{"id":4802,"date":"2006-05-21T00:36:52","date_gmt":"2006-05-20T22:36:52","guid":{"rendered":"http:\/\/realvinylz.net\/?p=4802"},"modified":"2015-06-07T16:17:59","modified_gmt":"2015-06-07T14:17:59","slug":"marokko-2006-tag-25-bis-30","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/realvinylz.net\/?p=4802","title":{"rendered":"Von K\u00f6ln nach Merzouga (und zur\u00fcck) &#8211; Tag 25 bis 30"},"content":{"rendered":"<p><strong>Tag 25 und 26<\/strong><\/p>\n<p>Der Tag des Abschieds ist gekommen. Der F\u00e4hrhafen in Tanger ist das reinste Chaos. Die Abfertigung f\u00fcr Europ\u00e4er ist recht lax, aber man sollte keinesfalls jedem einfach die Passports und seine F\u00e4hrkarten in die Hand dr\u00fccken. Sonst verschwindet der Typ n\u00e4mlich, man kriegt einen halben Herzinfarkt und dann taucht er irgendwann mit einem ollen Zettel wieder auf und will Dirham oder Euroscheine oder Souvenirs.<\/p>\n<p>Niemand weiss wann und wo unsere F\u00e4hre abf\u00e4hrt, wir kurven wild auf dem Gel\u00e4nde rum und finden heraus, dass wir vier Stunden auf die lahme F\u00e4hre warten m\u00fcssen. Als wir uns aus Versehen in die falsche Schlange einordnen, bekommen wir ungefragt ein Billet f\u00fcr die Schnellf\u00e4hre und ein \u00e4lterer Herr versichert uns mit einem Augenzwinkern, dass das schon in Ordnung sei so. Als wir auf die F\u00e4hre fahren, schaut er unauff\u00e4llig weg und wir machen auf das Schiff drauf, dass normalerweise circa 150 Euro mehr kostet. Ein netter Marokkaner quatscht mich an, die lustigen Hafenarbeiter haben seine Mappe mit den Ausreisepapieren versteckt und machen sich \u00fcber seine Panik lustig. Irgendwann taucht die Mappe wieder auf und der nette Marokkaner kickt sie aus Wut durch den halben Hafen. Wildes Gebr\u00fcll, dann Schulterklopfen und Gel\u00e4chter. Lustiges Land!<\/p>\n<blockquote><p>Als Tanger am Horizont im Dunst versinkt, \u00fcberkommt mich eine Mischung aus Wehmut und Erleichterung und die Worte Hassan des Zweiten gehen mir durch den Kopf: &#8222;Marokko gleicht einem Baum: gen\u00e4hrt von Wurzeln tief in der Erde Afrikas, atmet er durch Blattwerk, das in Europas Winden rauscht.&#8220; Sch\u00f6ner &#8211; oder euphemistischer &#8211; kann man es nicht sagen. Ich bin erst mal froh wieder im Blattwerk zu sein, werde aber bestimmt wiederkommen &#8230;<\/p><\/blockquote>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Europ\u00e4isches Blattwerk bedeutet Strand, Cerveza und Chicas in Massen, die wir in <strong>Alicante<\/strong> beschliessen kennenzulernen. Auf der Fahrt dahin versagen zwar Motor, K\u00fchlanlage und Reifenventil in sch\u00f6ner Folge, aber wir schaffen es dennoch. Wir fahren einfach in die Werkstatt eines Spaniers, benutzen seinen Wagenheber, wechseln den Reifen und brausen wieder ab. Morgens ein Strand in San Palo, mittags Alicante. Leider sind alle hier Studentinnen aus ganz Spanien und haben feste Freunde. Ist aber trotzdem nett, sie m\u00f6gen unser sch\u00fcchterne Art, denn offenbar ist es in Alicante Usus, Frauen auf der Strasse direkt zu fragen ob sie f***en wollen. Abends hat wohl Barcelona ein Spiel gewonnen &#8211; \u00bfChampions League? &#8211; und es kommt zu Riots auf einem grossen Platz. Wir mittendrin, es kommt zu \u00dcbergriffen auf die Guardia Civil, die mit Tr\u00e4nengas und Kn\u00fcppeln vorr\u00fcckt. Hier bin ich ausnahmsweise der Mutigste, bin mitten in der Menge und mache haufenweise Fotos, bis mich Herr B. und Herr H. wegholen. Danach mit dem nimmerm\u00fcden Spaniern und Partytouristen bis vier Uhr nachts in die Clubs. Europa auch du bist wunderbar!