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Generation Remix – Book Launch & Grand Opening

Wer hätte das gedacht? Am 4. Mai 2014 wird in der Heinrich-Böll-Stiftung in Berlin ein Remix-Museum eröffnet. Parallel dazu wird der Sammelband Generation Remix: Zwischen Popkultur und Kunst von Valie Djordjevic und Leonhard Dobusch als eBook und POD veröffentlicht.

Generation Remix

In dem Sammelband erklären Remixerinnen und Remixer, was einen genialen Remix auszeichnet, erzählen von ihren Kämpfen mit einem veralteten Urheberrecht und präsentieren ihren persönlichen Lieblingsremix. Ergänzt werden diese Gespräche durch Beiträge der Remixkünstlerin Cornelia Sollfrank, des Musikers Georg Fischer, des Creative-Commons-Gründers Lawrence Lessig, des Urheberrechtsexperten Till Kreutzer, des Journalisten und Meme-Experten Dirk von Gehlen und mir. Yeah!

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Live und dabeigewesen: Kultur Tanz Demo, Frankfurt, 6. 9. 2012

War Frankfurt einst die Stadt, in der Techno institutionell gegründet wurde, ging es die letzten zehn Jahre stark bergab. Verglichen mit der Zeit vor 20 Jahren wird hier kaum noch kulturelles Kapital geschaffen. Zwar gibt es noch das Tanzhaus West, aber das war es dann auch schon. (U60 interessiert mich nicht und trägt musikalisch auch nicht zur Vielfalt bei). Umso erstaunlicher was die Initiative Clubs am Main mithilfe der ganzen Posses aus dem Rhein-Main-Gebiet geleistet hat, obwohl es doch beim Ausgang aussah wie auf der ersten Loveparade…

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… nämlich weil echt nur gut 300 Leute und ein Laster zu sehen war, von dem ein langsamer Groove ausging. Doch die Sonne schien, das Programm war uns unbekannt und gegen 18.30h starteten die Reden. Und mit Talla 2xlc und DJ Dag (siehe Foto) waren auch zwei Prominente aus den goldenen Jahren dabei und es wurde angefangen zu reden. Völlig überraschend stand auf einmal Dr. Motte auf der Bühne und begann nach dem pathetischen Dutschke-Ende („Der Kampf geht weiter“) Ralf Schefflers (Batschkapp) seinen Vortrag. Ob ihn in Berlin keiner mehr hören will? Ist auch gewöhnungsbedürftig der stimmlichen Mischung aus Didi Hallervorden und einer harten Kampfsprache zuzuhören. Als die Musik losging, der Zug sich in Bewegung setzte und Motte überraschender gut auflegte (sogar am besten im Nachhinein) kamen die zum Vorschein, die sich vorher in den Seitengassen bei den 13 anderen Wagen aufhielten. So waren es plötzlich zwanzigmal so viele.

Im Kreis ging es um die Hauptwache, quasi am Omen vorbei (komisches Gefühl, da wieder zu tanzen) auf die Berliner Straße in Richtung Kurt-Schuhmacher-Ring. Die Menschen winkten freiwillig so aus dem Fenster, wie es sich Honecker wohl immer gewünscht hätte, und als Motte dann noch „The Age of Love“ spielte, war es beim Sonnenuntergang echt kitschig-schön. Gegen den Monza-Wagen mit seiner Mörder-PA kam keiner an. Das Tanzhaus West hingegen hatte die Konfetti-Kanone und die motiviertesten Tänzer und sorgte für die nötige Portion Nuller-Hedonismus (lila Foto), während die Intimbar mit ihrer Nano-Pritsche auch einen Druck in der PA hatte, der für die Größe des Wagens unglaubich war.

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Über Sachsenhausen zog sich der Zug am Museumsufer vorbei, wieder über den Main entlang des alten XS/Box und kam zur Abschlusskundgebung an der Hauptwache an. Und dann war auch endgültig die Frankfurter Feierwut zu spüren, als die Veranstalter meinten, dass knapp 8000 Menschen dagewesen wären und die Demo größer als in Hamburg und Berlin sei. (Ohne Touris scheint in Berlin wohl nichts mehr zu laufen 😛 ) Geredet wurde zum Glück nur zwei Minuten, damit das letzte Lied (ein 25-minütiger Megamix mit Tok Tok am Ende) laufen konnte.

