{"id":4771,"date":"2006-04-29T12:55:38","date_gmt":"2006-04-29T10:55:38","guid":{"rendered":"http:\/\/realvinylz.net\/?p=4771"},"modified":"2015-06-07T16:07:53","modified_gmt":"2015-06-07T14:07:53","slug":"marokko-2006-tag-5-bis-8","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/realvinylz.net\/?p=4771","title":{"rendered":"Von K\u00f6ln nach Merzouga (und zur\u00fcck) &#8211; Tag 5 bis 8"},"content":{"rendered":"<p><strong>Tag 5 bis 7<\/strong><\/p>\n<p>Kurz bevor wir in Martil aufbrachen erz\u00e4hlte mir Mustafa noch, dass am Strand das Milit\u00e4r Streife geht, um die Fischer davon<br \/>\nabzuhalten mit ihren Booten einfach nach Spanien abzud\u00fcsen. F\u00fcr seine Gesellschaft bat er um eine Flasche Rotwein und eine weitere Fortuna, um sie dann in sein Zimmerchen mitzunehmen und zu verstecken. Wir fuhren eine Serpentinenstrasse entlang nach <strong>Et Tetla de Oued Laou<\/strong> auf einen weiteren Campingplatz. In einem Restaurant bekamen wir unglaubliche Mengen frittierter Calamari und Scampi mit Fritten und wurden unsere Meinung nach beim Preis total beschissen. Am Strand lernte ich einen neuen Mustafa (sic!) kennen, der ununterbrochen Kif rauchte und die Vorteile von Kif und Haschisch aus dem Rif-Gebirge pries. Da wir alle clean sind, interessierte uns das Verkaufsgespr\u00e4ch nicht, und wir schauten den Fischern bei ihrem merkw\u00fcrdigen Treiben zu. Dann ab ins Auto und weiter nach F\u00e8s \u00fcber die Gebirgsstadt <strong>Chefchaouen<\/strong>. <\/p>\n<blockquote><p>Hier scheinen alle Marokkaner aus der Kyffh\u00e4userstrasse in K\u00f6ln geboren zu sein. Wir  bekamen circa 25 mal frisches Haschisch oder Kif angeboten &#8230; Netter Ort!<\/p><\/blockquote>\n<p>Da wir aber auf Extrem-Sightseeing-Tour sind &#8211; im vierten Gang durch Marokko (!!!) &#8211; fahren wir wie die Irren weiter nach Ouezzane und dann auf eine von Erika D\u00e4rr &#8211; dazu sp\u00e4ter &#8211; und Stefan favorisierte &#8222;Erlebnisstra\u00dfe&#8220; mit Stausee, wo man laut Stefan baden k\u00f6nnen soll. Die abgewrackte Ger\u00f6llpiste spottete jeder Beschreibung. Wir vergurkten uns total auf Strassen die nicht mal unsere ultragenaue Karte kannte und die GPS-Koordinaten brachten uns au\u00dfer einem wilden Zahlenwirrwarr auch nicht weiter. Es wurde dunkel und wir kamen in einen Ort, der gleichzeitig eine Sackgasse war. Pl\u00f6tzlich tauchte ein Sammy-Davis-Jr. Marokkaner auf und fragte auf Franz\u00f6sisch wo wir hinwollen. Eine Sekunde sp\u00e4ter standen 45 Marokkaner aus drei Generationen um den Bus rum, die mit Brocken Deutsch, Englisch, Arabisch und Franz\u00f6sisch auf uns einlaberten. \u00dcberall an den Fenstern tauchten grinsende Gesichter auf und ich kriegte im Busheck voll den Affen. <\/p>\n<blockquote><p>Ich dachte gerade: &#8222;Gleich grillen die uns auf dem Dorfplatz!&#8220;, als ich h\u00f6re wie Guido mit Sammy-Davis-Jr. ausmacht, dass wir bei ihm schlafen k\u00f6nnen.<\/p><\/blockquote>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Ich schrie ihn an weiterzufahren, wohl ein kleiner Hardcore-Kulturschock, aber man kann sich kaum vorstellen wie 45 Marokkaner im Dunkeln im Rif-Gebirge wirken. Nach viel &#8222;Salam!&#8220; und &#8222;Ouacha!