{"id":5988,"date":"2015-02-24T10:14:53","date_gmt":"2015-02-24T08:14:53","guid":{"rendered":"http:\/\/realvinylz.net\/?p=5988"},"modified":"2015-02-27T21:32:48","modified_gmt":"2015-02-27T20:32:48","slug":"diary-of-an-unpublished-author-7-kritische-ausgabe","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/realvinylz.net\/?p=5988","title":{"rendered":"Diary of an Unpublished Author 7 (Kritische Ausgabe)"},"content":{"rendered":"<p>Habe dann trotzdem angefangen die Novelle vom \u00bbDorfimbi\u00df\u00ab (der Duden kennt die Schreibweise mit \u00bb\u00df\u00ab ignoranterweise nicht) zu schreiben:<\/p>\n<p>Am Eingang des Dorfes machte die Bundesstrasse eine Kurve, die Absicht des Erbauers sein musste. Nicht nur war es unm\u00f6glich die Kurve mit mehr als 30 km\/h zu nehmen ohne aus selbiger hinausgetragen zu werden. Nein, es s\u00e4umten auch gleich zwei Dorfschenken den Weg, die eine gro\u00dfspurig als \u00bbLandgasthof Schmitz\u00ab ausgeschildert, die andere erratisch mit \u00bbBei Knipping\u00ab betitelt.<br \/>\n<!--more--><br \/>\nOb der mittelalte Mann im Hausmeisterkittel, der m\u00fcde das Gr\u00fcn des T\u00fcrgitters erneuerte, der Namensspender war? Andreas lenkte den Wagen vorsichtig in die Kurve um hinter dieser sogleich wieder den Ausgang des D\u00f6rfchens zu erblicken. Bevor er diesen erreichte, parkte er seinen Wagen auf eine kleinen Pflastersteininsel, die durch eine marode Umz\u00e4unung als Parkplatz ausgewiesen war. <\/p>\n<blockquote><p>Die B\u00e4ckerei, die wohl der allzu optimistische Anlass dieses Parkplatzes war, fand er verschlossen vor. Ein Schild verk\u00fcndete die unsympathischen \u00d6ffnungszeiten: 7:00 &#8211; 11:30 Uhr.<\/p><\/blockquote>\n<p>Das erinnert sofort an ehrliche Arbeit und Menschen die mit den H\u00fchnern zu Bett gehen, was Andreas &#8211; in der typischen Geh\u00e4ssigkeit eines ehemaligen Provinzlers \u2013 immer wortw\u00f6rtlich verstanden hatte. Schon das Autobahnschild \u00bbSachsen-Anhalt &#8211; Land der Fr\u00fchaufsteher\u00ab, das potenzielle Investoren auf Sachsen-Anhalt neugierig machen sollte, hatte leichten Abscheu in ihm hervorgerufen. Hungrig und genervt setzte er sich wieder ans Steuer, trank den letzten Rest einer Halbliterdose Energy Drink und z\u00fcndete sich eine Zigarette an. Dann also sofort ins Hotel. Sp\u00e4ter konnte er ja noch zu einem Lebensmittelmarkt fahren und sich f\u00fcr die n\u00e4chsten paar Tage eindecken. Im Handschuhfach steckte der Auftrag, samt Hotelreservierung, und Andreas stellte am\u00fcsiert fest, dass er die n\u00e4chsten vier Tage im \u00bbLandgasthof Schmitz\u00ab residieren w\u00fcrde. Mittlerweile hatte es angefangen zu regnen und so trottete er, die Papiere in eine Plastikfolie gezw\u00e4ngt, mit eingezogenen Schultern die Dorfstrasse hinab. Der Landgasthof hatte keine Klingel, weder eine elektrische noch irgendeine pseudo-authentische Kuhglocke oder einen Messingklopfer, den eh niemand h\u00f6ren w\u00fcrde. Genervt stiefelte er an den geschlossenen schmutziggrauen Jalousien vorbei, wobei ihn der Maler von gegen\u00fcber gleichm\u00fctig beobachtete. Die Genugtuung ihn nach Auskunft zu fragen, wollte Andreas ihm nicht geben. <\/p>\n<blockquote><p>Wahrscheinlich w\u00fcrde das nur in irgendwelchen katastrophalen Animosit\u00e4ten enden, an deren Ende er sich gezwungen sehen w\u00fcrde jeden Abend im \u00bbBei Knipping\u00ab zu speisen und damit den Wirt des \u00bbLandgasthof Schmitz\u00ab zu vergr\u00e4tzen.<\/p><\/blockquote>\n<p>\u00dcberhaupt hatte er nicht vor irgendwo zu speisen oder sich mehr als irgendwie n\u00f6tig mit irgendeinem s\u00e4chsischen Hinterw\u00e4lder gemein zu machen.<br \/>\n\u00bbWe go in. We get what we want. We come out.