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Re: Aw: Re: Sirenen (d.D.f.k.a.: Intrinsisches Entertainment)

@rumpusQ – 27.03.15 – 20:21 Uhr

Hi! und Hmmmm! … Das klingt doch stark nach DQschem Eskapismus – der mir persönlich natürlich sehr sympathisch ist. Bei den meisten Menschen (und bei dir auf jeden Fall) ist Eskapismus ja nur die dialektische Kippfigur von: Ich muss das System/die Menschheit/die Welt retten.
Soll heißen: wenn man so enttäuscht oder genervt von den Umständen (oder den Sirenenservern) ist, dass man nach Island will, dann war einem das Ganze vorher wohl ziemlich wichtig.

Ich denke, dass wir es bei den Sirenenservern mit einem Problem zu tun haben, das überwiegend ökonomischer Natur ist: Wenn es kein Geld (oder keinen geldwerten Informationsvorteil) für Daten gäbe, würde das Datensammeln für viele keinen Sinn ergeben.

Bei den narzisstischen Tendenzen der mitteilungsfreudigen Netzbewohner hingegen handelt es sich um eine Massenpsychose. Und ich kenne keinen psychischen Defekt der dadurch besser wird, dass man ihn durch ein externes Belohnungssystem positiv verstärkt.

Wenn also die Netzbewohner auf Teufel komm raus auf den Sirenenservern teilen, mitteilen und kommentieren müssen, um ihren Teil von Aufmerksamkeitskuchen zu bekommen, dann wäre die Rosskur wohl eine Bestrafung dieser Tätigkeit …
(Als Bestrafung bezeichnet man im Behaviorismus ein Ereignis, bei dem die Auftretenswahrscheinlichkeit eines Verhaltens gesenkt wird)
Wenn aber die größten Narzissten das meiste Geld verdienen, dann läuft was falsch.
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Aw: Re: Sirenen (die Debatte formerly known as: Intrinsisches Entertainment)

@subkid – 26.03.15 – 00:23 Uhr

Nabend!
Lösungsvorschläge? Nicht in die Nähe der Sireneninsel fahren. Warum musste Odysseus dort eigentlich hin? Ich habe es jetzt nicht nachgelesen, aber ich gehe davon aus, dass es für Odysseus nur ein unerfreulicher Zwischenstopp auf dem Weg zu seinem entfernteren Ziel war. Und dies kreide ich Vielen an: Dass sie kein entfernteres Ziel haben. Die Sireneninsel ist ihr Ziel, die Aufmerksamkeit wird um ihrer selbst willen gesucht.

Helfen könnte dabei, nicht alles wissen zu wollen, dann muss man nämlich dort auch gar nicht hin. Darum schimpfe ich ja so aufs Ego, auf Narzissmus. Wer gottgleich werden will, klar, der kommt am Sirenenversprechen nicht vorbei.

Da greift deine Theorie der Individualisierung des Menschen, des es »reicht nicht mehr nur über die Runden zu kommen« – wahrscheinlich reicht es doch. Es sei denn, man versteht den Menschen als ein Angehöriger derjenigen Spezies, die den Auftrag bekommen hat alles Andere zu retten. Schau dir Aronofskys »Noah« an: Sein Noah entwickelt ziemlich grössenwahnsinnige Züge …
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Re: Sirenen (die Debatte formerly known as: Intrinsisches Entertainment)

@rumpusQ – 25.03.15 – 12:14 Uhr

Hi!
Diesmal nur 35 Stunden Kontemplation über deine Antwort :)
Meine dystopische Vision von solipsistischen Netzteilnehmern die in Spiegelkabinetten fechten ist ja wohl erstmal wieder vom Tisch, oder?
Gut, ich werde vielleicht später nochmal darauf zurückgreifen die Gewalt der Debordschen Philosophie in die Debatte einzubringen. Hätte er sich nicht 1994 das Leben genommen, hätten wir ihn ja vielleicht auch noch als Kolumnist in Paris Match oder als Blogger erlebt …

Aber die Unterthemen

    – Warum machen wir das? (Antwort: Wir sind – aus Gründen – Narzissten und die technische Struktur unterstützt und schmeichelt uns da.)
    – Wer profitiert davon? (Antwort: Die Sirenenserver)

sind fürs Erste abgehakt.

Um deine Fragestellung »Sind die Sirenenserver ein kategorisch neues Phänomen?« (Antwort: Nein!) zu untersuchen, nochmal zurück zur Begriffsklärung:

Aufgetaucht ist der Begriff zuerst in dem Buch Wem gehört die Zukunft? von Jaron Lanier:

»Sirenenserver nennt Lanier die Serverfarmen der Internetunternehmen, da sie – wie die Sirenen bei Odysseus – durchs Netz streifende User durch betörenden Gesang anlocken, um ihre Daten abzugreifen.«

Nun ist Begriffsarbeit nicht wirklich die Stärke des Internetphilosophen, aber wenn er schon Sirenen sagt, dann muss ich doch mal nachgucken, was das genau bedeutet.
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Sirenen (die Debatte formerly known as: Intrinsisches Entertainment)

@subkid – 24.03.15 – 01:12 Uhr

Nabend!
Ok, von der »ernsthaften Geschichtsvermittlung/Legendenbildung« will ich erst einmal Abstand nehmen. Klingt doch sehr pathetisch. Vielleicht schaffe ich es später ja doch noch wieder darauf zurückzukommen …

Für meine Antwort zwei Prämissen vorab:
– Ja, ich akzeptiere den natürlichen Drang des Menschen nach Aufmerksamkeit.
– Ja, ich akzeptiere die Existenz der Sirenenserver.

Aber zu den Sirenenservern will ich fragen:
Ist das etwas Neues? Ich behaupte, dass es das nicht ist. Denn es gab die Sirenen schon immer, nur dass sie damals nicht -server hießen, sondern -verlag oder -rundfunk.

Soviel zu meiner Frage aus der letzten Mail »Warum mache ich jetzt ‘was mit Medien’, obwohl ich doch eigentlich Regisseur oder Journalist oder Autor werden wollte?«
Wenn man in den Neunzigern das (narzisstische?) Bedürfnis hatte die Gesellschaftsmeinung mitzuprägen, dann musste man zur Zeitung oder zum Fernsehen. Heute gibt es auch den dritten Weg YouTuber zu werden oder Blogger.
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»Das Turing Kontinuum« – Berlin Cyberpunk

Seit dem November 2012 arbeite ich an dem Roman »Das Turing Kontinuum«. Der Roman spielt in einem Europa im Jahre 2042, das in urbane Interzones und freie Regionen aufgeteilt ist und sich gegen die restliche Weltbevölkerung abgeschottet hat.

In der Interzone Berlin gelingt es einer erotischen, aber tendenziell selbstzerstörerischen Frau – Alisa Gross – eine künstliche Intelligenz zu erschaffen. Diese AI kopiert sich in das weltweite Datennetz und wird von den Interzone Regierungen gejagt. Ist die AI ein Verbündeter der Menschen oder eine Gefahr, die ausgerottet werden muss?

Wer gerne die Entstehung eines anspruchsvollen Cyberpunk/AI-Romans miterleben will, der zudem in Berlin und Brandenburg spielt und mit Paul Madorn und Alisa Gross zwei sympathische, mutige, aber auch herrlich kaputte Hauptpersonen hat, der kann bei writeon mitlesen. Zu jedem Kapitel stelle ich Fragen und wer eingeloggt ist, kann dem Projekt folgen und Kommentare, Feedback und Kritik abgeben.

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