{"id":4779,"date":"2006-05-09T13:40:49","date_gmt":"2006-05-09T11:40:49","guid":{"rendered":"http:\/\/realvinylz.net\/?p=4779"},"modified":"2015-06-07T16:14:41","modified_gmt":"2015-06-07T14:14:41","slug":"marokko-2006-tag-14-bis-18","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/realvinylz.net\/?p=4779","title":{"rendered":"Von K\u00f6ln nach Merzouga (und zur\u00fcck) &#8211; Tag 14 bis 18"},"content":{"rendered":"<p><strong>Tag 14 und 15<\/strong><\/p>\n<p>Aus <strong>Merzouga<\/strong> brachen wir &#8222;fr\u00fch&#8220; morgens auf, in die sogenannten &#8222;G\u00e4hn&#8220;-Schluchten &#8222;Gorges du Todra&#8220; und &#8222;Gorges du Dades&#8220;. Die Todra-Schlucht ist ein Naturschauspiel, dass gew\u00f6hnliche Touristen nur bis zur &#8222;antiken&#8220; Souvenirstrasse zu sehen bekommen. Dort halten die Busse und man bekommt Kostbarkeiten wie z.B. Teppiche, Fossilien und Mineralien angeboten. Eine fotografierende Frau mittleren Alters will mitten auf der Strasse fotografieren, was von Guido  mit den Worten: &#8222;Dann lassen wa die Alte mal sch\u00f6n ihr Foto machen&#8220; kommentiert wird. Nur bl\u00f6d, dass es eine Deutsche war &#8230; <\/p>\n<p>Auf der weiteren Fahrt die Schlucht hinauf l\u00e4uft in unserem MP3-Gewerke der Track &#8222;Can U Feel It?&#8220; mit der gesampelten Stimme von Chuck Roberts &#8230; Daraufhin entspannt sich folgender Dialog:<br \/>\nGuido: &#8222;Was SINGT der da? I had a dream?&#8220;<br \/>\nStefan: &#8222;Das ist doch die Rede von dem Neger!&#8220;<br \/>\nGudio: &#8222;Mohammed Ali!&#8220;<br \/>\nIch: &#8222;Wenn schon Martin Luther King!&#8220;<br \/>\nStefan: &#8222;Ja, ich war noch nie so gut in Geografie &#8230;&#8220;*<br \/>\nDaran mag der geneigte Leser das intellektuelle Niveau erkennen, welches unsere Gruppe inzwischen erreicht hat &#8230;<\/p>\n<p>Abends erreichten wir das Ende der Teerstrasse in der Todra-Schlucht und entschlossen uns &#8211; nach einem Blick auf die Schotterpiste &#8211; umzukehren. <\/p>\n<blockquote><p>Nat\u00fcrlich gab es einen Berber, der die geniale Gesch\u00e4ftsidee hatte, am Ende der Teerstrasse eine Herberge zu bauen. Der Junge der dort arbeitet heisst Larsin, ist Zwanzig und bewacht einsam und allein mit seinem Hund Linda die Auberge mit Minimalkomfort.<\/p><\/blockquote>\n<p><!--more--><br \/>\nEr ist so unaufdringlich, dass wir ihn fast dazu \u00fcberreden m\u00fcssen Stefan ein Omelett zu machen. Larsin lernt Franz\u00f6sisch aus einem Arabischen W\u00f6rterbuch, in dem ein Ingenieur ein Mann ist, der K\u00fcnstler bei der Arbeit beaufsichtigt, und dementsprechend sind seine Sprachkenntnisse. Nach langem Hin und Her erkl\u00e4rt er uns, dass Marokko beim Coup du Monde gegen Libyen, Angola und Mauretanien spielen muss. Komische Gruppe!? Wir killen zwei Flaschen Wein und legen uns ab. In der Nacht weckt mich Guido auf, weil Linda wie bescheuert bellt und er jemanden geh\u00f6rt hat, der sich am Bus zu schaffen macht. Es fehlt aber nix.