»Kretschmann fasst seine Überzeugung so zusammen: ‚Pragmatischer Humanismus, das ist meine Leitlinie‘ (…) Sein Humanismus wird dann rausgekramt, wenn er nichts kostet, keine Risiken birgt und nur einem selbst nützt. Manche nennen diese Maxime auch anders. Nämlich Egoismus.«

Mely Kiyak

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Buchtipp: Markus Liske / Manja Präkels (Hg.) – Vorsicht Volk! (Verbrecher Verlag)

Rechtzeitig zum 25ten Jubiläum der »Wiedervereinigung« (auf twitter fragte zu recht jemand, ob das Wort nicht längst in die Floskelwolke gehört) erscheint im Verbrecher Verlag der Sammelband Vorsicht Volk!.
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Die Herausgeber_innen haben sich vorgenommen die »wahnhaften« Bürgerbewegungen um »Pegida, HoGeSa, Montagsmahnwachen, Reichsbürger oder Friedenswinter« unter die Lupe zu nehmen und stellen die Frage was hinter deren gemeinsamen Schlachtruf »Wir sind das Volk!« steckt.

»’Wir sind das Volk!‘ Stimmt das? Sind sie ‚das Volk‘? Und wenn ja: Was genau will dieses Volk?«

Die Ansätze in dem Buch sind begrüßenswert vielfältig, durchaus auch von unterschiedlicher Qualität. Die Fragen, die ich mir vor der Lektüre im Umkehrverfahren stellte, waren Folgende:

Ist das Buch anschlußfähig? An wen ist es gerichtet? Ist es eine wissenschaftlich-soziologisch-historische Untersuchung? Oder die Meinung einer vergleichsweise kleinen Gruppe von linken Publizist_innen und Aktivist_innen (zu deren Sympathisanten ich – offen gesagt – gehöre)?
Ist es »preaching to the converted«? Eine Art Psychotherapie für Menschen die zu lange unter dem Getöse der Wutbürger gelitten haben?
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»Die Angst der Deutschen vor dem sozialen Abstieg in der europäischen Krise wird nicht an die Habenden adressiert, sondern umgelenkt an die Nicht-Zahler, gerne auch Hartz-IV-Empfänger und Sozialschmarotzer – und eben auch die Griechen. Das ist ein sehr banaler und alter Mechanismus, aber es ist traurig mit zu erleben, dass er immer noch so gut funktioniert.«

Margarita Tsomou

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Aus dem Notizbuch (01/12/2012): Walter Wüllenweber – Die Asozialen

»Es ist nicht das Bewusstsein der Menschen, das ihr Sein, sondern umgekehrt ihr gesellschaftliches Sein, das ihr Bewusstsein bestimmt.«

Heute musste ich an Walter Wüllenweber denken. Wüllenweber ist so ein Stern-Journalist, der ein Buch geschrieben hat, mit dem Titel »Die Asozialen«. Nicht nur, dass der Titel von plakativster Blödheit ist, nein, auch der Inhalt ist es. Wüllenweber, der momentan von einer Talkshow zur nächsten weitergereicht wird, versteht sich als Anwalt der Bürger, oder der – wie er sie zur Tarnung nennt – Mittelschicht. Seine These: Arm und Reich beuten die Mittelschicht aus. Die Mittelschicht arbeitet brav, die Reichen leben asozial von den Früchten ihrer Erbschaft und die Armen greifen via Wohlfahrtsindustrie und Hartz-IV in die Taschen der Arbeitenden.

Man muss sich das so vorstellen: Ein Walter Wüllenweber macht sich Gedanken über die Welt und zwar so wie das ein Stern-Journalist tut: Kurz hingucken, auf Sensationspotential abklopfen und dann das Hirnstübchen lüften und einen Moment spekulieren.

Dann kommt man auf die Grundthese: Mit mir, dem Bürger, ist doch alles in Ordnung. Ich arbeite brav und lasse mir nichts zuschulden kommen. Warum gibt es dann trotzdem Probleme? Krisen und so? Na klar, da gibt es ja die Reichen, die es schon immer gut gehabt haben und asozial in grenzenloser Dekadenz leben. Und die Armen, für die ich immer spenden soll und soviele Steuern zahle. Das muss man doch sehen. Da schreib ich jetzt ein Buch.
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»Ich glaube nicht an Konsumentenaktivismus. Das ist für mich eine bourgeoise Antwort für ein zutiefst ökonomisches, kapitalistisches Problem. Unsere Probleme müssen kollektiv politisch angegangen werden, nicht dadurch, dass ich ein besserer Konsument werde.«

Evgeny Morozov

»Seit Jahren dreht sich die fruchtlose Diskussion um das Urheberrecht in der digitalen Welt um Rechtsdurchsetzung und Strafmaßnahmen statt darum, wie dafür gesorgt werden kann, dass Künstlerinnen und Künstler für ihre Arbeit eine angemessene Vergütung erhalten. Wie wäre es, wenn man versuchen würde, die Diskussion um das Urheberrecht im Digitalzeitalter mit jener über das bedingungslose Grundeinkommen zu verbinden?«

Ilja Braun