{"id":638,"date":"2010-03-17T13:30:17","date_gmt":"2010-03-17T12:30:17","guid":{"rendered":"http:\/\/www.realvinylz.de\/artist\/jean-michel-im-interview-2\/"},"modified":"2016-06-15T16:49:59","modified_gmt":"2016-06-15T15:49:59","slug":"jean-michel-im-interview-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/realvinylz.net\/?p=638","title":{"rendered":"Interview: Jean-Michel"},"content":{"rendered":"<p align=center><img src='http:\/\/www.realvinylz.net\/wp-content\/uploads\/jean-michel1.jpg' alt='jean-michel1.jpg' \/><\/p>\n<p>Ein wenig skeptisch war ich schon, als ich im vergangenen Jahr in der April-Ausgabe der De:Bug ein Album namens <strong>&#8222;Tons Of Fun&#8220;<\/strong> eines gewissen <strong>Jean-Michel <\/strong>auf Platz 1 der Monatscharts entdeckte. Weder der <a href=\"http:\/\/www.myspace.com\/esmogplayground\">K\u00fcnstler<\/a> noch das Label <a href=\"http:\/\/onpa.de\">Onpa<\/a> waren mir bis dahin ein Begriff. Thaddis euphorische <a href=\"http:\/\/de-bug.de\/reviews\/35854.html\">Review<\/a> dazu lie\u00df zwar die Neugier weiter steigen, ohne allerdings die letzten Zweifel v\u00f6llig zu beseitigen.<\/p>\n<p>Als einige Tage danach eine Promo von &#8222;Tons Of Fun&#8220; beim D\u00fcsseldorfer Hochschulradio landete, f\u00fcr das ich zu dieser Zeit t\u00e4tig war, l\u00f6sten sich aber auch die in restlose Begeisterung auf. <\/p>\n<blockquote><p>&#8222;Tons Of Fun&#8220; war wie eine Reise in eine Zeit, die man selbst nur aus Erz\u00e4hlungen kennt, in der Genregrenzen keine Rolle spielten, weil es die zugeh\u00f6rigen Genres noch gar nicht gab und die Musik von Autechre oder Aphex Twin wirklich wie das Versprechen einer besseren Zukunft klang.<\/p><\/blockquote>\n<p>Dank stilsicherer Verweise auf Dubstep und einer erfrischenden Unbek\u00fcmmertheit im Umgang mit Sounds kommt trotzdem keine Sekunde Nostalgie auf. <\/p>\n<p>Kurze Zeit sp\u00e4ter hatte ich den Mann hinter Jean-Michel f\u00fcr ein Interview am Telefonh\u00f6rer. Wegen eines Serverumzugs des Hochschulradios und eines l\u00e4ngeren Auslandsaufenthalts meinerseits blieb das Interview leider lange verschollen. Allen ungeschriebenen Aktualit\u00e4tsgeboten der Bloggerszene zum Trotz poste ich das Interview hier aber trotzdem in voller L\u00e4nge.<br \/>\n<!--more--><\/p>\n<p><em>Stell dich bitte zuerst einmal vor. Wer steckt hinter dem Projekt Jean-Michel?<\/em><\/p>\n<p>Hinter Jean-Michel stecke zun\u00e4chst nur ich, Thomas B\u00fccker aus M\u00fcnster. Ich bin 34 Jahre (Stand Juli 2009) und arbeite hauptberuflich als Grafikdesigner. Wie viele schon richtig vermuten leitet sich der Name Jean-Michel von Jean-Michel Jarre ab.<br \/>\nAls ich etwa 13 Jahre alt war, bin ich das erste Mal \u00fcber Jean-Michel Jarre mit elektronischer Musik in Ber\u00fchrung gekommen. Meine allerersten Demob\u00e4nder in der Schublade klingen auch tats\u00e4chlich wie Oxygen &amp; Co. 1999 habe ich dann mein erstes Album auf dem mittlerweile aufgel\u00f6sten Label <a href=\"http:\/\/www.eleganz-rec.de\">Eleganz  Records<\/a> ver\u00f6ffentlicht und den Labelbetreibern hat mein \u201eSpitzname\u201c so gut gefallen, dass wir dabei geblieben sind.