Abschließend war es natürlich extrem geil. Wetter: T-Shirt bis zum Schluss. Stimmung: Rave. Spaß: mehr als vorhanden. Und das Publikum reichte von Technoclub-Veteranen der ersten Stunde bis hin zur jüngsten Generation an U-Bar-Ravern.

Nachtrag: Wirklich richtig schade war es, dass weder die Tageschau noch das heute journal darüber berichteten und auch in den Zeitungen fiel das Thema fast überall durch. (Ausnahme FR). Ob es an der Pressearbeit im Vorfeld durch die GEMA lag oder (speziell in Rhein-Main) durch den Flughafen-Streik, weiß ich nicht. Natürlich ist die Clubkultur als Wirtschaftsfaktor in Frankfurt lächerlich. Da scheffelt jede Bank rund um die Hauptwache Milliarden und die paar Millionen interessieren nicht. In Berlin hingegen: umgekehrt. Ohne die Clubs und den damit verbundenen Tourismus wäre die Stadt am Ende (finanziell ist sie es auch so). Was kann man beim nächsten Mal besser machen?

Nachtrag 2: Es geht nicht nur um die Feier-/Technokultur. Auch die Batschkapp hatte einen Wagen mit Punkrock und ein Reggae-/Ragga-/Dancehall-Toaster-Wagen gefiel mir außerordentlich. Aber als ravesozialisierter setze ich entsprechend meinen Schwerpunkt. Ist keine Abwertung.

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Ehrenrave für den Richard Gere vom Maschsee

Christian Wulff ist zwar ein – Wort ausdenken – , aber hat sich immerhin mit „Over the Rainbow“ als Abschiedslied das Stück gewünscht, das einst die amphetamindurchtränkte Schauspielerin Judy Garland zum Besten gab und das später auch als Tresor-Soundtrack von der MDMAzing Marusha gesungen wurde.

Also hat die Raving Society doch gewonnen und Herr Laarmann wird sich bestimmt riesig freuen. Ob er sich danach noch mit Gattin und Arschgeweih ins Matrix auf die Warschauer begeben wird, ist unklar. Geraved wird heute trotzdem. Erst Bellevue und von dort aus ins Wochenende starten.

Im übrigen hatte Elke Wittich die richtigen Worte für die Spießbürgerdebatte:

„Dabei wäre alles so einfach: Wenn man Leuten keinen Ehrensold zahlen möchte, dann sollte man sie zuallererst nicht als Bundespräsident beschäftigen. Und wenn Straftaten ein Grund für die Nichtzahlung wären, könnte es ganz geschickt sein, zunächst einmal den Ausgang eines Gerichtsverfahrens abzuwarten, bevor man sich mit viel Elan in die Debatte wirft. (…)“

Es wird aber nicht abgewartet, denn dass Christian Wulff das haben möchte, was ihm zusteht, ist un-er-hört.

„Wie Kassiererinnen, die Pfandbons klauen, und Rentner, die ihre deutschen Pensionen auf Mallorca durchbringen, oder Hartz IV-Empfänger, die nebenher ein bisschen schwarz arbeiten, gehören dem ehemaligen Bundesprä­sidenten nämlich alle Leistungen gestrichen, wegen mangelnder Demut vor dem Arbeit- bzw. Geldgeber, der in diesem Falle das deutsche Volk ist. Und das nimmt derzeit besonders übel: 200 000 Euro! Im Jahr! Was man damit alles anfangen könnte! Aufklärungsbroschüren über die Gefahren des Linksextremismus drucken, beispielsweise, oder Leute einstellen, die Leistungsbezieher überwachen, oder oder oder.“

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Raw Series – Raw Series #01 [Raw Series, RWS01]

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Kleinvieh macht auch Mist. Denn wenn dann die Eichhörnchen im Herbst ihre Nüsse gesammelt haben, überstehen sie locker den Winter. Nicht zu einseitig die Ernährung? Wohl kaum, und wenn das in der Natur geht, dann auch in der Musik.

