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Best of 2013 – Yo La Tengo / Girls Against Boys / Kuupuu

Yo La Tengo – Fade
Über Yo La Tengo irgendwas Beschreibendes sagen zu wollen erübrigt sich wohl. Das ist wie nach Hause kommen und sich darüber freuen, daß auch hier die Welt nicht stehen geblieben ist.


Fade-Deluxe Edition [Vinyl]

Girls Against Boys – The Ghost List
Würde sich hier wohl ähnlich verhalten, wenn GAB (das “vs” hat mir ja eigentlich immer besser gefallen) zwischendurch fleißig Platten veröffentlicht hätten. Haben sie aber nicht und so ist diese Mini-LP eine kleine Sensation. Klingt wie früher, ist allerdings durch das Alter der Akteure so abgehangen und selbstverständlich groß hingerotzt, daß dem alternden Hipster die Spucke wegbleibt. Und so fragen Dich die Songs folgerichtig wo Du heute stehst und was du so machst und warum die meisten Leute unglücklich durch die Gegend laufen.


The Ghost List EP Download

Kuupuu – Sisar
Synthspielereien, field recordings und verschlafene Frauenstimmen lassen die Chose bei jeder guten Gelegenheit in ihre Bestandteile zerfallen und die Eleganz und der Abwechslungsreichtum dieses psychedelischen Hörspiels machen ein Weghören unmöglich. Eine Platte wie ein Erkenntnisgewinn.


Sisar [Vinyl]

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Best of 2013 – King Krule / Barn Owl / Peals

King Krule – 6 Feet Beneath The Moon
Ein junger Mann mit einem sehr englischen Approach an seinen Schmerz, der zugegebenermaßen nicht unbedingt meiner ist. Aber die Vokale werden so sympathisch heiser zerdehnt, daß es eine helle Freude ist. Wer wissen will, wie die “Jugend” so tickt, sollte sich diese Elegien nicht entgehen lassen.


6 Feet Beneath the Moon Download

Barn Owl – V
Verdröhnte Verdröhnungen. Wen kümmert es da schon ob das irgendwann mal Gitarren, Synthies oder Stimmen waren. Und dann tauchen sie doch wieder alle ganz deutlich auf, die Gitarren, Synthies und Stimmen, und bauen dort, wo vorher alles so wunderbar verdröhnt war, eine Langsamkeit auf und nehmen einen mit in so ein Rauschen aus Harmonie und Anmut. Das nenne ich einen Raum! Als wenn die Kamera aus der Totalen immer weiter zurückfährt und man am Ende der Fahrt die Dimensionen erst langsam erahnt. Die Musikversatzstücke die hier benutzt werden erinnern mit ihrem ganzen Delay und Hall an sowas wie eine countrieske Ballade oder eine Explosion im All oder vielleicht sogar eine Kirchenorgel. Cluster! Immer schön gebrochen mit schräg angesetzter Pentatonik. Sollte man sich Zeit für nehmen.


V CD

Peals – Walking Field
Ein Album wie ein Weihnachtsmarkt. Glockengebimmel und hymnische Gitarrenwände wechseln sich mit harmonischem Dröhnen ab und viel mehr passiert auch nicht. Das hat in der Konsequenz etwas enorm Süßliches, ist aber so elegant platziert, daß man sich in diese melancholische Winterlandschaft gerne hineinbegibt.


Walking Field [Vinyl]

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Best Of 2013 – The Knife / Alela Diane / Adebisi Shank

The Knife – Shaking The Habitual
Ich hatte leider keine Zeit auf das Konzert zu gehen, aber man hörte, daß es … äh … vielschichtig war. The Knife, deren glühender Verehrer ich mich nenne seitdem sie dieses großartige Video zu “pass this on” produzierten, formulieren ihre leicht unterkomplexe Kritik an bestehenden Machtverhältnissen mit einer gehörigen Menge an *Krrch* und *Brrz* und wechseln dabei Geschlechter und Identitäten wie andere ihre Hüte. Das konnte man wohl auch auf dem Konzert beobachten, was vielen nicht so gut gefiel, da die Akteure der Show die Sounds offensichtlich nicht live produzierten. Die Wirkung des Albums wird dadurch natürlich nicht geschmälert, aber eine gewisse Eindimensionalität lässt sich auch hier nicht verhehlen. Aber wo gibt es schon so viel *Krrz* und *Brrz* mit dieser unglaublichen Stimme, zu der man dann auch noch tanzen kann?


Shaking The Habitual (Deluxe Edition)

Alela Diane – About Farewell
An ihr unglaubliches Debut kommt das hier nicht heran, aber ich möchte die stillen Stunden mit ihr nicht missen.

Adebisi Shank – This is the Second Album of a band called Adebisi Shank
Das Geheimnis um Mathrockbands wie dieser und vielleicht auch Battles ist – glaube ich – daß sie die uralte Bluespentatonik umgehen und ihre Tracks in Dur anlegen, am besten C-Dur, ohne daß die Metalinstrumentierung und -konsequenz abgelegt werden würde. Bei Adebisi Shank rückt zudem noch mehr der Synthie in den Vordergrund und mit ihm auch die Lust an nerdigen Clownerien, die zumeist in krautigen Brachialriffs münden, deren hymnische Ausformung mich ernsthaft glücklich macht.


