{"id":4879,"date":"2014-10-07T17:39:44","date_gmt":"2014-10-07T15:39:44","guid":{"rendered":"http:\/\/realvinylz.net\/?p=4879"},"modified":"2014-10-13T11:44:23","modified_gmt":"2014-10-13T09:44:23","slug":"die-geburt-der-webdoc-aus-dem-geiste-der-kybernetik","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/realvinylz.net\/?p=4879","title":{"rendered":"Die Geburt der Webdoc aus dem Geiste der Kybernetik"},"content":{"rendered":"<p>Am vergangenen Sonntag hatte ich das Vergn\u00fcgen mir die vier Projekte der Teilnehmer des ersten Berliner <a href=\"http:\/\/www.netzdoku.org\/2014\/09\/21\/dok-hackathon-berlin\/\">DOK Hackathons<\/a> ansehen zu d\u00fcrfen. Die vier Teams und ihre Projekte sind <a href=\"http:\/\/www.netzdoku.org\/2014\/10\/04\/teams\/\">hier<\/a> und auf <a href=\"http:\/\/future.arte.tv\/de\/dok-hackathon-berlin-kreativkopfe-unter-sich\">ARTE Future<\/a> zu finden. <\/p>\n<p>In der Jury sa\u00dfen unter anderem Vertreter von <a href=\"http:\/\/www.sueddeutsche.de\/\">S\u00fcddeutsche.de<\/a> und <a href=\"http:\/\/www.zeit.de\">Zeit Online<\/a> &#8211; sogenannte Onliner -, ein <a href=\"https:\/\/krautreporter.de\/\">Krautreporter<\/a>, aber auch <a href=\"http:\/\/www.critic.de\/autor\/frederic-jaeger\">Fr\u00e9d\u00e9ric Jaeger<\/a> von <a href=\"http:\/\/www.critic.de\">critic.de<\/a>. Von Letzterem habe ich vor der Veranstaltung die tolle <a href=\"http:\/\/www.critic.de\/special\/ein-tunnelblick-fuer-den-fortschritt-neue-kritik-fuer-neue-medien-teil-1-3733\/\">Artikelserie<\/a> zum Thema Cross-, Trans- und Multimedialit\u00e4t gelesen. Und dann bin ich ins Nachdenken geraten &#8230;<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.netzdoku.org\/\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/realvinylz.net\/wp-content\/uploads\/final-logo-juillet-15-05-672x372.jpg\" alt=\"laout logo5\" width=\"672\" height=\"372\" class=\"aligncenter size-full wp-image-4880\" srcset=\"https:\/\/realvinylz.net\/wp-content\/uploads\/final-logo-juillet-15-05-672x372.jpg 672w, https:\/\/realvinylz.net\/wp-content\/uploads\/final-logo-juillet-15-05-672x372-300x166.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 672px) 100vw, 672px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Am Ende der Pr\u00e4sentation fragte einer der Teilnehmer die Jury (und hier offenbar die potentiellen Auftragsgeber oder Lizenzabnehmer) was diese denn f\u00fcr Projekte suchen w\u00fcrden. Sinngem\u00e4\u00df antworteten beide Online-Pressevertreter, dass es darum ginge im Aufmerksamkeitsdschungel des Internets attraktive Gimmicks zu bieten, die Aufmerksamkeit erregen und potentielle Leser langfristig an die jeweilige Seite oder Marke binden. Dabei m\u00fcsse nat\u00fcrlich die Waage zwischen formaler und inhaltlicher Wiedererkennbarkeit und Innovation gehalten werden. Dies ist aus Sicht der Onliner durchaus legitim und nachvollziehbar. Was mich nur gewundert hat, ist, dass von anderer Stelle keine Erweiterung oder Kritik dieses Begriffs von Webdoc\/Webfiction angebracht wurde. Denn von der Sichtweise der Finanzierer\/Auftragsgeber mal abgesehen: <\/p>\n<blockquote><p>Was sollte eine Webdoc\/Webfiction eigentlich k\u00f6nnen, au\u00dfer sich Fernsehsendern oder Online-Medien als Mehrheitsbeschaffer anzudienen? <\/p><\/blockquote>\n<p>Man stelle sich mal testweise vor, Fernsehbeitr\u00e4ge w\u00e4ren in der Anfangszeit des Fernsehens ausschlie\u00dflich als Spielfilmteaser konzipiert und verstanden worden. Der <strong>raison d&#8217;\u00eatre<\/strong> des Fernsehens w\u00e4re folglich nur der gewesen in Zeiten der Rezession mehr Menschen ins Kino zu bekommen. Oder als zweite Einkommensquelle und Abspielstation f\u00fcr Kinofilme zu dienen. Ich