Jack Hamil aka Space Dimension Controller, der schon auf dem (leider nicht mehr offiziell erhältlichen) factmag.com-Mix vom April mit warmen, originellen und unwiderstehlich funky(gen) Tracks überrascht hat, schlägt auf Resident Advisor erneut zu.

RA 231

Jack legt wert darauf, dass dieser Mix kein stupider Laptop-Jam ist, sondern auf seinem Electropod produziert wurde, der in einer Geheimbasis in einem unkartographierten Bereich des Atlantiks liegt. Er bearbeitet im Mixing-Prozess kleine Details und loopt Tracks, packt ein oder zwei Drumcomputer dazu und filtert was das Zeug hält. Mehr zu seiner persönlichen Mythologie in dem RA-Interview. Seine Debut-EP wird demnächst auf R&S-Records veröffentlicht.

[Mix nicht mehr freigeschaltet]

Girl Unit, der als zweiten Track in seinem Numbers-Mix direkt mal den Space Dimension Controller featured, sollte spätestens seit dem CC-Film A Remix Manifesto niemandem mehr ein Unbekannter sein. Quatsch, das war ja Girl Talk und nicht Girl Unit… Sehr unmainstreamig masht Girl Unit hier Miami Bass, Electro, Detroit Techno und einiges mehr extrem tanzbar zusammen.

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Numbers #37 – Girl Unit
Download

1. Lone – Once In A While (Werk)
2. Space Dimension Controller – SH-8040 (Acroplane)
3. LV & Okmalumkoolkat – Zharp (Hyperdub)
4. The Living Islands – Empire (Sam Tiba Remix) (Forthcoming Abracada)
5. Der Zyklus – Elektronishes Zeitechno (Gigolo)
6. Boddika – Boddika’s House (Naked Lunch)
7. Gant-Man – Atraxion (Melo Mix) (Unreleased)
8. Egyptrixx – Liberation Front (Forthcoming Night Slugs)
9. Lando Kal – Moist (Forthcoming Lo Fi Fnk)
10. Taylor – CMB (Girl Unit remix) (Forthcoming Super)
11. Jam City – Magic Drops (Forthcoming Night Slugs)
12. Salva – 40 Karats (Instrumental) (Unreleased)
13. Taz – Gold Tooth Grin (Forthcoming Numbers)
14. Ludacris – Slap (Instrumental) (Disturbing Tha Peace)
15. Ciara – Deuces Freestyle (Dubbel Dutch remix) (Unreleased)
16. Mista Men – Stutter (Unreleased)
17. DJ Rashad – Pop Them Thangs (Juke Trax)
18. DJ Assault – Tyrone (Jefferson Ave.)

Benzi & Diplo Artwork

Das Trio Mansion On The Moon aus Echo Park, von dem ich noch nie was gehört habe, die aber wohl Electro-Indie-Pop machen, hat sich – den Zeichen der Zeit gegenüber nicht taub – von State Of the Art-Künstlern wie N*E*R*D, Diplo, DJ Benzi etc. remixen lassen… Benzi & Diplo zeigen in ihrem Mix dass die Band einiges auf dem Kasten hat, auch wenn ich nicht sicher bin wie ich diese Musik jetzt einordnen soll. Wunderschön jedenfalls. Das Album von Mansion Of The Moon soll Anfang 2011 erscheinen.

Tracklist:

01 Introduction (Coldwater)
02 Glimpse Into the Future (Xaphoon Jones Remix)
03 This Life (DJ A Mad Decent Remix)
04 Satellite w/ Deadm08 She Makes Me Feelau5
05 Coldwater w/ Ced Hughes
06 Broken Paradise w/ Washed Out
07 Destroy Me
08 She Makes Me Feel
09 Lights Off w/ Junior Boys
10 Palm Of Your Hand
11 Space to Breathe (Big Gigantic Remix)
12 Last Call (Benzi & Willy Joy Remix)

Schnell gebloggt wegen Zahnausfalls – noch der Electronic Explorations-Mix von Untold mit ’some of the housey UK tunes that have come out of dubstep and US house that sounds like dubstep’…

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Untold – Electronic Explorations 92
[via&playlist&download]

Ich denke das sollte bis Sylvester reichen. Peace On Earth!