Das Konzept des Minimalismus wörtlich genommen und nach Detroit verfrachtet, macht man beim neuen Vinyl-Label Raw Series: “the concept: just a drum machine and a synth – pure analogue dj-tools!”, verrät der Promotext.

Als hätte man es nicht schon immer gewusst. “Enter the Wald”, statt “enter the void”. Zwischen der straighten 808 und dem Detroitchord zieht man sich in einen Strudel, der auch durch kein DMT ersetzt werden kann. Die B ist dann weniger straight und mehr Rumpelstilzchen im Beat. So muss ein Tool klingen … plus noch viel kalter Nebel dazu. Yeah!

Hören und Kaufen

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Silvester 2009 in Berlin

Ein Spaziergang durch den Prenzlauer Berg und Mitte bringt es ans Tageslicht: Vor Silvester 2009 berstet Berlin vor EasyJet-Ravern. Englische, spanische und französische Touristen bei Lidl, am Alex und in den Cafés um den Helmholtzplatz. Hostels und international bekannte Clubs wie das Weekend, 103, Watergate, Tresor, WMF oder gar das Berghain sind brechend voll. Als Alternative gibt es auf realvinylz ein paar (Eintrittsschlangen-)entspannte Partys mit Urban Electronic Music in Berlin.

+++ RemmiDemmi – Möbelrücken auf 3 Etagen @Ballhaus Ost +++

How much?: 5 Euro vor 0 Uhr, danach 10 Euro mit Passwort (Ich bin DELIKAT)
Where?: Ballhaus Ost, Pappelallee 15, Berlin-Prenzl‘ Berg, U2 Eberswalder Strasse
When?: 22 Uhr
What?: TechHouse, Minimal, Electro, Funk, Soul, IndieRock
Who?: Cinthie, Andre Crom, Luca Dobbie, Fresh Meat, pitt&bone, Disko DNA uvm.

DELIKAT

+++ Silvester im Cookies +++

Where?: Cookies, Friedrichstrasse 158-164, Berlin-Mitte
When?: 1 Uhr
Who?: TRUS’ME, Hans Nieswandt, Jack Tennis, Ponypop Girls, James Fuckin Friedmann uvm.

Cookies Flyer

+++ // SILVESTER NEW YEAR // @ZMF +++

How much?: Eintritt vor Mitternacht 5,- Euro, nach Mitternacht 10,- Euro.
Where?: R.I.P. aka ZMF/ ROTE LAMPE, Brunnenstrasse 10, Eingang über Weinbergspark, Berlin-Mitte, U Rosenthaler Platz
When?: 23 Uhr
Who?: LIVE: Lars Wickinger, Mama, Schulz und Söhne, Dürerstuben — DJs: Angie Reed, Fassifern, Goldhands, Hardpop u.v.m.

+++ SILVESTER AFTER HOUR +++

Where?: Ziegrastraße 11, 12507 Berlin, S Sonnenallee
When?: 01.01.10 @12:00
Who?: Duran Duran Duran, Kruton, DSB, CommonWealth, Franz Underwear, Purita D, Jemek

Raum18

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Sa, 24.10.: Altern8 @Maria am Ostbahnhof, Berlin

‚For those who know‘, wird morgen ein Traum von 1992 in Erfüllung gehen – und wir fiebern schon seit Tagen drauf hin. Vielleicht werden sie ihre Lackiereranzüge anhaben, Atemmasken mit Eukalyptus betreufeln, damit die Es besser knallen und wild mit ihren 3Ø3s über die Bühne hüpfen. Vielleicht werden sie es auch nicht tun.