<br \/>\nMorgens taucht der Bruder von Larsin auf, inspiziert zuerst die Setzlinge an der kargen Lehmmauer und n\u00e4hert sich dann in einer spiralf\u00f6rmigen Umlaufbahn unserem Fr\u00fchst\u00fcckstisch. Er hat Bauchschmerzen und will Tabletten &#8211; wir haben kein. Als Larsin einen Stein auf Linda schmeissen will, stoppt ihn Guido und nach vielem &#8222;Basslema&#8220; und &#8222;Chougrane&#8220; geht es weiter. Auf dem Weg aus der Schlucht nehmen wir eine bildh\u00fcbsche marokkanische Lehrerin &#8211; Mitte Zwanzig &#8211; mit, die leider schon verheiratet ist. Nein, ihren Mann hat sich nicht auf der Uni kennengelernt &#8211; wie ich Idiot frage &#8211; sondern ihre Familie hat die Hochzeit arrangiert&#8230; Sowas! Sie tr\u00e4umt von einem Aufenthalt in Marseille und ist \u00fcberhaupt entz\u00fcckend.<br \/>\nIn Tinerhir angekommen, k\u00fchlt sich ihre Freundlichkeit auf unter Null ab, als der erste Araber auftaucht. Schnell verabschiedet sie sich und verschwindet, nachdem sie Guido einen Teeladen gezeigt hat. <\/p>\n<blockquote><p>Ein Schlepper taucht auf, erz\u00e4hlt was von einem Berberfrauenmarkt und bringt uns zu einer Berberfamilie, die uns ganz uneigenn\u00fctzig zum Tee einl\u00e4dt. Ich rieche den Braten, bleibe trotz mehrfacher Aufforderung vor der T\u00fcr und der Schlepper fragt Stefan ob ich ein Rassist sei!!!<\/p><\/blockquote>\n<p>Ich gehe zur\u00fcck zum Bus. Nat\u00fcrlich gab es fuer Stefan und Guido &#8222;Whisky Berber&#8220; und Teppiche en masse. Viele Marokkaner l\u00fcgen wie gedruckt, erz\u00e4hlen einem alles was man h\u00f6ren will und schleppen einen dann in Teppich-Boutiquen. Weiter gehts zur Dades-Schlucht, wo wir anfangen Taxi zu spielen, teilweise sitzen wir zu siebt im Bus, mit Opa und Oma, einem Stinke-Berber-Bauer und einer Kopftuch-Tussi, die ausgerechnet nach &#8222;Simply Irresistible&#8220; duftet. Erwischt! <\/p>\n<p>Alle Mitfahrer fordern bestimmt wo man hinfahren muss, und der Opa will tats\u00e4chlich nicht nach <strong>Boulmane-du-Dades<\/strong>, wie angenommen, sondern ins 124 km entfernte Ouarzazate. Wir schmeissen ihn und seine Oma in <strong>El-Kelaa-des-Mougna<\/strong> raus, wo es ohnehin nicht weitergeht, da gerade Rosenfest ist.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/realvinylz.net\/wp-content\/uploads\/2303-marokko-bla.jpg\" alt=\"2303-marokko-bla\" width=\"480\" height=\"640\" class=\"aligncenter size-full wp-image-4786\" srcset=\"https:\/\/realvinylz.net\/wp-content\/uploads\/2303-marokko-bla.jpg 480w, https:\/\/realvinylz.net\/wp-content\/uploads\/2303-marokko-bla-225x300.jpg 225w\" sizes=\"auto, (max-width: 480px) 100vw, 480px\" \/><\/p>\n<blockquote><p>Auf den Strassen tobt das Leben, \u00fcberall aus Telefonh\u00f6rern und Megaphonen gebastelte Sprechanlagen und \u00fcberhaupt klingt hier alles nach billigen Reggea-Soundsystem-Effekten. Ein Maroc hat sich aus einem Newtonmeter und drei 9V-Bl\u00f6cken eine Mischung zwischen einem &#8222;Elektrisieren ist gesund!&#8220; und &#8222;Teste deine Kraft!&#8220;-Teil gebaut und scheffelt Dirhams.