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Sub_Kid’s Mixtape Saturday: Move D, Chris Read & Marc Hype

We are the music makers, and We are the dreamers of dreams.
Arthur O’Shaughnessy

Im Dezember sehen meine Samstagnachmittage meist so aus, dass ich mir nach dem Sonnenuntergang langsam aber sicher die Glühweinkante gebe. Wenn der Glühwein aufhört zu schmecken und der Ambient-Puderzucker zu dick wird, muss erstmal ein kühles Bier her und ehrlicher-erdiger HipHop. Der kommt von Chris Read und Marc Hype die ‚funk fueled Christmas classics, forgotten Funk gems, a little Soul, Hip Hop from the 80s, 90s and beyond, and even a touch of Reggae and Latin all with that Christmas theme‘ ineinandermischen.

Wer jetzt noch in der Lage ist geradeaus zu gucken und wem die Temperaturen die Ausgeh-Stimmung nicht vermiest haben, für den ist ein leichter Hüftschwinger-Mix von David Moufang alia Move D genau das Richtige um zu Vodka-Red Bull zu wechseln und den Überraschungen der Berliner Nacht gelassen entgegen zu sehen …

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Benji B & Glenn Underground – Need2Soul Vol. 2 [N2SCD002]

Manchmal gibt es Lieder die hört man, ist völligst begeistert und weiß genau, dieses Stück wird man nie wieder im Leben hören. Doch dann kommt der alte Schlingel Benji B daher und beginnt eine CD mit Larry Levans Mix vom Celestial Choir und die Welt wird bunt oder besser deep und soulful. Zusammen mit Glenn Underground mixten der Filou den zweiten Teil der noch frischen Compilation-Serie Need2Soul, Ableger der gleichnamigen Party.

Underground Soul, Disco, House, auch mal Brazil, African, Deep oder Jazzy. Bei Glenn manchmal elektronischer, aber der hat ja auch mal bei DjaxUp released. Insgesamt sehr gut durchdachte, harmonische Auswahl und beste Mix-CD zum Glücklichsein in ruhigen Momenten.

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School of Stylez [Vol.2 – Dub, Grime, Dubstep] – Teil 2

(Fortsetzung von Teil 1)

Plötzlich sprechen wir von Grime:
„Grime ist eigentlich so eine Art UK HipHop. Er ist sehr MC-basiert. Sehr experimentell, sehr minimal. Am Anfang haben viele Kids ihre Tunes einfach auf der Playstation produziert. Die Grime-Szene ist wirklich sehr, sehr jung, die sind alle so 18, 19.“

Die musikalischen Einflüsse, die Grime in sich vereint, sind sehr vielfältig. Als Bruder von Dubstep sind seine nächsten Verwandten House, HipHop, R‘ n‘ B einerseits und Reggae, Dub sowie Raggamuffin andererseits. Diese dynamische Mixtur kommt aus dem Osten Londons. Hier leben die Kinder und Kindeskinder karibischer und afrikanischer Einwanderer aus dem Commonwealth. Unter dem Dach des UK entsteht hier im wahrsten Sinne des Wortes Weltkultur.

„Worüber die Jungs in den Songs reden – da kommt schon ziemlich hartes Zeug. Dieses ganze Gang bzw. Ghetto Thing … Die Szene ist auch, muss man sagen, relativ gewalttätig. Ich kenne Typen aus London, die gesagt haben, dass sie so was in England nicht spielen können, weil sich kein Promoter traut, das zu promoten. Da gibt’s ständig irgendwelche Schießereien, Stechereien. Aber musikalisch ist es sehr entspannt.“

Grime – Artikulation eines Teils der Jugend, der sich darüber im klaren ist, vom Geburtsland niemals vollständig angenommen zu werden, während der Weg in die alte Heimat der Väter abgeschnitten ist.

