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Collage culturel – Episode 1 auf ARTE Creative

Die erste Folge meines meines Kunst-, Kultur-, Musik-, Creative Commons- und Remix-Formats Collage culturel ist Online auf ARTE Creative.

Der Kalifornier Thomas Chapman ist Collagekünstler. Die Grundlage für seine Bilder sind gefundene Stoffe, Zeichnungen, Bildschnipsel aus dem öffentlichen Raum. Collage culturel besucht Chapman in seinem Atelier. Wir sprechen über die Bedeutung von Arbeitsprozess, Konzept und Kunstobjekt, über die spirituellen Implikationen der Collage und begleiten ihn bei der Suche nach neuem Material auf den Strassen Berlins. Am Ende gibt es ein flammendes Plädoyer gegen nukleare und fossile Energie, das leider erschreckend aktuell ist.

Im Flashback befassen wir uns mit dem Erfinder des Cut-Ups: William S. Burroughs

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Collage culturel auf ARTE Creative

Für alle die es noch nicht wussten: ARTE plant einen neue Kreativplattform die Mitte diesen Monats Online gehen soll. Head Honcho ist der bestimmt vielen realvinylz-Lesern bekannte Blogger und Autor Alain Bieber von rebel:art, der seit Jahren fest in der Street Art-, Culture Jamming- und Netart-Szene verankert ist. Eine Selbstbeschreibung lautet wie folgt:

ARTE Creative ist ein internationales, redaktionell betreutes und interaktives Netzwerk für Künstler, Kreative, Kulturproduzenten und alle, die sich gerne überraschen und inspirieren lassen. ARTE Creative präsentiert qualitativ herausragende Arbeiten aus den Bereichen Kunst, Popkultur, Design und Architektur: Alle kreativen Felder von Fotografie, Malerei, Street Art, New Media, Netzkunst, Videokunst über Musik, Werbung, Gaming bis hin zu Grafik-, Produkt- und Webdesign, Typografie werden abgedeckt.

JUST wird in seiner Web-Doku “On the run with” Street Artists mit der Kamera begleiten, der Künstlerische Leiter der transmediale, Stephan Kovats, wird zur transmediale einen Festival-Channel moderieren und ich werde das Remix/Creative Commons/Mash-Up Format Collage culturel beisteuern:

Remixen ist die prägende Kulturtechnik des 21. Jahrhunderts. Collage culturel begibt sich auf die Suche nach der perfekten Verbindung der Stile, dem perfektem Beat und der perfekten Collage. Die Form ist der Inhalt: Collage culturel remixt sich permanent selbst. Die User erstellen einen wilden Mash-Up von Bild und Sound. Los geht’s mit dem Bootleg DJ Shir Khan, dem kalifornische Collagekünstler Thomas Chapman und den Berliner Modedesignerinnen c.neeon.

Der Künstler jeder Folge hinterlässt gegen Ende der Episode einen Musikschnipsel, ein Graffiti-Tag, einen Entwurf oder eine Skizze. Das Material das die Künstler zur Verfügung stellen steht zum Download auf ARTE Creative bereit. Die User können daraus einen eigenen Track unter Creative Commons-Lizenz produzieren und über eine Dropbox wieder ins Internet hochladen. Der beste Remix wird zum Titeltrack der nächsten Episode. Die beste Grafikbearbeitung kommt in den Vorspann und das Screendesign der Doku. Die User generieren den Inhalt von Folge zu Folge dynamisch neu.

Ich würde mich freuen auch einige realvinylz-Leser mit an Bord zu haben, ob als Remixer oder als Protagonisten. Wer in irgendeiner Weise mit Collage, Mash-Up oder Remix zu tun hat kann mir eine e-mail mit kurzem Profil schicken und wir werden in Kontakt treten.

P.S: Ab dem Start der Website wird meine Doku ‘Culture Jamming‘ auch endlich online verfügbar sein.

