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Der Autor im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit – testcard #24

»Wir sind es, die allein die Ursachen, das Nacheinander, das Für-einander, die Relativität, den Zwang, die Zahl, das Gesetz, die Freiheit, den Grund, den Zweck erdichtet haben; und wenn wir diese Zeichen-Welt als »an sich« in die Dinge hineindichten (…) so treiben wir es (…) wie wir es immer getrieben haben, nämlich mythologisch.«

Friedrich Nietzsche

Im Herbst letzten Jahres hat der britische Science-Fiction-Autor Charles Stross in seinem Blog antipope.org eine Dystopie über die Zukunft der eBooks veröffentlicht. In der Zukunft, so prophezeit er, werden wilde Spambooks unsere eBook-Verzeichnisse durchforsten und aus den dort enthaltenen Büchern tausende von geistlosen und oberflächlichen Romanen destillieren, die eine vage Ähnlichkeit mit unseren Lesepräferenzen haben. Getarnt als Gratisexemplare werden sie sich in unsere eBooks installieren und im Text versteckte Anzeigenfläche an dubiose Offshore-Spamprovider verkaufen.

»Books are going to be like cockroaches, hiding and breeding in dark corners and keeping you awake at night with their chittering. There’s no need for you to go in search of them: rather, the problem will be how to keep them from overwhelming you.«

Dieser leicht überdrehte, technologiepessimistische Text, der sich wie eine Mischung aus William Gibson und Douglas Adams liest, bekam eine neue Facette, als sich im Frühling dieses Jahres die Berichterstattung über den sogenannten Roboterjournalismus überschlug. Plötzlich erzittert die Nachrichtenbranche vor einem Phänomen, dass vorher schon unzählige andere Arbeitsbereiche erschüttert hat: die Automatisierung. Und so wie immer wurde eine kreative und überlegene Elite konstruiert, die sich keine Sorgen zu machen brauche. Der neue Roboterjournalismus sei »rasend schnell, aber unkreativ« und die redaktionelle Assistenz und die Materialbeschaffung werde zwar bald obsolet, aber »Features, Reportagen und Interviews können noch nicht von Maschinen produziert werden«. Und natürlich erst recht keine Literatur.

Lorenz Matzat von netzpolitik.org sieht allerdings schon eine zweite Phase des Roboterjournalismus am Horizont. Diese könne »dann eintreten, wenn die semantischen Fähigkeiten der Algorithmen so weit gediehen sind, dass sie in brauchbarer Qualität Beiträge für eine Vielzahl von Themenbereichen erzeugen können.« Etwas hilflos führt er am Ende der zweiteiligen Artikelserie über Roboterjournalismus hinzu, dass die kommende Revolution von Gewerkschaften und Politik »beobachtet« und die Qualität von Roboterjournalismus durch den Pressekodex oder klare Regeln wie die drei Robotergesetze von Isaac Asimov gewährleistet werden müsse. Die drei Robotergesetze von Asimov? Oh no he didn’t!?

Offenbar befinden wir uns mitten in einer Diskussion, für die es keine adäquaten Begriffe mehr gibt. Ist Stross’ kleine Dystopie angesichts des Phänomens Roboterjournalismus doch keine überdrehte Science-Fiction, sondern ein realistisches Szenario für die Zukunft? Was ist passiert? Was wird passieren? Und was ist zu tun?
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Vaporwave Essay – testcard #23

Was soll denn eigentlich verschwunden sein? – Vaporwave und die Leere hinter der Oberfläche

Vor vielen Jahren sprach Diedrich Diederichsen mal in einer Videolecture über ein Ereignis, das seine Wahrnehmung von Musik fundamental verändert habe. Er habe gerade eine CD gehört – ich meine es war das Album L@N der gleichnamigen Düsseldorfer Band – als ihn ein Freund anrief. Der Freund, der via Telefon Zeuge der Musikaufnahme wurde, habe ihn gefragt, ob er gerade Musik aus dem Internet streame. Diederichsen erklärte sich diese merkwürdige Frage damit, dass der Freund den abstrakten, von allen Realwelt-Signifikanten bereinigten, Sound von L@N offenbar mit dem Internet und der spezifischen Internettechnik »streamen« assoziiert habe.

Diese Lecture, längst in den Weiten des Internet verloren, kam mir wieder ins Bewusstsein, als ich in einer Bestenliste des Blogs tinymixtapes.com das Album Vanishing Vision von INTERNET CLUB entdeckte.