\u00ab<br \/>\nUm nicht den Argwohn des Malers zu erregen, zog sich Andreas eine Schachtel Zigaretten an der Seitenwand des Landgasthofs und z\u00fcndete sich eine an. Der Regen hatte etwas nachgelassen. W\u00e4hrend er da nun so stand und \u00fcberlegte was als n\u00e4chstes zu tun sei, kam ein uringelber Mercedes auf den kleinen Parkplatz gefahren, dessen Nummernschild mit dem \u00fcbereinstimmte das schon am Kopfende des Parkplatzes montiert worden war. Der Fahrer trug einen gr\u00fcnen Filzhut und griff umst\u00e4ndlich mit der linken Hand in seine Strickjacke, w\u00e4hrend er mit der anderen Hand den Wagen auf den Parkplatz lenkte. Er wirkte wie ein als s\u00e4chsischer Landgasthofwirt verkleideter Russe, der gleich einen unliebsamen Zuh\u00e4lter erledigen w\u00fcrde. Und tats\u00e4chlich zog er ein kleines schwarzes Ding aus seiner Strickjacke, das in etwa die Gr\u00f6\u00dfe eines Sturmfeuerzeugs hatte. Er zielte auf einen Punkt neben Andreas und die Jalousien begannen sich, begleitet von einem elektrischen Summen, tr\u00e4ge zu heben.<\/p>\n<p>\n\u00bbSie sind gesch\u00e4ftlich hier?\u00ab, fragte ihn Herr Schmitz, w\u00e4hrend er sich offenbar nicht zwischen drei verschiedenen Lesebrillen entscheiden konnte die neben ihm auf der rauhen Stofftischdecke lagen.<br \/>\n\u00bbJawohl!\u00ab<br \/>\nMit Dorfbewohnern, so hatte Andreas lernen m\u00fcssen, musste man immer knapp, direkt und ohne Umschweife reden, damit sie einen ernst nahmen.<br \/>\n\u00bbEs ist wegen der Kurtaxe\u00ab, beeilte sich Herr Schmitz \u2013 inzwischen bebrillt und mit deutlich gr\u00f6\u00dferen Augen als vorher \u2013 hinzuzuf\u00fcgen.<br \/>\nAndreas fragte sich mit leichtem Unbehagen wer wohl hier Urlaub machen w\u00fcrde. Automatisch fiel ihm das Cover eine alten Porno-VHS-Kassette ein, auf dem ein Mann mit Schnurrbart einer Frau mit lauter Hautlappen seinen errigierten Penis entgegenstreckt.<\/p>\n<p>Hier endet der fulminante Auftakt der Novelle \u2026<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Habe dann trotzdem angefangen die Novelle vom \u00bbDorfimbi\u00df\u00ab (der Duden kennt die Schreibweise mit \u00bb\u00df\u00ab ignoranterweise nicht) zu schreiben: Am Eingang des Dorfes machte die Bundesstrasse eine Kurve, die Absicht des Erbauers sein musste. Nicht nur war es unm\u00f6glich die Kurve mit mehr als 30 km\/h zu nehmen ohne aus selbiger hinausgetragen zu werden. Nein, [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1771],"tags":[1953,1954],"class_list":["post-5988","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-literatur","tag-diary","tag-literatur"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/realvinylz.net\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/5988","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/realvinylz.net\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/realvinylz.net\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/realvinylz.net\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/realvinylz.net\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=5988"}],"version-history":[{"count":7,"href":"https:\/\/realvinylz.net\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/5988\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":6129,"href":"https:\/\/realvinylz.net\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/5988\/revisions\/6129"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/realvinylz.net\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=5988"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/realvinylz.net\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=5988"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/realvinylz.net\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=5988"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}