{"id":5929,"date":"2015-02-21T11:03:58","date_gmt":"2015-02-21T09:03:58","guid":{"rendered":"http:\/\/realvinylz.net\/?p=5929"},"modified":"2015-03-28T00:28:03","modified_gmt":"2015-03-27T23:28:03","slug":"diary-of-an-unpublished-author-3-historic-edition","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/realvinylz.net\/?p=5929","title":{"rendered":"Diary of an Unpublished Author 4 (Kritische Ausgabe)"},"content":{"rendered":"<p>Vor drei Jahren habe ich ein Theaterst\u00fcck geschrieben. \u00bbDie Ma\u00dfnahme\u00ab. Es beruht lose auf den Erfahrungen von A. und N. in einer Hartz IV-Ma\u00dfnahme im ber\u00fcchtigten <strong>Jobcenter Pankow<\/strong>. So geht es los:<\/p>\n<p>Ein leerer Raum, eine Schiefertafel auf der linken B\u00fchnenseite, daneben ein Overheadprojektor, ein schwarzer Plastikpapierkorb und ein ein typischer Schulzubeh\u00f6r-CD-Player. Vier in Zweierpaaren aufgestellte Schultische und St\u00fchle, ein Dozententisch. An der Hinterwand befindet sich ein Fenster mit runtergelassenen Jalousien. Tageslicht scheint durch. Die T\u00fcr befindet sich am rechten B\u00fchnenrand. Man h\u00f6rt sanfte, meditative Panfl\u00f6tenmusik. Eine m\u00e4nnliche Person in den mittleren Vierzigern (Thorsten) in speckiger Jeans und \u00bbschickem\u00ab C&#038;A-Hemd tritt auf. Er tr\u00e4gt einen billligen, schwarzen Lederaktenkoffer in dem die Stullendose klappert. Thorsten sieht sich genervt um, w\u00e4hlt dann den Platz rechts-hinten. Er legt den Aktenkoffer auf den Tisch, setzt sich umst\u00e4ndlich, \u00f6ffnet den Aktenkoffer und entnimmt ihm eine Stullendose und eine 0,5l-Kaffekanne. Er gie\u00dft sich einen Deckel voll Kaffee ein und \u00f6ffnet die Stullendose. Linkisch fingert er eine Graubrotstulle mit Cervelatwurst aus der Dose und mampft los. Eine weibliche Person Ende Drei\u00dfig (Angela), attraktiv, stilbewusst, mit Jeans und Blazer, aber sehr fraulich, militant-offene Mimik und Gestik, tritt auf. Sie sieht Thorsten und gr\u00fc\u00dft freundlich.<br \/>\n<!--more--><br \/>\n<strong>Angela:<\/strong> \u00bbGuten Morgen.\u00ab<br \/>\n<strong>Thorsten:<\/strong> (barsch) \u00bbMorgen!\u00ab<br \/>\n<strong>Angela:<\/strong> \u00bbNa, da sind sie ja der erste heute morgen \u2026\u00ab (geht auf ihn zu, streckt freundlich die Hand aus) \u00bbAngela Pfeiffer, ich bin die Leiterin der Ma\u00dfnahme.\u00ab<br \/>\n<strong>Thorsten:<\/strong> (erwidert den H\u00e4ndedruck notgedrungen) \u00bbNa, is ja nich&#8216; schlimm \u2026 Matuschke mein Name \u2026\u00ab<br \/>\n<strong>Angela:<\/strong> \u00bbIch werd&#8216; es gleich nochmal vor der Klasse sagen, aber ich f\u00e4nde es sch\u00f6n wenn wir die Abmachung treffen, dass im Kursraum nichts gegessen wird. Wir werden zwischendurch genug Pausen machen und ich lade sie herzlich dazu ein dann etwas zu essen, nicht?\u00ab<br \/>\n<strong>Thorsten:<\/strong> (h\u00f6rt auf zu kauen) \u00bbDit f\u00e4ngt ja jut an&#8230; Ick kau ja nich&#8216; mit den Ohren, oder wat is ihr Problehm?