Definitiv werden Altern8 nach 15-jähriger Trennung wieder zusammen auf der Bühne sein und uns in eine Zeit eintauchen lassen in der die Euphorie immer auch einen positiv-melancholischen Unterton hatte; die Breaks von einer 9Ø9 kommen durften und Naivität, gepaart mit Experimentierfreude, ausreichte um die Nacht in Glück zu verwandeln.

Ob es ein Live- oder DJ-Set gibt … ist noch unklar – ist auch egal. „Top one, nice one – get sorted!“

Auch da: DJ Donna Summer, Sly 1, AC Slater
Wo: Maria am Ostbahnhof
Wann: 23h

It’s Weekend, Dude! Time To Rock!

Concetta Kirschner aka Princess Superstar ist mit 70ies Soul und Rock im Suburbia von Philadelphia aufgewachsen, um dann mit 17 nach New York zu ziehen.

Die Grand-Lady des Electro-Rap hat schon mit N.E.R.D., Björk, Z-Trip, Kool Keith, The Herbalizer, Tiga, Felix da Housecat und KRS-1 zusammengearbeitet.
Fuck Me On The Dancefloor hat sie zusammen mit dem Booty Bass/Ghetto Tech-Produzenten Disco D aufgenommen.

Without Further Ado It’s Time To Start The Mix:

Musikvideo: Adobe Flash Player (Version 9 oder höher) wird benötigt um dieses Musikvideo abzuspielen. Die aktuellste Version steht hier zum herunterladen bereit. Außerdem muss JavaScript in Ihrem Browser aktiviert sein.


Princess Superstar – Promo Mix

Tracklist:

Hey Motherfuckers – Robert Roccobelly
Who Made Who – Unknown
Acid Drops – Unknown
Git Back – Chicken Lips
Feel For You – Chaka Kahn
Never Be Alone – Justice vs Simian (Etienne De Crecy Remix)
I Know You Got Soul – Eric B and Rakim
You Prefer Cocaine – Vitalic
Bucky Done Gun – M.I.A.
La Mode – Mode02
Pump Up The Jam (Accapella) – Technotronic
Higher State Of Consciousness – Josh Wink
Push It – Salt n Pepa
Washing Up – Tomass Anderson (Tiga Remix)
Loose Control – Missy Elliot
Rocker – Alter Ego (Remix)
Monday Morning – Sharam Jey and Lou Lou Players
Perfect – Princess Superstar (Michi Lang Remix)
Brass Monkey – Beastie Boys (Alexander Technique Re-Edit)
Every Little Thing – The Juan McLean
Wait and See – Chickini & Tiefschwartz (Alter Ego Remix)
Heroine – Lotterboys (Glimmer Twins Remix)
Shake That Thing – Sean Paul (Alexander Technique Re-Edit)
Step On – ESG (Alexander Technique Re-Edit)
Space For Rent – Who Made Who (Tomboy Remix)
It’s A War – Kano (Serge Santiago Re-Edit)
Tribulations – LCD Soundsystem (Lindstrom Remix)
Walking Away – The Egg

Princess Superstar Is [CD]
My Machine [Vinyl]
Last of the Great 20th Century [Vinyl]

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School of Stylez: Ghetto Tech

Ghetto Tech oder GetoTek ist eine Form elektronischer Dance-Music aus Detroit, die sich im wesentlichen aus Einflüssen von Chicago-House, US Electro Funk, Drum n‘ Bass, Hip-Hop, Techno und Miami Bass zusammensetzt und zu Beginn der 90er Jahre enstanden ist. Die Tracks bewegen sich in der Regel zwischen 145 und 170 BPM, haben stark betonte Subbässe und pornografische Texte. Die DJs orientieren sich beim Auflegen am Turntablism und DJs wie Disco D haben diese Kunst zur wahren Meisterschaft perfektioniert.

David Shayman aka Disco D ( † 23. Januar 2007 in New York) war einer der grossen Ghetto Tech Produzenten. In Williamsburg im New Yorker Bezirk Brooklyn begann er mit Booty Bar Records ein Ghetto-Tech-Plattenlabel aufzubauen, zu dem auch ein Club gehörte. Sein erstes eigenes Label GTI Recordings hatter er bereits im Alter von 19 Jahren. Die Range seines Outputs reichte von Vinyl-Only Detroit Ghetto Tech Platten bis hin zu millionenschweren Produktionen für 50 Cent (Ski Mask Way) und Princess Superstar, deren ironische Lyrics er mit äußerst tanzbarem Ghetto Tech versah.

