{"id":6582,"date":"2015-03-29T10:08:10","date_gmt":"2015-03-29T08:08:10","guid":{"rendered":"http:\/\/realvinylz.net\/?p=6582"},"modified":"2015-03-31T17:42:30","modified_gmt":"2015-03-31T15:42:30","slug":"re-back-to-intrinsisches-entertainment","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/realvinylz.net\/?p=6582","title":{"rendered":"Re: Back to: Intrinsisches Entertainment oder \u00bbThe Sirenenserver Diaries\u00ab"},"content":{"rendered":"<blockquote><p><strong>@rumpusQ<\/strong> &#8211; 29.03.15 &#8211; 00:23 Uhr<\/p><\/blockquote>\n<p>Hi!<br \/>\nIch denke wir n\u00e4hern uns langsam dem Kern der Angelegenheit. Ein paar deiner Gedanken (\u00bbJede menschliche Kommunikation ist ein Tauschhandel: aufmerksam sein, Aufmerksamkeit erfahren\u00ab, \u00bbdas Internet (ist) ein Kommunikationsnetzwerk (&#8230;) in dem (&#8230;) Aufmerksamkeit zu einer wichtigen W\u00e4hrung geworden ist\u00ab) kamen ja auch bei mir schon implizit vor. Und deine Fragestellung \u00bbKann eine neue W\u00e4hrung auch eine Chance sein? Hat diese W\u00e4hrung die Kraft, das System, in dem sie zirkuliert, neu zu ordnen?\u00ab geht genau in die richtige Richtung.<\/p>\n<p>Sch\u00f6n fand ich auch deine Beobachtung, dass \u00bbwenn man sein Sein im Netz erst einmal anf\u00e4ngt als ein unternehmerisches zu betrachten: Ja, dann offenbart sich einem pl\u00f6tzlich das ganze Potential des Internets, dann umweht einen dieser Duft des neuen Kontinents, der neuen Welt, der ungeahnten, unendlichen M\u00f6glichkeiten.\u00ab <\/p>\n<p>Bei mir wurde dieser wohlbekannte Thrill, die euphorische <strong>Ich-AG<\/strong>isierung des Netzes, zu dem unangenehmen Gef\u00fchl, \u00bbdass im Netzwerk keine Menschen zu uns sprechen, sondern Waren auf dem langen Aufstiegsweg zur Star-Ware.\u00ab<\/p>\n<p>Bevor wir aber \u00fcber L\u00f6sungsans\u00e4tze diskutieren, w\u00fcrde ich gerne unsere Abstraktion der hochmotivierten und leistungsbereiten Netz-Unternehmer auf empirische F\u00fc\u00dfe stellen, mit ein paar Kurzbiografien von Menschen die ich pers\u00f6nlich kenne. Die Namen sind abgek\u00fcrzt und\/oder ver\u00e4ndert:<\/p>\n<blockquote><p><strong>The Sirenenserver-Diaries<\/strong><\/p><\/blockquote>\n<p>J. war einer der ersten Menschen mit denen ich das Internet erforscht habe. Damals hie\u00dfen die <strong>Sirenenserver<\/strong> noch <a href=\"http:\/\/www.sendmoreinfo.com\/\">sendmoreinfo.com<\/a> und <strong>SaveBySurf<\/strong> (<a href=\"http:\/\/www.golem.de\/9912\/5607.html\">alter Artikel von 1999<\/a>) und waren plumpe Versuche das <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Netzwerk-Marketing\">Multi-Level-Marketing<\/a> ins Netz zu bringen.<br \/>\n<!--more--><br \/>\nIch stieg schnell wieder aus, aber J. &#8211; der vorher sein Geld mit dem Uml\u00f6ten der Sony Playstation verdient hatte &#8211; kippte voll darauf ein. \u00dcber einen RL-Kontakt (am schwarzen Brett der Uni K\u00f6ln) begann er eine Seite f\u00fcr <a href=\"https:\/\/www.google.de\/search?q=beamtenkredite\">Beamtenkredite<\/a> auf Google zu pushen. <\/p>\n<blockquote><p>J. begann sich tiefer und tiefer in die Geheimnisse der <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Suchmaschinenoptimierung\">SEO<\/a> zu graben und verdiente zeitweise seinen Lebensunterhalt