<\/p>\n<div id='gallery-1' class='gallery galleryid-4802 gallery-columns-3 gallery-size-thumbnail'><figure class='gallery-item'>\n\t\t\t<div class='gallery-icon portrait'>\n\t\t\t\t<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"150\" height=\"150\" src=\"https:\/\/realvinylz.net\/wp-content\/uploads\/2280-civil-guardia-bla-150x150.jpg\" class=\"attachment-thumbnail size-thumbnail\" alt=\"\" \/>\n\t\t\t<\/div><\/figure><figure class='gallery-item'>\n\t\t\t<div class='gallery-icon portrait'>\n\t\t\t\t<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"150\" height=\"150\" src=\"https:\/\/realvinylz.net\/wp-content\/uploads\/2282-champions-league-bla-150x150.jpg\" class=\"attachment-thumbnail size-thumbnail\" alt=\"\" \/>\n\t\t\t<\/div><\/figure><figure class='gallery-item'>\n\t\t\t<div class='gallery-icon portrait'>\n\t\t\t\t<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"150\" height=\"150\" src=\"https:\/\/realvinylz.net\/wp-content\/uploads\/2283-fu\u00dfball-bla-150x150.jpg\" class=\"attachment-thumbnail size-thumbnail\" alt=\"\" \/>\n\t\t\t<\/div><\/figure><figure class='gallery-item'>\n\t\t\t<div class='gallery-icon portrait'>\n\t\t\t\t<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"150\" height=\"150\" src=\"https:\/\/realvinylz.net\/wp-content\/uploads\/2281-guardia-civil-bla-150x150.jpg\" class=\"attachment-thumbnail size-thumbnail\" alt=\"\" \/>\n\t\t\t<\/div><\/figure>\n\t\t<\/div>\n\n<p><strong>Tag 27 bis 30<\/strong><br \/>\nNachdem die beiden Herren ihren Kater ausgeschlafen haben &#8211; ich war schon zwei Stunden baden, essen und im Internetcaf\u00e9 &#8211; wollen wir endlich ins ersehnte <strong>Barcelona<\/strong> fahren. Die Stimmung ist gut, wir kriegen Geschwindigkeit, erreichen die Startbahn, schalten Erika &#8211; wie unserer neuerwachte Navi-Zicke jetzt als Ode an Erika D\u00e4rr heisst &#8211; ein und &#8230; die Motortemperatur steigt auf 140\u00b0! Wir stehen an einer ollen Tankstelle und m\u00fcssen diesmal den ADAC \u00fcber den Umweg Barcelona-B\u00fcro und Madrid-B\u00fcro rufen. <\/p>\n<blockquote><p>Wir warten bereits 2 1\/2 Stunden als ein spanisches Rudi-V\u00f6ller-Imitat mit blondem Miniplie und Abschleppwagen auftaucht. Er labert schlechtgelaunt auf Spanisch, telefoniert auf Stefans Handy stundenlang mit Madrid und legt dann einfach auf, ohne das wir wissen was los ist.<\/p><\/blockquote>\n<p>Ein weisser Wagen erscheint mit einem jungen Typen, der nach Estefan fragt. Wir halten ihn fuer einen Dolmetscher, da er ein wenig Englisch spricht. Mittlerweile hat Guido herausgefunden, dass sich unser K\u00fchlwasser durch einen Riss im Schlauch, an dem die Lichtmaschine schleift, verabschiedet hat. Mit einem kurzen Schlauch ist das leicht zu reparieren. Wir haben aber keinen Schlauch. Ein Taxi taucht auf, dessen Fahrer uns auch volllabert, es stellt sich heraus, dass uns das Taxi f\u00fcr 50 Euro zu einer Werkstatt fahren will. Nach langem Hin und Her machen wir dem ADAC klar, das wir nur einen Autoteileh\u00e4ndler brauchen. Der Mitarbeiter kennt aber nur eine Autowerkstatt in Benidorm, die noch offen hat. Wir beschliessen z\u00e4hneknirschend mitzufahren, als uns der Abschlepper er\u00f6ffnet, dass der Bus zu gross f\u00fcr seinen Wagen sei und ein anderer kommen muss. Stefan hatte dem ADAC MEHRMALS alle Daten mitgeteilt und der Taxifahrer will jetzt 10 Euro f\u00fcrs Warten. Der Dolmetscher entpuppt sich als Angestellter des Taxifahrers, ich bekomme einen Lachkrampf und beschliesse mir ein San Miguel aufzumachen. Nach einer weiteren Stunde setzt sich unser Tross in Bewegung Richtung <strong>Benidorm<\/strong>. <\/p>\n<blockquote><p>Dort werden wir um 20 Uhr abend zwischen Bordellen und M\u00f6belh\u00e4usern vor einer geschlossenen Mercedes-Werkstatt abgestellt. Als ich ein wenig umherwandere finde ich durch Zufall eine kleine Werkstatt mit grossem Schild &#8222;Deutscher KFZ-Meister&#8220;. Ein verhutzelter Mann erscheint und mit letzter Kraft frage ich ihn ob er einen K\u00fchlerschlauch hat. &#8222;Ja, freilich, holen sie mal den alten her!