&#8220; und &#8222;Au revoir!&#8220; fuhren wir endlich weiter durch dunkle Pfade. Als wir ein paar saufende Maroks an einem Mercedes &#8211; ein Fahrzeug zu dem die Marokkaner ein fetischistisches Verh\u00e4ltnis haben &#8211; am Wegesrand sahen, stellten wir uns ein paar Meter weiter dazu.<\/p>\n<p>Am n\u00e4chsten Morgen weckten uns ein paar K\u00fche und Hirten und wir fuhren weiter. Der &#8222;idyllische&#8220; Stausee war nat\u00fcrlich vom Milit\u00e4r bewacht, was Stefan &#8222;vergessen&#8220; hatte zu erw\u00e4hnen. \u00dcber eine Buckelpiste tasteten wir uns schlie\u00dflich an F\u00e8s heran. In Spanien hatte wir Bonbons und Weingummi f\u00fcr die &#8222;P\u00e4nz&#8220; gekauft, die wir nun an die Kinder verteilten, die uns beim Fr\u00fchstueck neugierig und \u00e4ngstlich be\u00e4ugten. Diese schienen \u00fcber eine Art telepathisches Fernmeldesystem zu verf\u00fcgen, denn aus jedem Grashalm scho\u00df ein s\u00fc\u00dfes Kindergesicht &#8211; halb in gef\u00e4lschten Markenprodukten, halb in Trachten gewandet &#8211; hervor. <\/p>\n<blockquote><p>Ich verteilte &#8222;Kamelle&#8220; und als sie zu gierig wurden rief ich: &#8222;Der Prinz k\u00fctt!&#8220; und die Kinder zuckten zusammen und nahmen rei\u00dfaus. So wirkt K\u00f6lsch auf Marokkanerkinder.<\/p><\/blockquote>\n<p>Die Strasse wurde besser und wir erreichten &#8211; nicht ohne den einen oder anderen Nervenzusammenbruch &#8211; tats\u00e4chlich <strong>F\u00e8s<\/strong>, den Campingplatz <strong>Diamant Vert<\/strong> und haben nun einen Pool. Morgen gehts in die riesige und laut Daniel C. wundersch\u00f6ne Medina von F\u00e8s. <\/p>\n<p>Erika D\u00e4rr ist \u00fcbrigens die Autorin unseres Standardreisef\u00fchrers und jeder deutsche &#8222;Marokko-Kenner&#8220; den wir bisher trafen, kannte &#8222;Erika&#8220; angeblich pers\u00f6nlich, da alle sie im vertraut-tuenden Stil mit Vornamen nannten. Guido ging absichtlich nicht auf das Name-Dropping ein und auch ich versuchte die Traveller-Schnalle &#8211; die &#8222;den Mick&#8220; &#8211; ja, Mick Jagger &#8211; in der &#8222;geilen Location&#8220; Agadir getroffen hat und &#8222;Erikas&#8220; Reisef\u00fchrer kritisierte &#8211; so gut wie m\u00f6glich zu ignorieren. Deutsche Traveller, ein Volk f\u00fcr sich!<\/p>\n<p><strong>Tag 8<\/strong><\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/realvinylz.net\/wp-content\/uploads\/2002-01-25-480.jpg\" alt=\"2002-01-25-480\" width=\"480\" height=\"325\" class=\"aligncenter size-full wp-image-4773\" srcset=\"https:\/\/realvinylz.net\/wp-content\/uploads\/2002-01-25-480.jpg 480w, https:\/\/realvinylz.net\/wp-content\/uploads\/2002-01-25-480-300x203.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 480px) 100vw, 480px\" \/><\/p>\n<p>Als ich gestern aus dem Internetcaf\u00e9 herauskam, bettelte gerade ein agressiver Junge Guido und Stefan an und pl\u00f6tzlich tauchte ein alter Mann mit einem Stock auf und schlug dem Kind volle M\u00f6hre auf den Arsch! Au\u00dferdem fuhren \u00fcberall Guides mit Rollern rum, die Bettler und Schnorrer verjagten. Marokko lebt von zwei Dingen: agriculture et tourisme. Der K\u00f6nig von Marokko hat daher die Direktive herausgegeben die Touristen gut zu behandeln, da sie Geld ins Land bringen &#8230; Au\u00dferdem sind wir Deutschen wegen drei Dingen sehr beliebt in Marokko: Eine Sache hat mit einem wenig ruhmreichen Kapitel unserer Geschichte zu tun, die Zweite ist der Mercedes Benz und die Dritte die Tatsache, dass wir den &#8222;Coup du Monde&#8220; austragen.