<\/p><\/blockquote>\n<p>In einem kleinen Stadion tritt eine Art &#8222;Scorpions von Marokko&#8220;-Band auf, mit Balladen und Softrock. .. Igitt! Sowieso ein dr\u00f6ges Fest, kein Alkohol, fast ausschliesslich M\u00e4nner und \u00fcberall Milit\u00e4r und k\u00f6nigliche Gendarmerie. Als ich mich gerade dar\u00fcber aufrege, dass die Marokkos einfach keine Subkultur haben, entdecken wir ein Breakdance-Pit, wo junge Marokkaner zu laffen Breakbeats wirklich gute Moves vorweisen k\u00f6nnen. Wir sind in unserem Element. Auf der Suche nach einem Schlafplatz stellen wir fest, das der R\u00fcckw\u00e4rtsgang im Arsch ist, was das Rumkurven in dunklen Gassen nicht unbedingt einfacher macht. In einer halb verfallenen Kasbah parken wir und genehmigen uns ein paar marokkanische Bier &#8230; <\/p>\n<p><strong>Tag 16 bis 18<\/strong><\/p>\n<p>Die verfallen Kasbah war letztendlich doch nicht so zerfallen und nach guter alter Wildcampen-Tradition steht morgens ein supers\u00fc\u00fc\u00fc\u00fc\u00fc\u00fc\u00fc\u00fc\u00fc\u00fcsses kleines M\u00e4dchen vor unserem Bus, traut sich kaum den Trotzkopf zu heben und bekommt von mir einen Stift, Kekse, Bonbons und ein St\u00fcck Seife. Da wir endlich zum Meer wollen bzw. hoffen in Ouarzazate einen Mechaniker f\u00fcr unsere schrotte &#8222;changement de vittesse&#8220; zu finden, heizen wir wie die Irren in westlicher Richtung durch Marokko. In Ouarzazate haben alle Mechaniker zu, schliesslich ist Sonntag. Ein Guardien bietet an, uns zum Haus des Mechanikers zu bringen. Dieser ist nicht Zuhause sondern in der Innenstadt, weswegen wir dorthin fahren und auch niemanden finden. <\/p>\n<blockquote><p>Ebendort erz\u00e4hlt mir ein Marokkaner, der gerade zwei Italienern &#8222;Mafia, Mafia&#8220; hinterhergeschrien hat, das Ouarzazate das Film- und Fernsehzentrum Marokkos ist. &#8222;Asterix&#8220; und &#8222;Gladiator&#8220; wurden hier gedreht. <\/p><\/blockquote>\n<p>Desweitern wird in einer alten Kasbah eine Art Big Brother bzw. Dschungelcamp produziert. Ich f\u00fchle mich sofort pudelwohl hier, wozu die s\u00fc\u00dfen, italienischen M\u00f6chtergern-Starlets ihr \u00dcbriges tun. W\u00e4hrend Guido und Stefan um olle Teekannen feilschen, spiele ich sehen und gesehen werden.<\/p>\n<p>Weiter gehts nach <strong>Agadir<\/strong>, wo wir hoffen einen Mechaniker zu finden. Als ich aus dem Fenster schaue, sehe ich eine verfallene, amrikanische Tankstelle mit dem Schild &#8222;Gas Haven &#8211; Cold Beer &#8211; BBQ&#8220; mitten in der Pampa. Ein paar amerikanische Autowracks stehen daneben, in einem l\u00e4uft ein verstimmtes Radio. Hier wurde &#8211; laut einem Opa der pl\u00f6tzlich auftaucht und Dirhams f\u00fcr Fotos will &#8211; der Film &#8222;Deux Americans&#8220; gedreht.<\/p>\n<div id='gallery-1' class='gallery galleryid-4779 gallery-columns-3 gallery-size-thumbnail'><figure class='gallery-item'>\n\t\t\t<div class='gallery-icon portrait'>\n\t\t\t\t<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"150\" height=\"150\" src=\"https:\/\/realvinylz.net\/wp-content\/uploads\/tanke-marokko-bla-150x150.jpg\" class=\"attachment-thumbnail size-thumbnail\" alt=\"\" \/>\n\t\t\t<\/div><\/figure><figure class='gallery-item'>\n\t\t\t<div class='gallery-icon portrait'>\n\t\t\t\t<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"150\" height=\"150\" src=\"https:\/\/realvinylz.net\/wp-content\/uploads\/tankeII-marokko-bla-150x150.jpg\" class=\"attachment-thumbnail size-thumbnail\" alt=\"\" \/>\n\t\t\t<\/div><\/figure>\n\t\t<\/div>\n\n<blockquote><p>Beim \u00d6lwechsel an einer Tankstelle im Nirgendwo entpuppt sich der Mechaniker, der zun\u00e4chst zu faul war um einen Lappen zu holen, als Improvisationsgenie und repariert mittels eines St\u00fcck Drahtes, welches er nach intensivem Herumlaufen auf dem Hof entdeckt, unsere Gangschaltung.