Craig De Shan Adams aka DJ Assault ist ein Ghetto Tech- und Hip-Hop-DJ. Er gründete 1996 das Label Electrofunk Records und produzierte bis zum Jahr 2000 eine Serie 12″-Platten unter dem Namen DJ Assault. Seine Trackphilosophie lässt sich wohl am Besten mit dem dialektischen Spannungsfeld um Ass ‚N‘ Titties beschreiben.

DJ Assault – Belle Isle Tech [Mixed]

Cutlass Supreme war Mitte der 90iger zunächst Drum & Bass DJ, aber wurde zum Ghetto Tech Sound bekehrt, als er 2001 Detroit’s DJ Godfather kennenlernte. Er ist seit zehn Jahre ein Teil des WIDE-Kollektivs. Cutlass Supreme ‘injects a bit of fun back into dancefloors, making people shake their butts to seriously dirty music’.

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Melt! 2005 – Tomorrow I Will Be Happy!

Am 15.07.05 um 8:00 Uhr fiel der Startschuss für die Fahrt des inoffiziellen Elmar-Sommer-Backup-Teams zum Melt!-Festival in Gräfenhainichen. Der Tourbus schlingerte mit mehr als einstündiger Verspätung in die Neusser Strasse und nahm die schon sichtlich angenervte Restcrew an Bord.

Herr E. – dessen Aphorismen der Tour die nötige philosophische Bodenhaftung geben sollten, fiel schon um 12 Uhr – zwischen Hannover und Braunschweig – das erste Mal aus der Rolle. „Ich bau mal einen, das ist ja schließlich kein Kindergeburtstag!“

Nun denn, auf einem Bein kann man nicht stehen und so kam es, dass schon kurze Zeit später der ersten Flasche Gaffel Kölsch das Genick gebrochen wurde. Bei einem Zwischenstopp in einem Kaff bei Dessau, wo unsere bezaubernde Mitfahrerin Constanze von ihren Eltern abgeholt wurde, schoß man die ersten Promo-Fotos von unserer Crew. Der Vater der Mitfahrerin hatte eine Canon A100 in Anschlag gebracht und gab den David Hamilton. Als der Bus nach erfolgreicher und zumindest für mich überraschender Presse-Akkreditierung auf das Gelände rollte, hatte Herr E. schon bedenkliche Schlagseite. Die Versuche das Festival zu entern, scheiterten zunächst an einem urplötzlich ausbrechenden Gewitter, das die Band Maximo Park ebenso überraschen sollte, wie den Generator, der die Bühne mit Strom versorgte. Der Legende nach spielten Maximo Park ein Lied akustisch und verschwanden dann zu einer wichtigen TV-Show.

Unser Debüt erfolgte bei der Band Phoenix, die wie gewohnt facettenreichen und amtlichen Pop darbot. Herr H. nickte dem schon im Mosh-Pit stehenden Herrn Sommer vielsagend zu und signalisierte so unsere Bereitschaft zum Backup.

So könnte jetzt eine differenziert geschilderte und analytisch sattelfeste Festival-Reportage weitergehen, doch wie Herr E. während des Phoenix-Auftritts treffend bemerkte: „Wir sind nicht zum Spaß hier, oder!?“

So ist das Nächste, an das ich mich erinnern kann, auch erst das Back-to-Back DJ Set von Justus Köhncke und Carsten „Erobique“ Meyer um 4:00 Uhr morgens. Als diese nämlich den Song „Im September“ von Andreas Dorau spielten, startete Herr H. seine Backup-Performance: Auf einem Bein durch die schon leicht ausgedünnte Crowd hüpfend schrie er: „Januar!, Februar!, März!, April!, Mai!, Juni!, Juli!, August!“, woraufhin Doraus Song mit „September!, Oktober!, November!, Dezember!“ übernahm. Langsam wurde dann auch ich mir meiner Verpflichtungen bewusst und brüllte und sprang aus vollem Herzen. Neben mir tanzte ein sichtlich exstatischer Mense Reents zu dem im Übrigen sehr sehr überzeugend vorgetragenen Plattenprogramm der Herren Meyer und Köhncke.