Dubstep – ein seltsamer Hybrid aus Dub und 2step. 2step ist, wenn man so will, eine Weiterentwicklung des House aus den späten 90er Jahren. Wesentlich am 2step ist seine vom Breakbeat beeinflusste, stark synkopierte Rhythmik, die eine Art Ziehen verursacht und fast unweigerlich dazu führt, dass der Hörer seine Tanzbewegungen auf einen Zweischritt, den 2step, koordiniert. Etwa so: Links-rechts, rechts-links, links-rechts, rechts-links … Eine Art von Disco-Fox also, was nicht verwundert, wenn man bedenkt, dass Housemusic im Disco der 70er wurzelt.

Folgende Linie lässt sich also ziehen: Disco – House – 2step. Und die fröhliche Tanz- und Partymusik trifft völlig unerwartet auf – Dub. Aus 2step wird Dubstep. Melancholie aus dem Londoner Süden.

„Dubstep ist ernsthafter, würde ich sagen. Das merkt man gleich bei der Musik, Dubstep ist eher monoton, mehr deep. Grime ist eher so … Kids halt, die es sich beweisen wollen auf die eine oder andere Weise. Dubstep ist sehr gebrochen, sehr minimalistisch. Ich will es vielleicht mal so unterscheiden: Grime ist eher schwarze Musik, und Dubstep geht schon wieder in die weiße Richtung, wo du Produzenten hast, die stundenlang frickeln und Monsterbässe machen.“

Fortsetzung folgt…

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School of Stylez [Vol.2 – Dub, Grime, Dubstep] – Teil 1

Ein Gespenst geht um in Europa: Dub, Grime, Dubstep. Seit den frühen 90er Jahren mit Techno, Breakbeat und TripHop, so wage ich zu behaupten, hat es keinen derart neuen Sound in der Popmusik gegeben. Was ist Dub? Was ist Grime? Was ist Dubstep?!

Sie mögen sich nun, liebe Leser, zurückgelehnt haben und zu sich selbst sagen: „Törichtes Gedröhne! Muss ich mir das antun? Musik von Underclass-Kids mit mangelhafter Bildung und Migrationshintergrund, aus Großstadtghettos, mit Gewaltpotential … da ist ja nicht mal ne richtige Melodie bei.“ Und Sie mögen damit recht haben. Aber Tatsache ist: Das Zeug rockt wie die Hölle.

Ich werde mich an einer Darstellung der Phänomene Dub, Grime, Dubstep versuchen, die sich an folgenden drei Disziplinen der Musikwissenschaft orientiert: Musikgeschichte, Musiktheorie, Musikethnologie. Welche historischen Wurzeln hat Dub? Lässt sich eine Theorie des Grime formulieren? Wie hat man sich eine Ethnie Dubstep vorzustellen, also einen Stamm, der Dubstep produziert und konsumiert?

Ich suche das Gespräch und fahre mit der Straßenbahn nach Berlin-Friedrichshain. Mein Weg führt mich in die Mainzer Straße zum Plattenladen Tricky Tunes. Sie werden es schon ahnen, liebe Leserinnen und Leser, es handelt sich hier um den wahrscheinlich coolsten Plattenladen der Stadt. „Bassline Provider“ steht auf dem Ladenschild geschrieben, und der Mann, den ich hier treffe, kann mit Fug und Recht „Koryphäe“ genannt werden. Dean Bagar alias Tricky D, seines Zeichens DJ, Besitzer von Tricky Tunes und Owner des gleichnamigen Labels. Seinen Laden betreibt er seit sieben Jahren. Seit Anfang der 90er lebt er in Berlin, davor war er ein paar Jahre in London. Geboren und aufgewachsen ist er im heutigen Kroatien, und gerade kommt er von einer Reihe von Veranstaltungen in europäischen Ländern zurück, bei denen Dean als Tricky D mit seinem Soundsystem mitgewirkt hat.

„Dub entwickelt sich. Es ist wirklich eine sehr, sehr breite musikalische Richtung, wenn es um Dub geht. Die Wurzeln liegen auf jeden Fall im Reggae.“

Zu Beginn der goldenen 70er Jahre wurde in Jamaika eine Musikproduktionstechnik entwickelt, die in den folgenden Jahrzehnten eine ungeahnte Wirkung auf die gesamte Ästhetik der Popmusik haben sollte. Es war eine sanfte Revolution, die hier in den Tonstudios der Karibik ihren Ausgang nahm. Sie bestand im schlichten Weglassen der meisten Tonspuren eines Reggae-Songs, bis nur noch Rhythmus und Basslinie übrig blieben. Aus dieser rhythmisch-harmonischen Verdichtung konnten im zweiten Schritt neue Klangräume erschlossen werden.