<\/p>\n<blockquote><p>Heute morgen bin ich fr\u00fch aufgestanden um im Pool zu schwimmen und die leichte Lekt\u00fcre &#8222;Quantenphysik fuer Anf\u00e4nger&#8220; zu lesen, die Guido mitgenommen hatte. Zwischen der Heisenbergschen Unsch\u00e4rferelation und dem Doppelspaltexperiment mit Photonen, briet ich in der Morgensonne.<\/p><\/blockquote>\n<p>Um 10:30 Uhr wartete unser inoffizieller Medina-Guide auf uns. Wir besichtigten eine Keramikfabrik und die Medina von <strong>F\u00e8s<\/strong>, in der \u00fcberall gehandelt wird. Das interessierte mich pers\u00f6nlich \u00fcberhaupt nicht, da ich mir vorkam wie in einem Einkaufszentrum &#8211; nur anders. Ich hatte mir die Medina und die Koranschulen irgendwie anders vorgestellt &#8230; Interessant fand ich aber den Fakt, das einige T\u00fcren zwei T\u00fcrklopfer haben. Da manche Marokkaner zwei Frauen haben, gibt es diese Dinger. Freunde und Verwandten die eine bestimmte Frau plus Anhang sehen wollen, suchen sich den entsprechenden Klopfer aus. Das erspart viele Missverst\u00e4ndnisse und w\u00e4re meines Erachtens ein lohnenswerter Import aus dem Islam.<\/p>\n<p>Ein weniger sch\u00f6ner Import w\u00e4re der inoffizielle Touristenguide, der zwar sehr nett war, aber pl\u00f6tzlich von der Gendarmerie durch die Stadt gejagt wurde, da er keine Lizenz hatte. <\/p>\n<blockquote><p>Es begann ein wildes Katz-und-Maus-Spiel mit offziellen F\u00fchrern, Ladenbesitzern, Gendarmerie, uns und dem Guide, das jeder Louis-de-Funes-Klamotte das Wasser reichen konnte.<\/p><\/blockquote>\n<p>Immer wieder sperrten zwei oder drei Walkie-Talkie-Tr\u00e4ger das Gebiet ab, unser Guide verschwand und tauchte an anderer Stelle wieder auf. Nach dem dritten Mal gaben wir ihm 70 Dirham &#8211; statt den vereinbarten 120 &#8211; und verzogen uns. Zumindest wollten wir das, aber man kann sich als Anf\u00e4nger wirklich nicht in der Medina von F\u00e8s alleine zurecht finden. Es gleicht viel mehr einem wilden Spiessrutenlauf mit Ladenbesitzern, selbsternannten Guides und Kindern, die eine zu einem &#8222;petit taxi&#8220; bringen wollen. Ich verlor v\u00f6llig die Nerven und nach einer Stunde wilden Herumgerenne fanden wir ein Kind, dass uns zu einem Taxistand brachte. Guido und Stefan hatten immer noch nicht genug und sind zu dieser Stunde wieder im Labyrinth des Minotaurus verschwunden. Und zwar ohne Ariadnefaden! Ich schreibe diese Zeilen aus einem kleinen Internetcaf\u00e9 und werde gleich sehen das ich zum Campingplatz komme. Heute abend oder morgen folgt der zweite Versuch in F\u00e8s &#8230; Wenn ich Guido und Stefan jemals wiedersehen sollte &#8230; <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Tag 5 bis 7 Kurz bevor wir in Martil aufbrachen erz\u00e4hlte mir Mustafa noch, dass am Strand das Milit\u00e4r Streife geht, um die Fischer davon abzuhalten mit ihren Booten einfach nach Spanien abzud\u00fcsen. 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