{"id":6572,"date":"2015-03-28T10:36:33","date_gmt":"2015-03-28T09:36:33","guid":{"rendered":"http:\/\/realvinylz.net\/?p=6572"},"modified":"2015-03-29T00:22:23","modified_gmt":"2015-03-28T23:22:23","slug":"back-to-intrinsisches-entertainment","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/realvinylz.net\/?p=6572","title":{"rendered":"Back to: Intrinsisches Entertainment"},"content":{"rendered":"<blockquote><p><strong>@subkid<\/strong> \u2013 28.03.15 \u2013 01:43 Uhr<\/p><\/blockquote>\n<p>Nabend!<br \/>\nDu wirfst mir augenzwinkernd Eskapismus vor. Aber ist das Eskapismus, der mich in meiner letzten Mail nach Island fl\u00fcchten lassen wollte? Ich wei\u00df nicht. Nicht nur, vielleicht. Ich glaube einfach nicht mehr an den Sinn des Netzes f\u00fcr mein privates Leben. Beruflich, klar: <strong>Mail<\/strong>, <strong>WeTransfer<\/strong>, <strong>iTunes Store <\/strong>und <a href=\"http:\/\/www.avid.com\/DE\/onlinesupport\">Avid Knowledge Base<\/a> will ich nicht mehr missen. Vielleicht vermischen du und Andere auch zu sehr private und berufliche Anspr\u00fcche an das Internet. Denn wenn man an dieses nur rein berufliche Anfordungen stellen w\u00fcrde, w\u00e4re kaum der Mythos von der neuen, freien, digitalen Gesellschaft entstanden. Ich fl\u00fcchte also nicht vor einem System das ich ablehne, sondern privat entziehe ich mich diesem System, weil es mir privat kaum etwas bringt.<\/p>\n<p>Aber zu meiner Sicht auf das Internet noch einmal genauer:<\/p>\n<blockquote><p>Die M\u00f6glichkeit des Internets, den Teilnehmern schnellere und direktere Kommunikation zu erm\u00f6glichen, will ich ihm ja auch gar nicht absprechen. Kann schon ein toller Nebeneffekt dieses milit\u00e4rischen Verteidigungsnetzwerkes sein. Aber seine St\u00e4rken (au\u00dferhalb von Verteidigung) hat es bis jetzt nur auf dem \u00f6konomischen Sektor gezeigt.<\/p><\/blockquote>\n<ul>\n<p>&#8211; Finanztransaktionen gehen schneller und damit billiger. Was aber auch erhebliche Nachteile haben kann, wie wir z.B. am <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Flash_Crash\">Flash Crash<\/a> sehen mussten. Oder an Kreditkartenhacks.<\/p>\n<p>&#8211; Verk\u00e4ufer k\u00f6nnen potenziell ohne grosse Kosten Milliarden Konsumenten ansprechen. \u00bbThe world is flat\u00ab und so. Birgt leider die Gefahr der Monopolisierung.<\/p>\n<p>&#8211; Emaildienste und Suchmaschinen stellen ihre Services nur umsonst zur Verf\u00fcgung, weil sie die Kommunikation f\u00fcr Zielgruppenanalysen verwenden k\u00f6nnen.\n<\/ul>\n<p>Und, und, und &#8230;<br \/>\n<!--more--><br \/>\nJetzt k\u00f6nnte man sagen: Ja, ist halt gerade noch Wildwest-Stimmung, weil neu. Dann muss der Gesetzgeber halt Rahmenbedingungen schaffen wie in der analogen Marktwirtschaft auch. Was aber nur global funktionieren kann, dort aber nicht konsensf\u00e4hig sein wird. Wenn man es dann regionaler gestalten wollen w\u00fcrde (um es regulieren zu k\u00f6nnen), m\u00fcsste man leider die Utopie der neuen freien digitalen Gesellschaft aufgeben (denn die Utopie ist ja gerade die der weltumspannenden Kommunikationsm\u00f6glichkeit mit jedem Erdenb\u00fcrger) und dann h\u00e4tte man nur noch ein <strong>Internet light<\/strong> wie in China, Russland oder Nordkorea etc.<\/p>\n<blockquote><p>Das Internet ist also ein globales Kommunikationsnetzwerk, dessen Vorteile bis jetzt nach den Milit\u00e4rs nur den Unternehmern zugute gekommen sind.<\/p><\/blockquote>\n<p>Vielleicht ist auch das eine Erkl\u00e4rung f\u00fcr die Zunahme an Narzissmus. Denn die normalen (privaten) Netzbewohner gingen &#8211; nachdem sie feststellen mussten, dass das Internet ihnen eigentlich gar nicht so viel bringt au\u00dfer ein paar Annehmlichkeiten (<em>das Bahnticket erst kaufen wenn der Schaffner in Sichtweite ist, die Heizung anstellen, wenn man auf dem Weg nach Hause ist &#8211; auch das aber eigentlich schon \u00f6konomische Nutzungen, da es ja mehr noch als um Bequemlichkeit darum geht, die eigenen Transportkosten oder die Heizkosten zu minimieren<\/em>) &#8211; dazu \u00fcber Unternehmer ihrer Selbst zu werden (s. <strong>Aufmerksamkeit<\/strong>). Und wenn man sein <strong>Sein im Netz<\/strong> erst einmal anf\u00e4ngt als ein <strong>unternehmerisches<\/strong> zu betrachten: Ja, dann offenbart sich einem pl\u00f6tzlich das ganze Potential des Internets, dann umweht einen dieser Duft des neuen Kontinents, der neuen Welt, der ungeahnten, unendlichen M\u00f6glichkeiten.