Durch Ein- und Ausblenden, Zu- und Wegschalten der Gesangs- und Instrumentalspuren mit reichlich Hall und Echo. Der Akt der Umwälzung vollzog sich also auf medialer Ebene: Das Mischpult im Tonstudio wurde zum Musikinstrument. Von der Dub-Technik zum „Musikant mit Taschenrechner in der Hand“ war es nur noch ein Schritt.

Der Einfluss des Dub, der inzwischen eine eigene musikalische Richtung geworden ist, ist stilübergreifend und international. Seinen Niederschlag fand er zweifelsohne in der neuen Elektronischen Musik der Gruppe Kraftwerk, deren „Trans Europa Express“ wiederum den frühen amerikanischen HipHop geprägt hat, der seinerseits im Funk eines James Brown wurzelt.

So entwickelte sich ein Sound für die Zukunft: Dub-Ästhetik, Mensch-Maschinen, Funkyness und die Power der Deklassierten.

Fortsetzung folgt…

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jahtari.org – 8Bit Dub

Was hat ein C64 mit Dub zu tun?

Für Follower der wahren Lehre von King Tubby, Scientist oder Lee ‚Scratch‘ Perry wahrscheinlich gar nichts, bis auf eine zufällige chronologische Überschneidung der Entwicklungsperiode. Wer aber – wie ich – das Wort Dub zum ersten Mal auf einer 88er Acid-12″ gelesen hat und eine minimalistische und roughe Dekonstruktion der klassischen Vers/Refrain-Struktur damit verbindet, dem leuchtet vermutlich die materialästhetische Verwandtschaft eher ein.

Die Struktur eines Dub-Tracks basiert auf dem Minimalismus von Riddim, Bass und Sound und ein ähnlich reduziertes Setup stand auch den C64-Soundchip-Pionieren und 4-Spur-Trackerprogrammen auf Atari 1040 ST und Amiga 500 zur Verfügung. Was läge da näher als die programmatische Rezeptur von Dub (die im klassischen Sinne Deepness erzeugt) mit den technischen Grenzen von digitaler Musikproduktion im 8bit-Zeitalter zu kreuzen?

Das Leipziger Digital Laptop Reggae-Label jahtari.org definiert das selbstentwickelte Genre folgendermaßen: DLR ist strikt Riddim-basiert, wird mit nichts als einem Laptop produziert und ist folglich 100% digital. Laut jahtari.org-Vordenker disrupt ist die ständige Spannung und Unvorhersagbarkeit von Dub das konstitutive Element.

disrupt, der vom Digital Hardcore und Drum n‘ Bass kommt, hat mit seiner Net-EP A Fistful Of Dub auf phonocake.org der Legende nach den Digital Laptop Reggae sogar erfunden.

Auf dem LoFi-Stück Argument zeigt disrupt, was mit dem Subgenre Dub Chiptunez gemeint sein könnte, wenn er einen deepen, dubby Riddim auf C64-Soundchip-Bleeps treffen lässt und damit die Schnittstelle zwischen 8Bit und Dub definiert oder eben den klassischen Reggae in die digitale Kultur überführt.

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disrupt – Argument

A fistful of dub

Download A Fistful Of Dub

Nun mag der aufmerksame Leser einwenden, dass in der modernen Laptop-Welt von technologischen Grenzen keine Rede mehr sein kann, doch wird bei der Produktion von Digital Laptop Reggae – trotz oder gerade wegen Ableton Live – Reduktion und emulierter 8Bit-Sound großgeschrieben. So haben zum Beispiel Bo Marley, Volfoniq und disrupt auf der EP Jam’in Sauce einen grossartigen Impro-Jam in Montpellier mit lediglich einem Roland SH-1, eiem alten Korg Organ, einem Boss Dr. Rhythm, zwei Laptops und ein paar Controllern hingelegt.