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Artifical Scarcity In A World Of Overproduction: An Escape That Isn’t

Die Produktion von Innovation kann die Produktion von Wert nicht ersetzen.

Schon vor längerer Zeit las ich ein Text des New Yorker Publizisten Sander mit dem Titel „Artificial Scarcity In An World of Overproduction“. Dort beschäftigt sich Sander mit den Gründen für die künstliche Verknappung von immateriellen Gütern wie Patenten, Software und Musik, die u.a. durch das Copyright und Marken- bzw. Patentschutzrechte betrieben wird. Da ich mit den von Cory Doctorow in diesem Interview geäußerten Thesen übereinstimme, was die Relevanz der Copyright-Problematik im gesamtgesellschaftlichen Zusammenhang angeht, möchte ich die Grundzüge von Sanders Text hier wiedergeben. Der Originaltext findet sich hier.

Sander erklärt uns warum die künstliche Verknappung von – vor allem immateriellen – Gütern keine Lösung für den krisengeschüttelten Kapitalismus sei: Die Produktion von Innovation könne die Produktion von Wert nicht ersetzen.

Es sei, beginnt Sander seine Analyse, prinzipiell nicht einfach in einer Welt der Überproduktion einen Profit zu generieren. Kapitalismus sei unter den Bedingungen der Knappheit geboren worden und somit nicht in der Lage außerhalb dieser Knappheit der Güter zu funktionieren. So erscheine es nur logisch die Knappheit künstlich (wieder-)herzustellen. Aber hilft das der globalen Ökonomie aus der gegenwärtigen Zwickmühle?
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Ars Gratia Artis? – Part IV

Für einen kreativen Umgang mit Original, Imitation, Copyright und Starsystem

(Fortsetzung von Part III)

Erhängt den letzten Star an den Eingeweiden des letzten Originals

Wer plant als Kulturproduzent_in ein anständiges Leben zu führen, sollte es von Anfang an ablehnen seine Arbeit umsonst anzubieten, auch wenn es eine stetig nachwachsende Armee von willigen Praktikant_innen gibt, die diese Lektion noch schmerzhaft lernen muss. Jede(r), der einem kommerziellen Provider ein Kulturprodukt umsonst überlässt, verschlechtert die eigene ökonomische Situation, die Verhandlungsposition anderer Kulturproduzent_innen und den Tauschwert der Ware Kultur. Solange die Konzepte zur alternativen Kompensation von Künstler_innen noch in den Kinderschuhen stecken, ist die Kulturindustrie und ihr Copyright-System ein unvermeidbarer Verhandlungspartner. Trotzdem müssen die Kulturproduzent_innen das Ideal einer sich frei und ungehindert entwickelnden Kultur nicht aufgeben. Es ist möglich die Arbeit anderer als Grundlage für die eigene Produktion zu nutzen und trotzdem das Recht dieser auf ihr geistiges Eigentum zu respektieren.
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Ars Gratia Artis? – Part III

Für einen kreativen Umgang mit Original, Imitation, Copyright und Starsystem

(Fortsetzung von Part II)

Der Kult um den Star

Aber diese Punkte beantworten nicht die Frage, warum sich so viele Kulturproduzent_innen überhaupt mit dem Status der un(ter)bezahlten Contentproduzent_innen abgeben, wenn sie doch eigentlich davon leben wollen?
Der Sektor der Kulturproduktion ist, wie viele Branchen die von der Selbstausbeutung und Prekarisierung ihrer Produzent_innen leben, ein Starsystem. Dieses Starsystem entwickelte das warenproduzierende System laut Guy Debord aus dem historischen Umstand, dass „die Unzufriedenheit selbst zu einer Ware geworden ist“ (1), der arbeitende Mensch somit nach seiner „Selbstverwirklichung“ strebt, die gleichsam als Lebensziel an sich erscheint:

Die Stars sind da, um unterschiedliche Typen von Lebensstilen und Gesellschaftsauffassungen darzustellen, denen es global zu wirken freisteht. Sie verkörpern das unzugängliche Resultat der gesellschaftlichen Arbeit, indem sie Nebenprodukte dieser Arbeit mimen, die als deren Zweck magisch über sie erhoben werden: die Macht und die Ferien, die Entscheidung und der Konsum, (…)