<\/p>\n<blockquote><p>Mir ging das damals bei facebook so. Die ersten paar Monate dachte ich: Ja und? Dass ich mich jetzt mit der Schweizerin und dem Gladbacher lapidar unterhalten kann, das ist alles? Das soll diese sagenumwobene neue facebook-Welt sein, von der alle reden?<\/p><\/blockquote>\n<p>Aber als ich dann lernte, wie ich mit diesem Kommunikationstool umgehen konnte (Community aufbauen, darin aktiv sein, kommentieren, posten, witzig sein, politisch sein, sch\u00f6n sein, kreativ sein &#8230; &#8211; dann ging es pl\u00f6tzlich ab und ich hatte diesen Aha-Effekt!<\/p>\n<p>Womit ich tats\u00e4chlich wieder zum Ausgangspunkt unserer Debatte zur\u00fcckkomme.<br \/>\nDas Internet hat die Effizienz des globalen Handels ungemein gesteigert. Unternehmer freuen sich. Aber nebenbei hat es leider auch noch die letzte Bastion der Ineffizienz, n\u00e4mlich die Freizeit, die Privatsph\u00e4re geschliffen und auch den kleinsten Arbeiter zu einem modernen Unternehmer gemacht. Und das &#8211; wie absurd &#8211; zu einem Unternehmer, der teilweise noch nicht einmal was verdienen will (\u00bbist ja nur Freizeit\u00ab) &#8211; au\u00dfer Aufmerksamkeit &#8230; <strong>Back to intrinsisch<\/strong> &#8230;<\/p>\n<p>Habe \u00fcbrigens endlich die M\u00f6glichkeit \u00bbdie \u00d6konomie der Aufmerksamkeit\u00ab zu lesen. Werde in den n\u00e4chsten Wochen probieren nach und nach eine Zusammenfassung dieses Essays hier zu ver\u00f6ffentlichen. Es sei denn, du willst es selber lesen &#8230;<br \/>\nUnd ich glaube du solltest es lesen. Denn das Verst\u00e4ndnis des Themas der <strong>\u00d6konomisierung der Aufmerksamkeit<\/strong> und damit der Kommunikation (das Buch ist aus einem kleineren Text \u00fcber menschliche Kommunikation hervorgegangen &#8211; These: \u00bbJede menschliche Kommunikation ist ein Tauschhandel: aufmerksam sein, Aufmerksamkeit erfahren\u00ab) ist glaube ich von zentraler Bedeutung f\u00fcr unsere Debatte. Und somit auch f\u00fcr L\u00f6sungsans\u00e4tze, sollten wir denn welche erarbeiten wollen. Denn wenn das Internet ein Kommunikationsnetzwerk ist und in ihm neben dem guten alten Geld Aufmerksamkeit zu einer wichtigen W\u00e4hrung geworden ist (denn schlie\u00dflich verkehren in ihm mehr Worte als Waren), dann muss sich die Utopie der neuen freien digitalen Gesellschaft auch daran messen lassen, wie sie mit der neuen W\u00e4hrung umgeht. Erkennt die digitale Gesellschaft sie \u00fcberhaupt an?<\/p>\n<blockquote><p>Oder, pessimistisch runtergebrochen: Man ertr\u00e4umte sich den Anarchismus und raus kam leider nur eine totalit\u00e4re, globale, hocheffiziente Wirtschaft, deren einzige Neuerung es war, auf einer anderen W\u00e4hrung als Geld zu basieren.<\/p><\/blockquote>\n<p>Kann eine neue W\u00e4hrung auch eine Chance sein? Hat diese W\u00e4hrung die Kraft, das System, in dem sie zirkuliert, neu zu ordnen? Oder f\u00fcgt sie sich nahtlos in das Alte ein?<\/p>\n<p>Q<\/p>\n<p>Tiny Daily Networking (zum Thema)<br \/>\n<a href=\"http:\/\/www.zeit.de\/gesellschaft\/zeitgeschehen\/2015-03\/medien-berichterstattung-germanwings-flugzeugabsturz\">zeit.de<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>@subkid \u2013 28.03.15 \u2013 01:43 Uhr Nabend! Du wirfst mir augenzwinkernd Eskapismus vor. Aber ist das Eskapismus, der mich in meiner letzten Mail nach Island fl\u00fcchten lassen wollte? Ich wei\u00df nicht. Nicht nur, vielleicht. Ich glaube einfach nicht mehr an den Sinn des Netzes f\u00fcr mein privates Leben. 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