This Is The Second Album Of A Band Called Adebisi Shank Download

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#fail: Daniel Kübelböck – Angel

Ich bin heute vollgeschleimt worden!

Und das meine ich nicht metaphorisch. Ich fuhr mit meinem Fahrrad an der Ecke Greifswalder/Danziger und hielt mich an dem Ampeldrücker fest um auf Grün zu warten. Meine Hände fassten in eine zäheflüssige, kühle Masse, die ich in der ersten Schrecksekunde für Nasensekret hielt. Angeekelt betrachtet ich meine Hand in der sich der Schleim von Mittelfinger bis Zeigefinger spannte. Erleichtert stellte ich mit einem Blick nach oben fest, dass es sich wohl um frischen Plakatkleister handelte, der – allzu großzügig aufgetragen – ausgerechnet dieses Plakat befestigte:


Daniel Kübelböck

Vielen von uns noch als einer der Kandidaten von DSDS 2002/2003 bekannt, hat der selbsternannte Popsänger Daniel Kübelböck seinen 2007 begonnen Imagewechsel vollendet. Schon damals fiel er mir durch seine an multiple Persönlichkeitsstörung gemahnende Redeweise auf:

Auf jeden seiner O-Töne folgte im Millisekundentakt ein in gepresster Stimme vorgetragener “ironischer” Kommentar, bei dem nie deutlich wurde, wen oder was Kübelböck den nun eigentlich persiflierte.

So ist nun nicht ganz klar, ob der Imagewechsel als Berlin-Mitte-Cheesy zu gelten hat oder ernstgemeint ist. Wahrscheinlich beides und irgendwie auch egal …

Die Single Angel ist ab dem 26. September “auf allen Internet Portalen erhältlich”.

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Best of 2013 – Lee Ranaldo & The Dust / The Flaming Lips / Die goldenen Zitronen

Lee Ranaldo & The Dust – Last Night On Earth
Lee Ranaldo & The Dust klingt vom Namen her wie Neil Young & Crazy Horse, so las ich in der Rezension eines Freundes, und tatsächlich – da ist was dran. Denn ein ähnlich warm-wohliges Gefühl stellt sich hier ein, wenn man diese gitarrenorientierten Arrangements über sich hinwegrollen lässt. Ein Bekannter hat mir auf dem Konzert dann auch erzählt, daß Ranaldo vom Mojo-Magazin zum besten Gitarristen der Nullerjahre gekürt wurde. Hätte er sich vor 20 Jahren wohl auch nicht träumen lassen.


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The Flaming Lips – The Terror
Bei den Flaming Lips von einem experimentellen Album zu sprechen ist irgendwie Quatsch. Eine Band die eine LP-Box produziert, um drei Platten gleichzeitig und synchron laufen zu lassen (Zaireeka, gabs diese Jahr zum Record Store-Day) verlässt das Experiment sowieso nicht, selbst wenn dabei der naivste Pop der Welt entsteht. So gesehen ist The Terror auch nur ein weiterer Schritt auf ihrem Weg durch die eigene psychedelische Geschichte. Ich gehe ihn durchaus mit, obwohl das keine Musik ist, die sich einem Fan der Band besonders anbiedern würde.


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Die Goldenen Zitronen – Who’s Bad?
Nirgends findet man mehr Wahrheit über den Zustand der linken deutschen Seele als bei den Goldies. So ehrlich daß es knallt.
(Anm. Sub_Kid: Vielleicht das zugänglichste Album der Zitronen überhaupt. Und schön, dass eine so dienstalte Band ganzen Generationen von Indie(ürgs)-Bands zeigt was eine Harke ist…)



Who’s Bad [Vinyl]

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Best of 2013 – Django Django / Airhead / Toro Y Moi

Django Django – Dito
Die Erwartungshaltung, die dieses Jahr eigentlich Flaming Lips gestellt wurden, haben zur Abwechslung Django Django erfüllt. Hier gibt es einen knallbunten Blumenstrauß aus Blubber-Synths, beatleskem Chorgesang und solider Beatnik-Lyrik. Da hängt die Gitarre auf der Brust und die Sitar ist auch nicht weit. Extrem leckere Bubblegum-Psychedelia von der man am Ende aber leider etwas fett wird.


Django Django (2LP+CD)

Airhead – For Years
Dort wo sich Shoegaze und Grime gute Nacht sagen existieren Airhead vor sich hin und lassen mit verhallten Beats und Geklöppel die Gemeinsamkeiten ausloten. Die können mitunter ganz schön deep und verkifft sein und liegt näher an Portishead (…) als es den Urhebern wahrscheinlich lieb ist. Die Akustische sorgt am Ende dafür, daß das Feuer nicht ausgeht.


For Years Download

Toro Y Moi – Anything In Return
Ich möchte das guten Gewissens “Indie-R&B” nennen und bekomme das erstmal von mir selbst um die Ohren gehauen, denn so ein schwachsinniger Begriff kann das Zurückhaltende des Toro Y Moi-Funks kaum wiedergeben. Am Ende ist natürlich auch alles viel komplizierter. Die jazzy e-piano-Texturen bekommen mich immer dann, wenn da so ein 1980er-Flanger hineinmauschelt. So sehr, daß die Platzierung so weit hinten mir gerade vorkommt wie eine Sünde, die keinen Spaß macht.