<\/p><\/blockquote>\n<p>Gesamtpreis der General\u00fcberholung: &#8222;Give me what you want&#8220; = 50 Dirham!!! Somit konnten wir uns Agadir schenken und nach einer weiteren \u00dcbernachtung in der Steppe, samt morgendlicher Berberfrauenschar, gelangten wir an die Atlantikk\u00fcste in Gestalt von <strong>Tifnite<\/strong>, einem winzigen Fischerd\u00f6rfchen mit eigenem Technofestival im August.<\/p>\n<p>Hier gelangte zum ersten Mal mein mittlerweile dick gewordenes L\u00fcgenfell zum Einsatz: <\/p>\n<blockquote><p>Der Marokkaner an sich wird einen nach &#8222;Bonjour&#8220; und &#8222;\u00c7a va?&#8220; irgendwann die Gretchenfrage stellen: &#8222;C&#8217;est la premiere fois en Maroc?&#8220; oder &#8222;First Time in Marocco?&#8220;. Antwortet man mit &#8222;Oui&#8220;, wird der Touristenverarschungsmodus initiiert, mit den Worten &#8222;Bienvenue au Maroc&#8220; bzw. &#8222;Welcome to Marocco&#8220; und einem bl\u00f6den Grinsen. Danach landet man in einem Teppichladen oder einer Mineralienverklappungstelle.<\/p><\/blockquote>\n<p>Antwortet man &#8222;Non, la deuxieme fois&#8220; wird man nach kurzem Rumgelaber in Ruhe gelassen. Funktionierte bis jetzt immer! Guido versuchte eine weitere raffinierte Tour, als er an einer Tankstelle wie ein Irrer aus dem Bus sprang mit einem ollen Stein in der Hand und dem Tankwart zurief: &#8222;You want Fossils? &#8230; Ten Dirham&#8220;. Auch dieser Witz fand wenig Anklang bei der Bev\u00f6lkerung, aber die Mineraliendrisse kann einem auch echt auf den Zeiger gehen &#8230;<\/p>\n<p>Erw\u00e4hnenswert sind noch die ber\u00fchmten Springziegen, die aus dem Stand auf B\u00e4ume springen und dort auf zwei \u00c4sten rumstehen, was einfach ziemlich bescheuert aussieht. Weniger erw\u00e4hnenswert ist der verteufelte Umstand, das durch die Temperaturunterschiede des Atlantiks und der Beinahe-Sahara in <strong>Sidi Ifni<\/strong>, alles eine diesige Suppe ist und zwar bereits circa 1 km vor dem Meer. Zum Land hin wird es schnell wieder sonnig und heiss und man hat somit die Wahl zwischen Brath\u00e4hnchen und Waschk\u00fcche. Erste Rufe nach einem Bonus-Aufenthalt in Spanien werden laut, aber morgen geht es erstmal einen letzten Schritt in die Sahara rein, zum <strong>Fort Bou Jerif<\/strong>, einem alten W\u00fcstenfort. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Tag 14 und 15 Aus Merzouga brachen wir &#8222;fr\u00fch&#8220; morgens auf, in die sogenannten &#8222;G\u00e4hn&#8220;-Schluchten &#8222;Gorges du Todra&#8220; und &#8222;Gorges du Dades&#8220;. Die Todra-Schlucht ist ein Naturschauspiel, dass gew\u00f6hnliche Touristen nur bis zur &#8222;antiken&#8220; Souvenirstrasse zu sehen bekommen. 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