{Contains samples of the video “Nikeground – Rethinking Space” of Institute For New Culture Technologies}

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Igor And The Rattlesnake – Solar Sound System

„I quite like the Strokes as a comedy group, and I very much like the Strokes when their music is mixed up, in a bootleg sense, with the music of pole-dancing pop fiasco Christina Aguilera (…) The stupid sublime stitching together of heated machined pop dripping with money and reheated NY punk scratched out of the fake history books creates a ravishing blur of signals, signatures, speeds and gaps in time (…) at the end of the twentieth century (…) it was commercial pop that was more exciting than commercial rock.“
Paul Morley – Words And Music

Diese erschütternden Sätze gingen mir durch den Kopf, als ich heute die Ausstellung ‚Igor And The Rattlesnake – Solar Sound System‚ verließ. Was Morley da feststellt, geht nicht nur blutjungen ‚The‘-Band-Hörern und Intro-Lesern an den Kragen, sondern auch all denjenigen die immer noch an einen NY-Mythos der späten Siebziger Jahre – Blondie, Burroughs, Warhol, Patti Smith (just to name a few) – glauben. Das dies aber nicht zwangsläufig einen Sieg des Punk/Hyperpop-Mashups bedeutet, habe ich heute durch das Solar Sound System gelernt.

Igor And The Rattlesnake sind die Künstler Nik Nowak aus Berlin und Thomas Chapman aus Brooklyn und ihre Installation Solar Sound System ist noch bis zum 15. Mai in der Galerie Infernoesque zu sehen.

heidestrasse

Im strömenden Regen erreiche ich das East Village von Berlin, die Heidestrasse, wo Galerien, Labels und Clubs eine Industriebrache mit kulturellem Mehrwert versehen. Im Erdgeschoß des Aufgangs II, im Vorraum der Installation, treffe ich den Künstler Nik Nowak, im IR$$$$ MINIMART. Hier kann man in einer Asia-Gemüseladen-Atmosphäre alles von Klopapier über Fake-Kokain, Tampons, Apfelsinen bis hin zur CD ‚Igor and the Rattlesnake Solar Sound System‘ erwerben.

Letztere stellt den auditiven Teil der Installation dar, die mich im nächsten Raum erwartet:

soundsystem-i.jpg
Mother Sculpture

soundsystem-ii.jpg
Male Satellite

Die Installation besteht aus drei miteinander vernetzten Teilen, der Mother Sculpture (Verstärker und Subwoofer) und zwei Speaker-Satelliten die visuell männlich und weiblich codiert sind. Durch Materialien, Farbgebung und collagiertem Fotomaterial vermittelt die Installation erstmal ein Gefühl von Blackness und Alienation. Dies ist m.E. eine Basisstimmung, die den Hauptteil der Installation transportiert: Die Musik.

Produziert von Nik Nowak – der auch Beats und Tenor-Klacnisphniton spielt – ist die CD ‚Solar Sound System‘ das Werk von Niks Freundin Ronel Doual und Thomas Chapman als Vokalisten bzw. Lyricisten und dem Multi-Instrumentalisten Chris Gertges.

Schon in der Produktionsweise schwingt die Idee des Wild Bunch-Kollektivs aus Bristol mit, ein Referenzpunkt der auch in der schleppenden Dubbyness und Open-Mindness der Musik ankert (ich glaube sogar in den Drums des ersten Stückes ein Reminiszenz an Massive Attacks Blue Lines zu hören).

Auf diesem Grundgroove werden Spoken Words, jazzig bis freejazzige Saxophon-Einlagen, Clicks-n-Cuts und wunderschöne Conscious-Vocals collagiert. Alles in einer gutproduzierten Roughness, die einerseits DIY und andererseits hochprofessionell klingt.

Das hier ist das Retro von etwas, was vielleicht in dieser Konsequenz nie war: Brooklyn-Multitude, Hip-Hop, Post-Punk, State-Of-The-Art Beatprogramming, Jazz und Politik. Vielleicht ist Retro zu Unrecht als Nabelschau und Nostalgie verschrien, denn, wenn wie hier, an längst noch nicht ausformulierten Konzepten und Standards gearbeitet wird, macht das alles wieder Sinn…