&#8220; Ich h\u00fcpfe zu Stefan und Guido und bin ganz au\u00dfer mir. <\/p><\/blockquote>\n<p>Es stellt sich heraus, dass der Mann auf uns gewartet hat, der Abschleppdienst aber nicht wusste, wo er wohnt und uns einfach irgendwo abgesetzt hat. Drei Wochen Marokko und dann entpuppt sich Spanien als das Land der Verpeilten! Schnell repariert und weiter nach Peniscola, wo wir die Nacht in einem Olivenhain verbringen.<\/p>\n<p>In <strong>Barcelona<\/strong> fahren wir direkt auf den Stadtstrand und Guido organisiert einen Freund namens Bj\u00f6rn, der uns netterweise in das Nachtleben einf\u00fchren will. Als er erf\u00e4hrt wo wir mit unserem Bus stehen, staunt er gross und warnt vor komischem Volk. Dann gehts in viele sch\u00f6ne Bars, wo uns die atemberaubenden Chicas von Barcelona gefallen. In einem grossen Club tritt Namosh, eine White-Trash-Gurke aus Berlin auf, ich komme als einziger mit Unterhemd und Che-Guevara-Kappe rein und f\u00fchle mich wohl. Leider kippt die Musik nach dem Konzert in bl\u00f6de Touri-Mucke und wir ziehen weiter in einen Techno-Club Marke Liquid Sky. Guido verabschiedet sich schon um 5 Uhr und ruft um 6:30 Uhr an: Unsere vordere Seitenscheibe ist eingeschlagen und meine Carhartt-Tasche, meine Brille, mein Haust\u00fcrschl\u00fcssel und mein Terminkalender sind weg. Bl\u00f6d, aber es h\u00e4tte schlimmer kommen k\u00f6nnen. 3 Wochen Marokko und dann entpuppt sich Spanien als das Land der Verbrecher!<\/p>\n<p>\n3 Stunden Schlaf und dann wieder an den Strand, ins Meer, &#8222;Hola Chica!&#8220; hier und da, &#8222;Barcelona Te Quiero!&#8220;<br \/>\nMein Phantasiespanisch kommt gut an, ich will auch noch da bleiben, aber die Vernunft treibt uns gegen Nachmittag ins Auto und ab nach Frankreich. <\/p>\n<blockquote><p>An einer Peage kurz vor Nimes verliert Guido ein letztes Mal die Contenance: Als der Angestellte sagt: &#8222;Vingt Euro, cinquante&#8220;, bellt er ihn vom Beifahrersitz auf K\u00f6lsch an: &#8220; Zweiundzwanzig F\u00fcnfzig??? Finden se dat jerechtfertigt? Und dat wo wir hier das Geld nach Frankreich reinbringen &#8230; &#8222;<\/p><\/blockquote>\n<p>Der Mann \u00f6ffnet verdutzt die Schranke und der Bus bleibt nat\u00fcrlich direkt hinter der Schranke liegen. Die Deutschen kommen! Diesmal nur ein kleiner Fehler, der Motor zieht Luft! Die letzte Nacht im Bus verbringen wir in Belleville, kurz vor Macon, finden es entsetzlich kalt, Guido bekommt pl\u00f6tzlich 39\u00b0 Fieber &#8211; was sich aber unglaublich schnell wieder erledigt &#8211; und nach einem weiteren anstrengenden Tag fahren wir um 19:30 Uhr in K\u00f6ln ein. Die Lichtmaschine hatte unbemerkt den Geist aufgegeben, Batterie leer und Toni &#8211; unser Bus &#8211; bleibt nach circa 9000 Kilometern vor meiner Haust\u00fcr endg\u00fcltig liegen &#8230;<br \/>\nAm Ende der Reise erwarten jetzt viele vermutlich ein tiefsinniges Resumee, aber nach 4 Tagen Spanien ist mein poetisches Inneres vor\u00fcbergehend gel\u00f6scht, wie man vielleicht schon gemerkt hat und deshalb hier vorerst nur noch die zwei m\u00f6glichen Titel, die das Buch haben wird, das ich \u00fcber Marokko dereinst schreiben werde:<\/p>\n<blockquote><p><strong>&#8222;F\u00fcr ein Hand voll Dirham&#8220;<\/strong> Oder <strong>&#8222;Wenn der Dirhahn zweimal kr\u00e4ht &#8211; Unterwegs im Land des Shukran&#8220;<\/strong><\/p><\/blockquote>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Tag 25 und 26 Der Tag des Abschieds ist gekommen. Der F\u00e4hrhafen in Tanger ist das reinste Chaos. 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