese Patente im Schnitt 20 Jahre, obwohl eine Firma nur circa drei Jahre br\u00e4uchte um die Entwicklungskosten wieder einzuspielen. Wohlgemerkt seien diese Patente kein Ergebnis der Knappheit von G\u00fctern, sondern genau das Gegenteil: Ein Mittel zur k\u00fcnstlichen Verknappung von G\u00fctern.<\/p>\n<p><strong>Microsoft<\/strong> erkl\u00e4rte 2004, dass sie 3.000 neue Patente pro Jahr anmelden wollen und <strong>Toyota<\/strong> hat allein f\u00fcr den <a href=\"http:\/\/www.toyota.com\/prius-hybrid\/\">Prius<\/a> 2.000 Patente. Ein klares Ziel: Kein anderer soll Hybridmotoren entwickeln ohne heftige Preise an <strong>Toyota<\/strong> zu zahlen.<\/p>\n<p>Sander zufolge brauche es eine Armee von Researchern und Anw\u00e4lte um diese k\u00fcnstliche Knappheit gewaltsam durchzusetzen (vgl. die Abmahnpraxis von Musikanw\u00e4lten), denn diese sei unter st\u00e4ndiger Bedrohung: Wissen sei nunmal von Natur aus kommunikativ und vernetzt. <strong>Everything Is A Remix!<\/strong><\/p>\n<p>\n<blockquote><p>Im Zentrum der \u00d6konomie die auf k\u00fcnstlicher Knappheit basiert, steht die IT-Branche. Da es fast nichts kostet digitale (oder immaterielle) G\u00fcter zu reproduzieren geht ihr Tauschwert gegen Null.<\/p><\/blockquote>\n<p>\nSie seien de facto im \u00dcberfluss vorhanden und m\u00fcssten daher durch k\u00fcnstliche Einschr\u00e4nkungen vor einer freien Preisentwicklung gesch\u00fctzt werden. Das Problem sei dabei, dass die Arbeitszeit die es braucht das Produkt herzustellen immer weniger w\u00fcrde. Zwar sei die Produktentwicklung relativ kostspielig, aber eben nichts gegen die Herstellung von normalen G\u00fctern. Diese Form von k\u00fcnstlicher Knappheit sauge den Profit aus den Taschen der Kunden ohne ihrerseits Mehrwert zu erzeugen.<br \/>\nDas sei nat\u00fcrlich fatal f\u00fcr die globale \u00d6konomie: Eine Wirtschaft die auf k\u00fcnstlich erzeugter Knappheit basiere funktioniere nicht in einer Parallelwelt, quasi abgekoppelt von der Krise. Der Rest der \u00d6konomie w\u00fcrde durch so eine Vorgehensweise enorm belastet. Der Profit einer k\u00fcnstlich verknappten Wirtschaft basiere auf der F\u00e4higkeit der anderen Sektoren noch mehr Wert zu erzeugen. <\/p>\n<p>\nDas dies nicht gut funktioniert, sieht man, wenn man die Zeitung aufschl\u00e4gt. Die n\u00e4chste Blase in diesem System ist vorprogrammiert.<\/p>\n<p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Produktion von Innovation kann die Produktion von Wert nicht ersetzen. 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