Etwas vor der Zeit wollte die Security denn aber den Strom abdrehen und Carsten Meyer brüllte beherzt in die Menge: „Jetzt seid mal kurz ruhig! Seid doch mal kurz ruhig! Wir spielen noch EINE Platte!“

Der Rest ging in Pfiffen und Schreien unter. Herr Meyer startet einen kongenialen Phoenix-Remix ein und er und Justus gaben noch eine herrlich asynchrone Tanzperformance, bevor der erschöpfte Justus mit den Worten: „Ich hör‘ da hinten ’ne Bassdrum!“ das Ruder an seinen Labelmate Michael Mayer weitergab, der zeitgleich auf der Gemini Stage mit „Good Life“ von Inner City sein Set einstartete. Michael Mayer tanzte entspannt hinter, vor und neben den Turntables, lächelte in die Menge, schüttelte am Stagerand Hände und drückte dem Melt!-Festival charmant groovend und sublim rockend seinen Stempel auf. Überhaupt: der Freitag-Nacht-Pokal geht ganz klar an die mit Kompakt und Ladomat assozierten Acts und DJs!

Schon um 7 Uhr morgens allerdings begaben sich Herr H. und ich in unseren Tourbus, nicht ohne von der Security noch zweimal über das Gelände gescheucht zu werden:
Security: „Fahrt jetzt mal ganz schnell den Wagen woanders hin!“
Ich: „Sie machen sich strafbar, wenn Sie uns zum Fahren zwingen, da wir beide Minimum 2 Promille intus haben.“
Security: „Na, dann müssen wir euch leider abschleppen lassen. Außerdem untersteht das Gelände nicht der Straßenverkehrsordnung.“
Ich: „Also dürfen wir hier betrunken Auto fahren?“
Security: „Macht das ihr wegkommt!“
Herr E. legte sich dann übrigens um 12Uhr auch für einige Minuten in den Tourbus.

Der Samstag startete entspannt mit einem Bad im schlammigen und nach Aussage der Festivalleitung „lebensgefährlichen“ See.

Es kostete mich alle Kraft und einige O-Saft/Wodka-Mischungen, die ich, in unsere um eine Mann stärker gewordenen Gruppe, investieren mußte, um die Moral aufrechtzuhalten.

„Wir sind nicht zur Erholung hier!“, erklärte Herr E. dem Neuzugang Yannick die prekäre Lage. Unsere erste Tagesaufgabe war nun: Jens Friebe dissen! Der maßlos überschätzte, über laffe DAT-Halbplaybacks nölende Kinderstar mußte von seinem Ross geholt werden. Yannick und ich legten eine saubere Aerobic-Performance vor der Bühne hin und wir waren uns einig: „Die Meßlatte für Aerobic-Begeleitmusik hatte Herr Friebe um einige Zentimeter höher gelegt.“
Der noch vor Stundenfrist kollabierende Herr E., um den ich mir bereits Sorgen zu machen begann, hatte sich wundersam erholt, legte ein paar Becks Gold nach und verlegte das Abendessen auch auf „nach Dorau!“ Dieser überzeugte sofort mit der Starbesetzung: Mense Reents am Schlagwerk, Tim am Apple und Crumar, Carsten „Erobique“ Meyer an der Basstation und ein Eber/Waschbär als Backgroundtänzer. Justus Köhncke, der sich kurz vor dem Auftritt sichtlich übernächtigt ein Becks vom Fass genehmigte, stand zur moralischen Unterstützung links am Bühnenrand und wurde von Dorau schon nach dem ersten Song mit den Worten „Das Lied war für Justus!“ geehrt. Es folgten Hits wie „Girls in Love!“, „40 Frauen“ und „So ist das nun mal“. Die Minimal-Tanzperformance und die Basslines von Carsten Meyer zeigten das nächste große Ziel des Abends an: 2 Uhr Erobique an der Big Wheel Stage.