damit. Die erste Krise kam im Januar 2004 mit dem <a href=\"http:\/\/www.seo-kueche.de\/seo-lexikon\/florida-update\/\">Florida Update<\/a>. J. verlor seine monatliche Rendite und musste neue Strategien erdenken. Google hatte gemerkt, dass die SEO-Fummeleien und das \u00dcberschwemmen des Internets mit Fake-Content (siehe auch <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Linkfarm\">Linkfarmen<\/a>) die Suchmaschinen verstopften &#8230;<\/p><\/blockquote>\n<p>J. treibt sich noch heute auf Business-to-Business-Sirenenservern wie <a href=\"http:\/\/www.adbutler.com\/index.spark?trt=nmi\">AdButler<\/a> (<em>The Most Loved Ad Server to Maximize Revenue<\/em>) rum und verkauft u.a. <a href=\"https:\/\/www.fatboy.com\/de\/\">Fatboy-Sitzs\u00e4cke<\/a>. Seine Miete bezahlt er aber von seinem Job als Elektrotechniker.<br \/>\n&#8212;&#8212;&#8212;<br \/>\nS. ist ein Ex-Knacki, der die gr\u00f6\u00dfte mir bekannte Reggae-Sammlung in CD und Vinyl besitzt. Er hat einen normalen Handwerksberuf und verkauft im Sommer Merchandise auf Reggae-Festivals im In- und Ausland. Au\u00dferdem hat er einen florierenden eBay-Shop. Er hat mir mal gesagt, dass er den Sinn von Freizeit nicht versteht. Wenn er bei eBay hockt, k\u00f6nne er wenigstens Kohle machen.<br \/>\n\u00bbNur Bares ist Wahres\u00ab, pflegt er zu sagen. Er verkauft nicht nur CDs, sondern auch Bangladesch-Reggae-Ramsch. Trotzdem \u00e4rgert er sich \u00fcber die immer schlechter werdenden Konditionen auf eBay. Zuviele H\u00e4ndler machen den Markt hypertransparent, so dass man nicht mehr Pfennigartikel f\u00fcr zweistellige Eurobetr\u00e4ge verh\u00f6kern kann. In der wenigen Freizeit beklagt sich S. \u00fcber die Kommerzialisierung des Reggae und das sinkende Interesse der nachwachsenden Generation f\u00fcr die Roots des Reggae und Dub.<br \/>\n&#8212;&#8212;&#8212;<br \/>\nG. ist Leiter eines Gospelchors im Rheinland. Er und seine Frau haben regionale Textilwaren in einem Shop in der Fu\u00dfg\u00e4ngerzone verkauft &#8211; geh\u00e4kelte Deckchen, rauhe Tagesdecken, anachronistische Stickbilder &#8211; so&#8217;n Kram. Da die Ladenmiete nicht mehr reinkam und die Arbeit hinter der Ladentheke so zeitraubend ist, ist G. ins Netz abgewandert. <\/p>\n<blockquote><p>Zwar m\u00fcsse man jetzt mit Textilkleinkr\u00e4mern aus der ganzen Welt wettbewerben, sagte er k\u00fcrzlich meinem Vater, aber wenn man seine Nische gefunden habe, dann ginge es einigerma\u00dfen gut. Allerdings geht viel Zeit an der \u00bbHotline\u00ab drauf &#8211; die \u00e4ltere Kundschaft ist sehr \u00bbserviceintensiv\u00ab.<\/p><\/blockquote>\n<p>Als ich ihm erz\u00e4hle, dass auf <a href=\"http:\/\/www.etsy.com\/\">etsy.com<\/a> (<em>Your place to buy and sell all things handmade<\/em>) junge Gro\u00dfst\u00e4dterInnen ihren Weg in das Kleinunternehmertum h\u00e4klen und stricken, ist er ba\u00df erstaunt. \u00bbLohnt sich das denn?\u00ab<br \/>\n&#8212;&#8212;&#8212;<br \/>\nP. ist angehender Schriftsteller und nicht mehr ganz so jung. Seit 15 Jahren stellt er seine Texte ins Netz, bloggt, schreibt in Wikis auf Foren und auf zahlreichen Plattformen. Jede neue Seite, die verspricht \u00bbkollaborativ zu schreiben\u00ab, \u00bbnon-linear zu erz\u00e4hlen\u00ab, die neuen crossmedialen M\u00f6glichkeiten zu nutzen oder <a href=\"http:\/\/wondermags.com\/de\/\">sein eigenes Magazin zu releasen<\/a> (<em>Create. Publish. Ka-Ching!