Nur mit der Aussicht auf größere Macht, mehr Aufmerksamkeit und einem lebenswerteren Leben mit den Privilegien eines Stars (2), bzw. der erfolgreicheren und einflussreicheren Kulturarbeiter_innen im gleichen Arbeitsfeld, lässt sich die Bereitschaft erklären, temporär unter dem Lohnniveau (oder für kostenlosen Kaffee) zu arbeiten. Gewerkschaften und Tarifverträge erscheinen unter der Hypnose des Starsystems natürlich als restriktive Relikte einer vergangenen Zeit.
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Ars Gratia Artis? – Part II

Für einen kreativen Umgang mit Original, Imitation, Copyright und Starsystem

(Fortsetzung von Part I)

Die Gesellschaft des Zugangs

In Access beschreibt Rifkin den Umbau der klassischen Eigentumsökonomie in eine Ökonomie des Zugangs:

Netzwerke treten an die Stelle der Märkte, Verkäufer und Käufer werden zu Anbietern und Nutzern, und was bislang käuflich war, wird ‚zugänglich‘. (1)

Die von Rifkin seinerzeit nur erahnte Flut von sozialen Netzwerken, Content-Plattformen und Apps, die zumeist durch Werbung finanziert werden, und die zunehmende Trennung des Online-Datenstroms in funktionale Teilbereiche wie Video, Audio, VoIP und Gaming ist ein deutliches Merkmal dieser Entwicklung.

Geistiges Kapital (…) wird allerdings kaum ausgetauscht. Stattdessen steht es unter der Verfügung von Anbietern, die es potentiellen Nutzern zur begrenzten Verfügung verleihen oder in Lizenz vergeben. (…) Überall auf der Erde bauen transnationale Medienkonzerne weltumspannende Kommunikationsnetze auf und beuten lokale Ressourcen aus: neu verpackt als Unterhaltungsprodukte und Kulturware.

Und das Ernüchternde: Wir, die Kulturproduzent_innen, sind auf das Funktionieren dieses Systems angewiesen, wenn wir mit dem Ergebnis unserer immateriellen Arbeit einen Gewinn erzielen, also überleben, wollen. Trotzdem sollten wir uns nicht in die Debatte um den immanenten Wert von Original und Imitation verwickeln lassen, sondern möglichst nüchtern die Funktion immaterieller Rohmaterialien analysieren.
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Ars Gratia Artis? – Part I

Für einen kreativen Umgang mit Original, Imitation, Copyright und Starsystem

Originaltext erschienen in testcard #21

Selber als Autor und Regisseur tätig, beobachte ich eine zunehmende Bereitschaft von Kulturproduzent_innen (1) ihre Arbeit für geringe oder gar keine Entlohnung an die Kulturindustrie abzugeben, in der diffusen Hoffnung auf bezahlte Folgeaufträge oder mit dem abstrakten Wunsch „sich einen Namen“ zu machen. Dabei konkurrieren sie, anstatt sich als Klasse von immateriellen Produzent_innen zu begreifen, um die vermeintlich knappen finanziellen Mittel. Kein Sektor produziert mehr prekäre Arbeitsplätze als der kulturelle. Die Mehrheit der Kulturproduzent_innen erhält nicht einmal, wie im klassischen Erwerbsleben üblich, die Lebenshaltungskosten. (2) Laut den Statistiken der Künstlersozialkasse liegt das durchschnittliche Jahreseinkommen von Bildenden Künstler_innen unter 40 bei 11.160 Euro, das von Musiker_innen bei 9.965 Euro. Autor_innen verdienen mit ca. 14.580 Euro im Jahr noch vergleichsweise gut.

„Leider arbeiten viele der 5 Millionen, die von der Kreativindustrie leben, in prekären Verhältnissen. Zweit- und Drittjobs sind keine Seltenheit, da ein Job zum Leben oft nicht ausreicht. Fehlende Kranken- und Rentenversicherung sind an der Tagesordnung. Arbeitsverträge sind meist unsicher und viele Kreativschaffende können kaum mehr als ein paar Monate im Voraus planen”, sagt die SPD-Beschäftigungsexpertin Jutta Steinruck auf ihrer Homepage.