\u00ab<br \/>\n<strong>Angela:<\/strong> (offen, legt die H\u00e4nde spitz aneinander, erst zeigen die Fingerspitzen nach oben, dann auf Thorsten) \u00bbEs geht weniger um das Zuh\u00f6ren als darum, dass wir eine \u2026\u00ab (hier \u00f6ffnet sie die H\u00e4nde und zeigt Thorsten ihre offenen Handfl\u00e4chen) \u00bbangenehme, offene und konzentrierte Arbeitsatmosph\u00e4re schaffen. Wir haben ja auch viel vor in den n\u00e4chsten Wochen.\u00ab<br \/>\n<strong>Thorsten:<\/strong> (argw\u00f6hnisch) \u00bbHam wa, ja?\u00ab<\/p>\n<p>\nNacheinander betreten zwei Personen den Raum. Erst ein Mann, Anfang F\u00fcnfzig (Peter) mit rot-orangener Kordhose, gedecktem Paradiesvogel-Poloshirt, gelber Hintenzukurz-Stoffjacke und unsicherem Blick. Dann eine junge Frau (Nadine) Ende Zwanzig, h\u00fcbsch, modisch aber angemessen n\u00fcchtern gekleidet, offen und freundlich. Sie setzt sich spontan links-hinten hin, nah an die an der Tafel stehende Angela.<\/p>\n<p>\n<strong>Peter:<\/strong> (sagt nichts, das aber programmatisch)<br \/>\n<strong>Angela:<\/strong> (fr\u00f6hlich-vorwurfsvoll) \u00bbGuten Mooorgen!\u00ab<br \/>\n<strong>Peter:<\/strong> (zerstreut) \u00bbJa, Morgen \u2026\u00ab (\u00fcberlegt kurz wo er sich hinsetzen soll und entscheidet sich dann f\u00fcr den Tisch rechts-vorne, wo er am weitesten von den beiden anderen weg sitzt)<br \/>\n<strong>Nadine:<\/strong> (fr\u00f6hlich) \u00bbGuten Morgen!\u00ab<br \/>\n<strong>Angela:<\/strong> (hoffnungsvoll, wittert wenigstens eine Bundesgenossin) \u00bbGuten Morgen! Na, dann sind wir ja bald vollst\u00e4ndig \u2026\u00ab<br \/>\n(schaut demonstrativ auf die Armbanduhr) \u00bbSo, ich denke wir warten noch die f\u00fcnf Minuten ab, damit auch die anderen noch eine Chance bekommen und dann fangen wir an \u2026\u00ab <\/p>\n<p>\nJeder richtet sich irgendwie auf seinem Platz ein, Peter starrt auf den Tisch, Thorsten trommelt enervierend auf seinem Aktenkoffer rum und Nadine sitzt mit geradem R\u00fccken erwartungsfroh da. Angela schaut nach einer Weile wieder auf die Armbanduhr, nestelt am CD-Player rum, die Panfl\u00f6tenmusik wird kurz lauter, dann langsam leiser, bis sie schlie\u00dflich ganz verstummt. <\/p>\n<p>So ist die Eingangsszene des ersten Aktes. Auf der Anlage l\u00e4uft ein Drone von Phill Niblock &#8211; \u00bbEarly Winter\u00ab, passend zum Fadenregen drau\u00dfen.<\/p>\n<p><center><iframe loading=\"lazy\" width=\"560\" height=\"315\" src=\"https:\/\/www.youtube-nocookie.com\/embed\/5ix-ZYT4if8?rel=0&amp;controls=0&amp;showinfo=0\" frameborder=\"0\" allowfullscreen><\/iframe><\/center><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Vor drei Jahren habe ich ein Theaterst\u00fcck geschrieben. \u00bbDie Ma\u00dfnahme\u00ab. Es beruht lose auf den Erfahrungen von A. und N. in einer Hartz IV-Ma\u00dfnahme im ber\u00fcchtigten Jobcenter Pankow. So geht es los: Ein leerer Raum, eine Schiefertafel auf der linken B\u00fchnenseite, daneben ein Overheadprojektor, ein schwarzer Plastikpapierkorb und ein ein typischer Schulzubeh\u00f6r-CD-Player. 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