{"id":747,"date":"2010-05-29T23:56:24","date_gmt":"2010-05-29T22:56:24","guid":{"rendered":"http:\/\/www.realvinylz.de\/urban-klassiker\/diggin-the-crates-cymande\/"},"modified":"2014-09-11T16:47:43","modified_gmt":"2014-09-11T14:47:43","slug":"diggin-the-crates-cymande","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/realvinylz.net\/?p=747","title":{"rendered":"Diggin&#8216; The Crates: Cymande"},"content":{"rendered":"<p>Wohl wenige Bands sind so pr\u00e4destiniert f\u00fcr die Diggin&#8216;-Rubrik wie <strong>Cymande<\/strong>. Das Londoner Kollektiv mit karibischen Wurzeln ver\u00f6ffentlichte zwischen 1971 und 1974 drei Alben und verschwand danach f\u00fcr viele Jahre in den hinteren Schubl\u00e4den staubiger Plattenl\u00e4den. Obwohl <strong>Cymande<\/strong> nach Ver\u00f6ffentlichung ihres selbstbetitelten Deb\u00fctalbums gemeinsam mit der Soul- und Gospellegende Al Green durch die USA tourten und dabei sogar zu einem Gig im legend\u00e4ren New Yorker Apollo Theater gelangten, blieb ihnen der gro\u00dfe Mainstream-Erfolg versagt. Ihr hybrider Entwurf von Funk, der Elemente des Calypso, Jazz, Motown-Soul, Afrobeat und sogar Psychedelic Rock vereinigte, war wohl f\u00fcr eine gerade von James Browns &#8218;Sexmachine&#8216;-Phase in den Bann gezogene \u00d6ffentlichkeit einfach zu komplex.<\/p>\n<p align=\"center\"><img src='http:\/\/www.realvinylz.net\/wp-content\/uploads\/cymande-04.jpg' alt='cymande-04.jpg' width=350><\/p>\n<p>Meine erste Begegnung mit <strong>Cymande<\/strong> geschah eher untypisch \u00fcber den Umweg zweier Compilations aus dem Umfeld des Berlin-Karlsruher Innervisions-Labels, n\u00e4mlich Henrik Schwarz&#8216; <a href=\"http:\/\/www.discogs.com\/Henrik-Schwarz-DJ-Kicks\/release\/778196\">DJ Kicks<\/a> von 2006 und der letztj\u00e4hrigen, von Schwarz gemeinsam mit seinen Labelmates Dixon und \u00c2me kompilierten Minimal-Musik-Zeitreise <a href=\"http:\/\/www.discogs.com\/Henrik-Schwarz-%C3%82me-Dixon-The-Grandfather-Paradox\/release\/1681553\">The Grandfather Paradox<\/a>. Beide Compilations sind in ihrem etwas zu offensichtlichen und leicht pr\u00e4tenti\u00f6sen Checkertum (Arthur Russell, Steve Reich) genau meine Tasse Tee und featuren in Form von &#8218;Anthracite&#8216; und des gesanglastigen &#8218;For Baby Oh&#8216; jeweils eine der unz\u00e4hligen Nischen des schillernden Cymande-Universums.<\/p>\n<p>In HipHop-Kreisen sind Cymande aber dank Rotation auf solch sakralen Plattentellern wie denen von Kool Herc und Grandmaster Flash schon l\u00e4nger keine Unbekannten. Sp\u00e4testens seit <strong>De La Souls<\/strong> kongenialer Verwendung von <strong>Bra<\/strong> f\u00fcr <strong>Change In Speak<\/strong> auf ihrem 1989er-Deb\u00fct <strong>3 Feet High And Rising<\/strong> ist ihnen der Platz im kollektiven Sample-Ged\u00e4chtnis nicht mehr zu nehmen.<\/p>\n<p>\nEin Jahr sp\u00e4ter zog <strong>Masta Ace<\/strong> nach und bediente sich f\u00fcr <strong>Me And The Biz<\/strong> bei <strong>The Message<\/strong> und seinen ohrwurmtauglichen Bl\u00e4sers\u00e4tzen.<br \/>\nDie <strong>Fugees<\/strong> bescherten Cymande schlie\u00dflich 1996 ganz warholesk einen so unverhofften wie kurzen Moment echten Mainstream-Fames, als sie den Titeltrack ihres Albums <strong>The Score<\/strong> auf dem bekifften <strong>Dove<\/strong> (&#8218;Cymande&#8216; bedeutet im Calypso-Slang &#8218;Taube&#8216;) aufbauten. Jedoch lohnt sich auch abseits nerdiger Sample-Genealogie eine Reise in den Cymande-Kosmos. <\/p>\n<p>Ihr drittes und letztes Album <strong>Promised Heights<\/strong> h\u00e4tte sich mit seinem vision\u00e4ren SlowMo-Funk auch gut in der mehr als 20 Jahre sp\u00e4ter grassierenden Downtempo-Welle um Kruder &#038; Dorfmeister gemacht. Darauf findet sich mit <strong>Brothers on the Slide<\/strong> auch der nicht nur dank der Nightmares On Wax-Dubversion heute wohl bekannteste Cymande-Song. <\/p>\n<p>\nEin simpler Gitarrenlick und provozierend l\u00e4ssiger Groove sorgen weit vor Drexciya und Rhythm &#038; Sound f\u00fcr den perfekten Soundtrack zum transatlantischen Rhizom-Wachstum. Das &#8218;Promised Heights&#8216; in den USA zuerst gar nicht ver\u00f6ffentlicht wurde, wundert angesichts der in Rassenfragen \u00e4u\u00dferst konservativen amerikanischen Musikindustrie kaum. Alle drei Cymande-LPs sind mehrfach re-released und u.a. bei <a href=\"http:\/\/www.hhv.de\/index.php?action=topSearch&#038;match=cymande&#038;x=0&#038;y=0\"><strong>hhv.de<\/strong><\/a> zu ziemlich g\u00fcnstigen Preisen zu ergattern.<\/p>\n<p align=center>\n<object width=\"480\" height=\"385\"><param name=\"movie\" value=\"http:\/\/www.youtube.com\/v\/tZP2Uk9vlxY?fs=1&amp;hl=de_DE\"><\/param><param name=\"allowFullScreen\" value=\"true\"><\/param><param name=\"allowscriptaccess\" value=\"always\"><\/param><\/object><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wohl wenige Bands sind so pr\u00e4destiniert f\u00fcr die Diggin&#8216;-Rubrik wie Cymande. Das Londoner Kollektiv mit karibischen Wurzeln ver\u00f6ffentlichte zwischen 1971 und 1974 drei Alben und verschwand danach f\u00fcr viele Jahre in den hinteren Schubl\u00e4den staubiger Plattenl\u00e4den. 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