Andererseits gibt es eine sehr kleine Gruppe von Kulturproduzent_innen, die extrem hohe Einnahmen erzielt. Dies hat eine ganze Reihe von Gründen, von denen der nicht unwichtigste das in der Kulturindustrie gängige Starsystem und der weitverbreitete Irrglaube ist, dass es darauf ankäme erst einmal in den eigenen Markennamen zu investieren, bis es sich für die Kulturindustrie lohnt, diesen zu verwerten. Diese beobachtet das natürlich mit wachsendem Vergnügen, spart man sich doch so das Marketingbudget und schöpft trotzdem den Mehrwert ab. (3)
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monochrom #26-34 – Not included

Due to certain whereabouts this text about Culture Jamming and Semiotic Hacking got lost on its way to vienna… So ‚monochrom #26-34 – Ye Olde Self-Referentiality‘ is missing it… For your pleasure it is blogged below, probably in poor english 😉

The Lentos Kunstmuseum in Linz, Austria, is located on the right side of the river Donau, vis-à-vis the Ars Electronica Center. Due to this geographical axis the idyllic small town is supercharged with digital chique, postmodernism and global communication. The perfect place for the exhibition ‘Just Do It! – The subversion of signs from Marcel Duchamp to Prada Meinhof’, which took place in spring 2005. Here the history of Culture Jamming, the deconstruction, appropriation and détournement of signs, was compiled for the first time. But what is the properly meaning of that twisted and often used term Culture Jamming?

The term Culture Jamming has been coined by the US-American avantgarde-band Negativland.

To jam – which means techniques to limit the effectiveness of an opponent’s communication or detection equipment in a military context – was to Negativland to take existing communication codes and reload them with new meaning. However, this cultural technique is not new, the first known example is Marcel Duchamps „Mona Lisa“, the picture of the Gioconda on which Duchamp has painted a moustache and wrote ‘Elle a chaud au cul – She has a hot ass’ on the lower side of the picture. This is an early jam, let’s say a political jam, because Duchamp changes the semantic perception of the Mona Lisa and was bringing out a deeper truth, like Naomi Klein demands in her book No Logo. The truth that Leonardo da Vinci was gay.

A more current example of Culture Jamming in the Lentos Kunstmuseum was given by the project vote-auction of ubermorgen.com, aka Hans Bernhard and lizvlx, from Austria. To whom – like me – the didactical tension between the exhibits and the exhibition catalog is only a bit of a yawn, it was difficult to decode the ubermorgen.com-installation: Two big black and white prints of symbols containing e.g. the words „The Agency“ and „Vote-Auction“, two giant heaps of paper and a tv-screen playing the CNN-Show „Burden Of Proof“. However, a closer look on the installation turns out, that ubermorgen.com did a spectacular prank, using the American election system:

vote-auction was an internet platform on which American electors were able to sell their votes online during the election George W. Bush vs. Al Gore in the year 2000.

In a web mask the citizens were able to fill in their personal data and offer their vote for sale. Due to the fact that it is highly illegal for American citizens to offer their vote in any way, those people had to be protected. So the data that was filled in the form was erased immediately. It moved into digital nirvana. The whole action was at least a ridiculous game with some pixel ubermorgen.com arranged on the screen, claiming to buy and sell votes online. The highlight of vote-auction was a half-hour CNN-Feature ‘Burden Of Proof’ with seven attorneys, two technicians via video-stream, Hans Bernhard on the telephone and some politicians and journalists in the studio. But ubermorgen.com are insisting on the fact that they don’t have any ideological aim in their actions but doing ‘Researches in the living organism of global communication’.
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Sampling Essay Vol.1

Während der Arbeit an meinem neuen Film, stoße ich hin und wieder auf Mikrostories populärer Samples oder inspirierende Sample-Genealogien, die ich in kleinen Essays auf der Website sammele. Volume 1 ist Public Enemy mit She Watch Channel Zero.

Das größte, most funky, most kickin‘ Sample der jüngeren Musikgeschichte ist sicherlich der Funky Drummer von James Brown, ein Drumbreak aus dem gleichnamigen Stück, gespielt von Clyde Stubblefield auf dem Album In The Jungle Groove von 1970. Die Aufnahme wurde 1969 in Cincinnatti, Ohio erstellt und das Drumbreak ist seither von unzähligen Gruppen (2 Live Crew, 808 State, Coldcut, De La Soul, Fine Young Cannibals, George Michael, Madonna u.v.m.) gesamplet worden. (Ausführliche Liste hier)

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James Brown – Funky Drummer

Die radikale Rap-Gruppe Public Enemy deren Produktionsteam Bomb Squad eine eigene Version des Wall Of Sound entwickelt hat – eine spezielle Art harte, dissonante und unmelodische Sounds und Samples zu einer massiven Soundwand aufzuschichten – bediente sich ebenfalls reichlich an diesem Drumbreak.