Download Jam’in Sauce

Ein tolles Netaudio-Mixtape mit Digital Laptop Reggae hat das Kraftfuttermischwerk im letzten Jahr herausgebracht und die scheinen von jahtari.org ähnlich begeistert zu sein wie ich:

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Netaudio-Mixtape III – Digital Laptop Reggae
[via kraftfuttermischwerk]

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Justice – Dior Homme Spring/Summer 09 Mix

Für die Männerkollektion Dior Homme hat das französische Electro Clash-Duo Justice einen Mix im typischen Justice-Stil – epische Piano Chords, superkomprimierte Drums und Filter-Franzosen-Synths – aufgenommen, diesmal verziert durch Ròndo Veneziano-artige Harpsichord-Arpeggios.

Auf dem Laufsteg sah das Werk von Kris van Assche dann so aus:

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Free Download: Various Artists – Ghostly Swim [Ghostly International]

Das mir bis dato völlig unbekannte Label Ghostly International Records aus Ann Arbor, Michigan und Spieleschmiede, Cartoon-Network und Musiklabel [adultswim] haben zusammen eine Electronica / IndieRock / Disco / IDM / Minimal / Downtempo / SynthPop / Experimental-Compilation zum FREIEN DOWNLOAD zusammengestellt.

Das Ergebnis: Meine Lieblingscompilation des Jahres 2008! So eine überraschungs- und abwechslungsreiche Mixtur aus postmodernen Musikstilen verlangt eine 1:1-Rezension, an der ich mich gerne versuchen möchte.

Ghostly Swim Cover

Michna – Tripple Chrome Dipped
Der zwischen „Miami to Brooklyn, NY“ lebende Adrian Michna eröffnet den Ghostly Swim-Reigen und hat sich offensichtlich einen 8Bit-Sampler gekauft, mit dem er seinen Gesang Art Of Noise-mäßig über einen trockenen Synthbasslauf arrangiert. Überhaupt scheint Michna teilweise in den 80igern steckengeblieben zu sein, veröffentlicht er doch tatsächlich noch MixTAPES und zwar Super Crispy Mega Ultra Fly-Cassette Only.

In der ersten Hälfte kommt Tripple Chrome Dipped zwar nicht so richtig aus dem Quark, aber nach geschlagenen 2 1/2-Minuten stürzt der Sampler ab und der Track gewinnt kurz vor der Zielinie durch eine Synthline kräftig an Fahrt, die leider dann so schnell verschwunden ist, wie sie begonnen hat. Damit steht der Track aber exemplarisch für das fragmentarisch-prozesshafte Wesen der gesamten Compilation.

Dabrye – Temper
Einer von zwei mir bekannten Musikanten auf diesem Sampler, der Glitch-Hop-Produzent Dabrye aka Tadd Mullinix aus Ann Arbor, Michigan, liefert eine gewohnt hochwertige Kopfnicker-Beatprogramming-Nummer mit eingestreuten Rap-Vocals und Sägezahn-Bassline ab, deren Air-Raid-Sirenen-Intro die Fröhlichkeit von Michna gleich mal souverän konterkariert.

The Chap – Carlos Walter Wendy Stanley
Die vier gealterten Londoner Kunststudenten von The Chap sind quasi die schnelle-und-dreckige Variante von LCD Soundsystem, wenn auch Carlos Walter Wendy Stanley mit seinem Stakkato-Schlagzeug und dem Pogo-Gitarrenriff m.E. zu den schwächsten Tracks von Ghostly Swim gehört.

Dark Party – Active
Weiter fährt der Ghostly Swim-Zug in die Dark-Elektro / Funk-Gefilde des New Yorker Bloggers und Produzenten Eliot Lipp aka Dark Party, dessen teilweise in Reverse-Schleifen laufenden Basslines und Sheffield-Bleep-Parts extrem Drexciya-inspiriert und damit phatt klingen, aber auch ein wenig melancholisch wie ein Elch auf dem Weg zur Kastration.

Tycho – Cascade
Der Hang zur Melancholie haftet auch den Boards of Canada-Produktionen an, doch halt, dies hier sind ja garnicht BoC, das ist Grafikdesigner und Musiker Tycho aka Scott Hansen aus San Francisco, der es sich anscheinend zur Aufgabe gemacht hat BoC-Stücke 1:1 zu imitieren.