denke gleicherma\u00dfen liegt heute eine sehr einseitige Konzeption von Webdoc\/Webfiction vor. Es scheint wenige Player oder Stakeholder zu geben, die die M\u00f6glichkeiten des Mediums &#8211; \u00fcber dessen Rolle als journalistisches Novelty-Tool oder Beschaffer von zus\u00e4tzlichen Kundenkontakten hinaus &#8211; reflektieren. Zumindest nicht von \u00f6konomischer Seite. Die freigeistige Geburt einer neuen Kunstform sieht anders aus &#8230;<\/p>\n<p>Wir brauchen wohl keinen Siegfried Kracauer der Webdoc\/Webfiction, aber die Autor_innen m\u00fcssen lernen sich von den W\u00fcnschen des Marktes freizuschwimmen. Webdoc-Autor <strong>David Dufresne<\/strong> stellte auf dem DOK.forum 2014 in M\u00fcnchen folgende provokante Frage:<\/p>\n<blockquote><p>&#8222;Would you ask a poet or painter about his business model?&#8220;<\/p><\/blockquote>\n<p>Nicht viele Leute haben applaudiert. Warum? Klingt das zu naiv-romantisch? F\u00fchren vielleicht die Produktionsbedingungen eines Teams von Designer_innen, Transmedia Producer_innen, Programmier_innen und Autor_innen <strong>strukturell<\/strong> dazu, dass schnell von einem &#8222;Produkt&#8220; geredet wird und weniger von einem &#8222;Kunstwerk&#8220; oder auch nur einer Webdoc? Muss eine Webdoc\/Webfiction immer eine Ware sein, die an unterschiedlichen Stellschrauben hinsichtlich Usability, Storytelling, Performativity und Lead\/Sale-Generierung skalierbar ist? <\/p>\n<blockquote><p>Genau wie das zeitgen\u00f6ssische Fernsehen komplexe Dramaturgien und mehrdeutige Charaktere beschneidet, aus Angst die Zuschauer k\u00f6nnten wegzappen, wird die Webdoc von vorneherein als hochperformatives Zuschauergenerierungsevent gedacht. Dies ist katastrophal f\u00fcr die Entwicklung von eigenen Genreregeln und -\u00e4sthetiken.<\/p><\/blockquote>\n<p>Die Webdoc\/Webfiction muss sich dringend vom utilitaristischen Diskurs befreien. Sie wird mit Sicherheit nicht den Journalismus oder das lineare Fernsehen aus der Krise retten, schon gar nicht wenn dies ihr einziger Daseinsgrund ist. <\/p>\n<p>\n&#8222;The Medium Is The Message&#8220;, das kann man nat\u00fcrlich nicht bestreiten. Das Dispositiv der Apparate schreibt sich vom Smartphone\/iPhone und Tablet\/iPad in die Form der Webdoc\/Webfiction ein.<br \/>\nAber einerseits: Was ist auf technischer Seite mit den Smart-TVs oder den M\u00f6glichkeiten einer partizipativen Kinovorf\u00fchrung?<br \/>\nUnd andererseits: Wo sind die Versuche mit den faktischen Genrebeschr\u00e4nkungen ironisch und spielerisch umzugehen, wie es im Extremfall Filme wie <strong>Synecdoche, New York<\/strong>, Serien wie <strong>Twin Peaks<\/strong> oder B\u00fccher wie <strong>Infinite Jest<\/strong> getan haben? <\/p>\n<p>Es m\u00fcsste wohl so sein &#8211; so ein erster Gedanke -, dass Autor_innen oder Regisseur_innen in einer Webdoc\/Webfiction-Produktion die erfahrenste und st\u00e4rkste Figur sind, damit sie den Verf\u00fchrungen des Praktischen und den Beschr\u00e4nkungen des technisch Machbaren trotzen k\u00f6nnen. Sie k\u00f6nnten den Weg bereiten f\u00fcr eine tats\u00e4chlich experimentierfreudige Atmosph\u00e4re in Sendern, Verb\u00e4nden und F\u00f6rderanstalten. <\/p>\n<p>Eine Begriffkl\u00e4rung, dar\u00fcber, was denn blo\u00df technische Innovation und was \u00e4sthetisch-narrativ innovativ sein soll, w\u00e4re f\u00fcr alle Beteiligten ebenfalls sinnvoll.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Am vergangenen Sonntag hatte ich das Vergn\u00fcgen mir die vier Projekte der Teilnehmer des ersten Berliner DOK Hackathons ansehen zu d\u00fcrfen. Die vier Teams und ihre Projekte sind hier und auf ARTE Future zu finden. 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