Der hatte allerdings erstmal mit der Technik zu kämpfen, das Mikrofon und einiges andere schien zunächst nicht richtig zu funktionieren. Außerdem war der gute Mann irgendwie auf der falschen Stage gebookt worden, da ich mich umgeben von Abfahrtkids befand, die zwischen Jake Fairley und Acid Maria auf Erobiques musikalischen Ausflügen nicht ganz klarzukommen schienen. Doch spätestens als Erobiques Überhit, dessen Titel ich bis heute noch nicht kenne, anlief, ging die Crowd steil. Für Tips, wie das Lied mit dem weiblichen Stimmsample: „Sounded so fine, so fine!“ heißt, bin ich sehr dankbar.

Während ich dazu mehrere Meter in die Luft sprang und Dinge wie „Carsten ich will ein Kind von dir!“ schrie, kam eine fremde junge Frau aus der Menge auf mich zu, zog an meinem Akkreditierungsausweis und gab mir zwei Ohrfeigen. „Du Arsch, ich hab einen Freund. Du bist mir scheißegal! Du brauchst dir gar nicht so toll vorzukommen!“ (???)

Herr H. eilte mir zur Hilfe und der weitere Abend konnte ohne weiter Zwischenfälle begangen werden. Beziehungsweise gab es insgesamt schon einen musikalischen Zwischenfall: Aus irgendwelchen unerfindlichen Gründen standen plötzlich die Alt-Rocker Laid Back (sic!) auf der Bühne um tatsächlich „Bakerman“ und „Sunshine Reggae“ in Extended Versions zu spielen. Die Umstände dieses Booking kann man wahrscheinlich nur verstehen, wenn man wei?das bald AC/DC auf dem Sportplatz des nahegelegenen Kaffs Oranienbaum spielen und DJ ?Ötzi in Roßlau angepreisen wird. (Bei näherem Hinschauen entpuppten sich beide Double bzw. Cover-Bands). Will sagen: Ohne die im Umland übliche provinziell-retardierte Fehlbuchung kommt wohl auch das Melt!-Festival nicht aus. Die wenigen Laid-Back-Fans dürften dann auch von der ungewöhnlichen Uhrzeit und der Einbettung zwischen den großen Underworld und den Drum n‘ Bass Urgesteinen LTJ Bukem und MC Conrad stark verunsichert gewesen sein.

Herr Sommer verließ nach Einbruch des Drum n‘ Bass-Gewitters den Mosh-Pit und auch wir hatten somit unsere Backup-Pflicht erledigt.

Nach etlichen „Tomorrow, I Will Be Happy“- (Superpitcher) und „Feel Good Inc.“- (Gorillaz) Wiederholungen, „REWIND!“-Gebrülle meinerseits vom Busdach und merkwürdigen Unterhaltungen im THC-Dunst strich selbst Herr E. die Segel.

Die Rückfahrt durch herrliche ostdeutsche Kleinstädte, die unheimliche Absenz von Imbissbuden an der B80 und ein famoser Sonnenuntergang rundeten die Rückfahrt und Herrn E.’s Abschlussbesäufnis ab. Herr Elmar Sommer ist übrigens Regisseur der am 11.9.05 im WDR Rockpalast ausgestrahlt werdenden Melt!-Aufzeichnung und dürfte von unserer verdeckten Backup-Operation nichts mitbekommen haben. Wer allerdings die kryptischen Moderationen bezüglich des Melt!-Festival von Klaus Fiehe in Raum und Zeit auf Eins Live zwischen 0:30 und 1:00 Uhr gehört hat, könnte dem Geheimnis der wahren Hintermänner des Melt!-Festivals ein Stück näher gekommen sein.

„Tomorrow, I Will Be Happy! REWIND!“