Cascade jedenfalls könnte direkt aus dem Frühwerk von BoC stammen, mit der mysteriös wispernden Frauenstimme, den Spieluhrmelodien und dem knallharten BigBeat-Drumprogramming. Am Schluss packt Tycho noch die Lagerfeuergitarre aus und spätestens jetzt ist ihm keiner mehr böse dafür, dass er als bekennender Epigone grossartige Musik produziert.

JDSY – All Shapes
JDSY aus Michigan steuert den funky Hirnexpander All Shapes bei, auf dem eine asynchrone Casio-Melodie und eine gelangweilte Jungsstimme versuchen extrem Lo-Fi zu sein. Mit 1:56-Spielzeit eher eine Genre-Miniatur, denn ein Track, aber als solche durchaus funktional.

Deastro – Light Powered
Was soll man dazu sagen? Giorgio Moroder meets Visage, eine darke New-Wave-Bassline und ein Plastik-Disco-Synth-Riff treffen auf eine rotzig-sequentierte Punkbassdrum. Dies ist im Prinzip Querschnitt, Essenz und nackte Wahrheit der 80iger-Jahre in einem.

Hochnotpeinlich, aber geht ab wie Hölle und wird bei erhöhtem Alkohol- oder Ecstasy-Pegel die Hände mit Sicherheit in die Höhe treiben. Deastro aka Randolph Chabot Jr. stammt übrigens aus Detroit und bezeichnet seine Musik selber als deutsch / japanisch / italienischen Pop!!!

Matthew Dear – R+S
Matthew Dear gilt als vom Minimal-Techno-Funk Thomas Brinkmanns inspiriert, hat aber anscheinend statt einer Mike Ink-Maxi eine Platte von Depeche Mode erwischt, die kraftvoll gegen den amtlichen Minimal-Stomper anleiert. Klingt wie ein Schützenfestdisco-Besuch auf LSD.

FLYamSAM – The Offbeat
FLYamSAM ist Flying Lotus und The Offbeat hält, was der Titel verspricht. Ein Madlib-Beatgeklappergerüst stolpert asynchron vor sich hin und wird von analogen Synths umschmeichelt. So würde vermutlich die musikalische Liebeserklärung eines Doozers klingen.

Cepia – Ithaca
Huntley Miller aus Minneapolis aka Cepia wärmt dagegen auf charmant-altmodische Electronica-Art das Herz. Melancholische Synth-Harmonien treffen auf dekonstruktivistische Gitarren-Ruinen die traurig schluchzen, wovon sich das trockene Drumprogramming denkbar unbeeindruckt zeigt. Das ist allerdings so prägnant-mittig, dass man eigentlich den Warnhinweis „Vorsicht! Kann bei zu großer Lautstärke einen Schädelbasisbruch verursachen!“ auf das Cover drücken müsste. Postmoderne Lagerfeuermusik.

Aeroc – Idiom
Aus New Mexiko stammt Geoff White aka Aeroc, dessen etwas lieblos durch sämtliche DSPs gedrehter Track eher nervt als verzückt. Ist wahrscheinlich Geschmackssache, aber angesichts des edlen Umfelds auffällig farblos.

The Reflecting Skin – Traffickers
The Reflecting Skin ist eigentlich ein surrealer Filmklassiker von Philip Ridley, nach dem sich ein Produzent aus Ann Arbor benannt hat. Traffickers klingt wie ein Bunker Records-Crack-Alptraum der frühen Unit Moebius oder Rude 66 und macht somit dem surrealen Charakter des Namensgebers alle Ehre.

Diese Musik gehört in einen retrofuturistischen Atombunker, in dem die Sicherheitsanlagen nach einem Lockdown verrücktspielen und sich die wenigen Überlebenden vor herumrasenden Acid-Robotern verstecken. Wicked!