<\/p>\n<p>\nJean-Michel ist aber eigentlich ein Hybridprojekt, neben dem Studio-Jean-Michel gibt es noch Jean-Michel live, eine Live-Umsetzung der Musik mit richtiger Gitarre, Bass und Schlagzeug. Musikalisch sind das durchaus zwei verschiedene Paar Schuhe, aber mir gefallen sie beide.<\/p>\n<p><em>M\u00fcnster ist nicht unbedingt als Hochburg elektronischer Musik bekannt. Hat dich die Tatsache, dass du abseits der gro\u00dfen Metropolen lebst, in deiner Herangehensweise an elektronische Musik beeinflusst?<\/em><\/p>\n<p>Ich versuche mich generell nicht so sehr an Trends zu orientieren, sondern eine breite Palette an Stilen in meine Produktionen einflie\u00dfen zu lassen. Vielleicht ist aber die Nicht-Beeinflussung auch schon wieder ein Einfluss, da bin ich mir nicht sicher. In M\u00fcnster habe ich auf der \u201eBeats beyond the Underground\u201c-Partyreihe im <a href=\"http:\/\/www.gleis22.de\/index_noflash.htm\">Gleis 22<\/a> als einer der ersten Breakbeat und Drum &amp; Bass aufgelegt. Derzeit versuche ich ein wenig Dubstep zu etablieren. Leider gestaltet sich das schwierig, was ich schade finde, wenn man bedenkt, dass Dubstep mittlerweile nicht nur in Berlin ganz gut ankommt, sondern auch in anderen Teilen NRWs wie z.B. D\u00fcsseldorf.<\/p>\n<p><em>Um auf deine Einfl\u00fcsse zu sprechen zu kommen: Ich h\u00f6re viele Bez\u00fcge zum klassischen IDM, Aphex Twin, Autechre. Kannst du mit diesem Begriff etwas anfangen?<\/em><\/p>\n<p>Es ist nat\u00fcrlich hilfreich, gewisse Begrifflichkeiten zu haben. Schubladen sind gut, trotzdem nehme ich mir selbst die Freiheit, mich aus verschiedenen Schubladen zu bedienen, deshalb haben viele Probleme, die Musik eindeutig abzulegen. Mir gefallen da so Phantasiebegriffe wie \u201eFrickelbumms\u201c fast schon lieber als IDM oder Electronica.<\/p>\n<p><em>Dein Sound klingt sehr organisch. Setzt du noch auf analoge Ger\u00e4te oder produziertst du ausschlie\u00dflich digital?<\/em><\/p>\n<p>Ich habe vor einigen Jahren mein gesamtes analoges Equipment auf Ebay verscherbelt. Komponieren und arrangieren geschieht nur noch am Rechner, weil man einfach alle Parameter besser kontrollieren kann. Im Zuge der Digitalisierung kann man sich immer mehr Technik leisten, was den Blick auf Details frei macht. Fr\u00fcher mit einem Atari ST und MIDI-Recording war das nicht m\u00f6glich. Trotzdem habe ich nat\u00fcrlich eine Vorliebe f\u00fcr analoge, warme Sounds und nutze deshalb auch Fieldrecordings.<\/p>\n<p><em>Immer wieder trifft man bei dir auf eine gewisse Ironie, sowohl bei Titeln wie \u201eAufstand der Kn\u00f6pfchendreher\u201c als auch in der Verwendung bestimmter Sounds&#8230;<\/em><\/p>\n<p>&#8230;das ist gut, dass du darauf hinweist. Schon allein der Album-Titel \u201eTons Of Fun\u201c deutet das ja an. Trotzdem ist mir wichtig, dass es eine zweite Ebene gibt. Ich habe ein Video gedreht, in dem sich Hochglanzfimenlogos um sich selbst drehen. Was genau die Message sein soll, wei\u00df ich auch nicht, aber es ist vielleicht nicht alles nur ein Riesenspa\u00df.<\/p>\n<p align=center>\n<object width=\"480\" height=\"385\"><param name=\"movie\" value=\"http:\/\/www.youtube.com\/v\/-4yIIWbzhQc?fs=1&amp;hl=de_DE\"><\/param><param name=\"allowFullScreen\" value=\"true\"><\/param><param name=\"allowscriptaccess\" value=\"always\"><\/param><\/object>\n<\/p>\n<p><em>Freust du dich \u00fcber die so massive R\u00fcckkehr von Breakbeats in den letzten Jahren nach der langen Dominanz des 4\/4-Taktes?