<\/em>) fixen ihn an und machen ihn gleichzeitig nerv\u00f6s. Die Anderen machen das doch auch. Und sind damit erfolgreich? Die Fotos auf den Blogs und Websites zeigen erfolgreiche urbane Menschen, die mit Latops oder Tablets im Kaffee sitzen. Be your own Captain! Der digitale B\u00f6hme. Ein Schriftsteller braucht doch ein Publikum!? Bei facebook clicken ab und zu ein paar Leute \u00bbGef\u00e4llt mir!\u00ab. Und der Dings hat seine Gothic-eBook-Serie selbst verlegt. War total erfolgreich &#8230; Irgendwann muss es klappen. Qualit\u00e4t setzt sich doch durch?<\/p>\n<blockquote><p>\u00bbCheerleader k\u00fcsst man nicht\u00ab, \u00bbHerzklopfen und kalte F\u00fc\u00dfe\u00ab, \u00bbGl\u00fcck auf Gansett Island\u00ab, \u00bbEin Strau\u00df voller Liebe\u00ab, \u00bbLavendelmond\u00ab<br \/>\n<a href=\"http:\/\/www.amazon.de\/gp\/bestsellers\/digital-text\/530886031\/ref=zg_bs_nav_kinc_1_kinc\">Top 100 Kindle Charts<\/a><\/p><\/blockquote>\n<p>&#8212;&#8212;&#8212;<br \/>\nO. ist leidenschaftlicher Fotograf und eine Art Dichter. Er hat eine kleine Familie und womit er \u00bbsein Geld verdient\u00ab wei\u00df ich gar nicht. Jedenfalls durchstreift er fast t\u00e4glich den Prenzlauer Berg und macht Fotos von klarer Sch\u00f6nheit. Oft mit verstecktem Humor, manchmal traurig. Aufmerksame Beobachtungen die locker als <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Vivian_Maier\">Vivian Maier<\/a>-eske Stra\u00dfenfotografie und Epochendokumentation durchgehen. Au\u00dferdem schreibt er Aphorismen auf twitter. Dutzende t\u00e4glich. Anfang des 19. Jahrhunderts w\u00e4re er Mitglied einer K\u00fcnstlergemeinschaft gewesen &#8211; vieleicht geht das heute auch noch. In den sozialen Netzwerken geht seine Kunst im allgemeinen Rauschen unter. Es sei denn, man ist ein Perlentaucher &#8230;<br \/>\n&#8212;&#8212;&#8212;<\/p>\n<p>Und auf keinen Fall d\u00fcrfen wir deine <strong>Freizeit<\/strong> vergessen, die \u00bbletzte Bastion der Ineffizienz\u00ab! So \u00e4hnlich hat es <a href=\"http:\/\/www.taz.de\/!111901\/\">Wolfgang M\u00fcller<\/a> auf einer Lesung heute abend auch ausgedr\u00fcckt. \u00bb<strong>Freizeit<\/strong> ist da, wo abseits der Produktivit\u00e4tslogik Neues entstehen kann\u00ab &#8211; oder so \u00e4hnlich. Und diese Freizeit wollen wir tats\u00e4chlich nicht im Netz vergeuden, oder?<\/p>\n<p>Sub_Kid<\/p>\n<p><strong>My Tiny Daily Networking (zum Thema)<\/strong><br \/>\n<a href=\"http:\/\/www.fastcodesign.com\/3044350\/facebooks-10-year-plan-to-become-the-matrix\">fastcodesign.com<\/a>, <a href=\"http:\/\/www.dwdl.de\/hoffzumsonntag\/50332\/der_journalismus_existiert_nicht_mehr\/\">dwdl.de<\/a>, <a href=\"http:\/\/www.zeit.de\/wirtschaft\/2015-03\/kuenstliche-intelligenz-mensch-maschine\/komplettansicht\">zeit.de<\/a>, <a href=\"http:\/\/www.merkur-blog.de\/2015\/03\/grundeinkommen-statt-urheberrecht-freiheit-und-soziale-absicherung-im-digitalen-zeitalter\/\">merkur-blog.de<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>@rumpusQ &#8211; 29.03.15 &#8211; 00:23 Uhr Hi! Ich denke wir n\u00e4hern uns langsam dem Kern der Angelegenheit. 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