In dem Track She Watch Channel Zero entwendete das Bomb Squad ein Stück aus dem Klassiker Angel Of Death der Trash-Metal-Band Slayer.

Die Gruppe Slayer fällt in Minute 1:40 kurz nach dem ersten Refrain in eine statische Schleife, in der das Hauptthema – zur kurzen Atempause vor dem nächsten Energiepeak – variiert wird. Hier hat das Bomb Squad zugeschlagen und zusammen mit dem Funky Drummer die Grundlage für den medienkritischen, leicht sexistischen Track She Watch Channel Zero konstruiert. Die radikale Form des rohen Heavy-Metal-Samples (Heavy Metal ist übrigens eine Wortschöpfung von William S. Burroughs) wird benutzt um den radikalen Inhalt der Black Conscious-Lyrics ästhetisch auszukleiden, natürlich gewürzt mit einer Prise Funk.

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Public Enemy – She Watch Channel Zero (Snippet)

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Matrix – Reloaded

‚Matrix – Reloaded‘ als Modell der Kulturindustrie

Im Mai des Jahres 2003 kam der lang erwartete zweite Teil der Matrix-Trilogie ‚Matrix – Reloaded‘ in die Kinos. Mit diesem Film wird das philosophische Kontinuum, welches Matrix I aufspannte, um eine für das Verständnis postmoderner Kontrollgesellschaften essentielle Dimension erweitert:

In Matrix I findet der Protagonist Neo heraus, dass er in einer computergenerierten und –kontrollierten Scheinwelt lebt, einer Simulation, welche den Menschen die Situation in der “realen” Welt vernebeln soll. In der ‚realen‘ Welt sind die Menschen Sklaven der Maschinen um diese via Bioelektrizität mit Strom versorgen. Neo wird von einem Mann namens Morpheus aus dieser simulierten Realität in die ‚reale‘ Welt herübergeholt, in der eine postatomare Staubwolke die Sonne verdunkelt und die Menschen im fötalen Stadium in riesigen Stromgeneratoren dahinvegetieren. [Btw. Energieerhaltungssatz ick hör dir trapsen!]

Soweit erinnert das Szenario an die von Adorno/Horkheimer in ‚Dialektik der Aufklärung‘ diagnostizierte Kontrollgesellschaft. Die Menschen sind in dieser “von früh an in ein System von Kirchen, Klubs, Berufsvereinen und sonstigen Beziehungen eingeschlossen, die das empfindsamste Instrument sozialer Kontrolle darstellen. Wer sich nicht ruinieren will, muss dafür sorgen, dass er, nach der Skala dieses Apparates gewogen, nicht zu leicht befunden wird.” Um die Menschen von der Erkenntnis ihres mechanischen Daseins abzuhalten sorgt die Kulturindustrie für die Erstellung immer neuer Phantasmen in die sich der Mensch hineinträumt um der grauen Realität seines Alltags zu entfliehen. Der sog. “kulturelle Mainstream”.

Analog dazu kann das Modell der Matrix im ersten Teils betrachtet werden. Neo entflieht ihr mittels Morpheus Hilfe in die graue Realität um dort an einer wie auch immer gearteten Befreiung der Menschheit zu arbeiten. So ergibt sich in Matrix I die einfache Erlösungsoption durch Erkenntnis des ‚Verblendungszusammenhangs‘, der Strukturen des Systems, die dem modernen Menschen offenzustehen scheint.

In ‚Matrix – Reloaded‘ erfährt der Zuschauer zunächst, das in der ‚realen‘ Welt eine Subkultur existiert, die sich in einer Gemeinschaft namens Zion unter der Erdoberfläche aufhält. Dort versammeln sich alle Menschen die aus dem System der Matrix in die ‚reale‘ Welt entkommen sind. Doch im Verlauf des Films häufen sich die Hinweise darauf, dass auch Zion eine Matrix ist, deren Existenz der Architekt der Matrix in einer Schlüsselsequenz erklärt: In der Hauptmatrix (Matrix I) ergeben sich schon nach kurzer Zeit Programmfehler – wie er pseudomathematisch erklärt – eine bestimmte Zahl von Individuen erkennt die Kontrollstrukturen der Matrix und ergreift die Flucht. Dieses Quantum wird in einer zweiten Simulation – nämlich Zion – aufgefangen. Die Bewohner von Zion sind in dem Glauben in der ‚realen‘ Welt zu leben und somit ein wahrhaftigeres Dasein erlangt zu haben.
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