School Of Seven Bells – Chain
Chain tut dann so als wenn gar nichts gewesen wäre und eine leicht vocoderisierte Frauenstimme singt davon, dass sie irgendetwas reminded. School Of Seven Bells aus Brooklyn sind eine richtige Band, die Zwillinge Claudia und Alejandra Deheza sind offenbar bildhübsch und klingen wie Out Hud oder Neulander, also Indierock auf Ecstasy mit Elektronik an Bord.

Ben Benjamin – Squirmy Sign Language
Was haben Chris Isaak und David Lynch gemeinsam? Nun, Wicked Game gehörte zum Soundtrack einer Schlüsselszene von Wild At Heart und Chris Isaak durfte in dem Kinofilm Twin Peaks – Fire Walk With Me einen FBI-Agenten spielen, der alsbald von mysteriösen Kräften vom Erdboden verschluckt wurde. Die ätherisch-somnambule Campfire-Gitarre von Isaak kann also durchaus mit einem dunkel-mysteriösen Doppelcharakter gelesen werden.

Dies dachte sich wohl auch Ben Benjamin aus Ypsilanti (sic!), Michigan und lässt auf einige sehnsuchtsvollen Gitarrenfiguren eine darke Drill’n’Bass-Orgie folgen, die Visionen von BOB heraufbeschwören, der die Ferienfreizeitatmosphäre mit einer blutigen Axt in einen Alptraum verwandelt. Aber Ben Benjamin ist sicher ein netter Kerl.

Kill Memory Crash – Hit+Run
Kill Memory Crash aus Chicago sind NuRave-Industrial der harten Sorte. Metalldrums und Sägezahn-Synths, als wenn EBM nie aufgehört hätte zu existieren. Sie selber nennen das Frankenstein Electronic und ähnlich anachronistisch wie der Mythos ist auch ihr abgefucktes Punk-Genöhle. Nicht meins.

Osborne – Wait A Minute
Todd Osborn aka Osborne, der auch aus dem ulkigen Örtchen Ypsilanti kommt, hat mal Waffen für die Air Force designt, was ihn für mich nicht unbedingt zum Sympathen macht. Seiner Musik hört man diese Profession jedoch nicht an: Daft Punk-mäßige Vocoder-Stimmen schauen um die Ecke, funky Gitarrenlicks und eine fröhliche Synth-Melodie bilden eine handwerklich einwandfreie aber leider recht uninspirierte House-Nummer. Als DJ mixt er allerdings auf Teufelkommraus.

Milosh – Then It Happened
Waschechte Electronica kommt dann gegen Ende des Albums auch noch zum Zuge, Mike Milosh aus Toronto ist Labelmate von Dntel und auch fast genauso schön. Romantische Komposition, entrückter Gesang und die obligatorischen elektronischen Störmanöver um den Kitsch zu bekämpfen. Der Mann hat Potential…

10:32 – Blue Little
… genau wie 10:32 die leider unGooglebar sind. Im monochrom-Jahrbuch #2 gibt es unter der Rubrik Rezensionen einige Uhrzeiten-Rezensionen, leider fehlt aber die Uhrzeit 10:32, die knapp nach dem Knoppers-Werbespot um 9:30 und vor der Schnapps-Uhrzeit 11:11 liegt. Von jetzt an aber steht 10:32 für relaxten Folk-Hop, der mit Tommy Guerrero und dem tollen Album A Little Bit Of Somethin‘ Anfang des neuen Jahrtausends das Licht der Welt erblickte. Blue Little ist etwas komplexer und der Titel sehr selbstreflexiv, denn genau das ist der Track: ein kleiner elektronischer Laptop-Blues.

Mux Mool – Night Court
Den Abschluss der famosen Compilation macht Brian Lindgren aka Mux Mool, der auf seinem Night Court den Pimp gibt. Eine grossmäuliger Cowbell-Swingbeat rockt die Hölle und da er sich selber als Outsider deklariert, ist das vielleicht – hobbypsychologisch gesprochen – eine musikalische Kompensationsleistung. Seine Drum EP – das Ergebnis einer persönlichen Challenge eine Woche lang einen Beat pro Tag zu programmieren – kann man hier herunterladen. Wenn solch cooler Lo-Fi-HipHop aus einer gestörten Kindheit resultiert: Zerrüttet Eure Ehen!