<\/em><\/p>\n<p>Auf jeden Fall! Trotzdem bin ich kein 4\/4-Gegner. Positiv \u00fcberrascht hat mich, dass Minimal so popul\u00e4r geworden ist, f\u00fcr mich war das Mitte\/Ende der 90er ja immer noch Nischenmusik. Mich interessieren aber oft die Sachen die ein wenig am Rande passieren. Total geflasht hat mich im letzten Jahr (2008) der Holl\u00e4nder 2562 mit seinem Album \u201eAerial\u201c. Das war f\u00fcr mich ein Meilenstein in Sachen Produktion und Klarheit. Das &#8222;Tons Of&#8230;&#8220; nicht genauso klingt ist eigentlich schade&#8230; (lacht).  <\/p>\n<p>\nFr\u00fcher haben mich Jan Jelinek und sein Farben-Projekt begeistert. Beim Versuch, auch mal so einen Track zu machen, bin ich aber gescheitert. Oft entsteht so aber etwas Neues. Man sollte einfach den Mut haben, dass dann trotzdem so stehen zu lassen.<\/p>\n<p><em>Fehlt dir diese Experimentierfreudigkeit in der gegenw\u00e4rtigen Clublandschaft?<\/em><\/p>\n<p>Ich w\u00fcrde mir w\u00fcnschen dass wieder mehr aus unterschiedlichen Spektren der elektronischen Musik gesch\u00f6pft wird, daf\u00fcr gibt es viel zu viel gute Musik.  Derzeit habe ich ein Faible f\u00fcr wonky HipHop, fette, \u00fcberkomprimierte Beats. Ich war kurz davor mir ein Ticket nach Los Angeles zu besorgen, um mir mal die Szene um Flying Lotus anzuschauen, nachdem ich ein Video von Mary Anne Hobbs dar\u00fcber gesehen habe.<\/p>\n<p><em>Wie steht es um dein Live-Projekt? K\u00f6nnte davon in Zukunft auch etwas auf Tontr\u00e4ger gebannt werden?<\/em><\/p>\n<p>Durch die Instrumentierung bekommt die Musik live einen ziemlich gro\u00dfen Indie-Touch. Mir gef\u00e4llt das, denn in diesem Postrock-Umfeld f\u00fchle ich mich rein geschmacklich auch sehr wohl. Meine Bandmitglieder dr\u00e4ngen darauf, auch mal etwas davon aufzunehmen. Ich finde an einem Konzert aber gerade das Tolle, dass es ein einmaliges, nicht konservierbares Erlebnis ist. Ausschlie\u00dfen m\u00f6chte ich aber nichts.<\/p>\n<p><strong>Anmerkung:<\/strong> Ein wenig schade ist es, das vielen Bookern offenbar noch immer der Mut fehlt, einer Formation wie Jean-Michel einen Platz bei einem Clubabend einzur\u00e4umen. So verwundert es wenig, dass sich die meisten Live-Auftritte bisher eher im Konzertkontext abspielten. Neben einem Gig beim Dortmunder Juicy-Beats-Festival im Sommer spielten Jean-Michel im letzten Herbst auch als Support der D\u00fcsseldorfer Krautelektroniker Kreidler. Was man bei Jean-Michel live ungef\u00e4hr erwarten kann, l\u00e4sst sich in diesem Video bestaunen:<br \/>\n<\/p>\n<p align=center>\n<object width=\"480\" height=\"385\"><param name=\"movie\" value=\"http:\/\/www.youtube.com\/v\/8rgjjIOj0NY?fs=1&amp;hl=de_DE\"><\/param><param name=\"allowFullScreen\" value=\"true\"><\/param><param name=\"allowscriptaccess\" value=\"always\"><\/param><\/object><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein wenig skeptisch war ich schon, als ich im vergangenen Jahr in der April-Ausgabe der De:Bug ein Album namens &#8222;Tons Of Fun&#8220; eines gewissen Jean-Michel auf Platz 1 der Monatscharts entdeckte. 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